Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 5 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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67 Simon schien ein flotter Bruder Studio geworden zu sein, denn die seltenen Briefe, die er an seinen Vater richtete, enthielten weniger Berichte über sein fleißiges Studieren, als die Klage über Mangel an nötigen Mitteln, da er, wie er schrieb, doch standesgemäß anftreten müsse. Dieses standesgemäße Auftreten des Sohnes kostete aber dem Vater mehr Geld, als er von Rechtswegen hätte hergeben dürfen, wenn er nicht seine übrigen Kinder beeinträchtigen wollte. Eva Rehfeld hatte schon oft diescrhalb ihrem Vater gar ernste Vorstellungen gemacht, jedoch vergebens. Der Vater schwieg oder gebot der Tochter gar zu schweigen; er könne mit seinem Gelde machen, was er wolle, meinte er. Der Vater war eben verblendet, in seinem Eigensinn wollte er etwas durchführen, was sein ganzes Vermögen kosten konnte, und es war noch gar nicht abzuschen, ob er wirklich das gesetzte Ziel erreichen würde. (Forts, folgt.) Zu unserer Kunstbeilage. Text von A. Levy. Purim!! Welch' eigentümliche Wirkung übt doch dieses Wort noch heutzutage aus! Was ist Purim? Ein seltsam' Zwitterdiug! Das Sprichwort sagt, was es nicht ist. „Purim ist kein Feiertag!" so lalltet das alte Wahrwort, und es hat recht. Aber auch ein Werktag ist es nicht. Diese Zwitterstellung macht uns aber grade den Tag so lieb. Wir werden in unseren Ergötzungeil durch fein Gesetz und keine Vorschrift behindert. Ihr könnt da malen, zeichnen, Fenerlverkskörster abbrennen, schreiben, Klavier- und Geigenspielen — und Geld ausgeben. Ja letzteres spielt eine Hauptrolle an diesem Tage. Dcnil ein solcher Frcudentag ist vor allem dazu angethan, daß wir der Armen gedenken. Wir thun es gerne, und jene intffen cs auch. Gar mancher, der sich sonst schämt, seine Harld bittend auszustrecken, nimmt an diesem Tage eine gern uild willig gereichte Gabe entgegen. Denn ja auch Freunde uild Bekaiuüe beschenken einander. — Gebeil nild nehmeil ist die Parole dieses Festes. Aber auch der Arme, der sich durch ein Gegengeschenk nicht revanchieren kann, will nichts umsonst haben; er sucht feinen reichen Nachbar durch einen Maskenscherz zu erfreuen. Diesen Monlent führt uns unser Bild vor. Das reiche Pnrimmahl ist beendet. Auf dem Tische befinden sich noch eine Schale mit Obst und eiil Teller mit knusprigem Gebäck zum Nachtisch. Dein Hausherrn und dem eingeladenen jungen Freunde sind schon die Schalen schwarzen Kaffees gereicht worden; ersterer ist auch im Begriff sich seine Thonpfeife anzuzünden — eine Erquickung, die er sich sonst nach dem festlichen Mahle am Freitagabend uild Samstag nicht gönnen kann — der kleine Bube, das Nesthäkchen, wollte schon seinen gewohnten Platz auf des Vaters Schoße einnehmcn — denn der gebührt ihm jedesmal nach dem „Benschen"*) — auch die Vorjüngste, des Vaters ganz be- *) Tischgebet.