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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 4 (1895) · p. Seite 54

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
4 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 54 (sequence 24)
Language
German
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— 54 — m „Wohl wirst Du, mein Sohn, mit mancherlei Schwierigkeiten zn kämpfen haben, aber bei einiger Ausdauer und Willenskraft »wirft Du gewiß das Ziel erreichen, gleichviel, welches Handwerk Du wählen magst." „Ich will Schlosser werden!" hatte der David den Sprechenden unterbrochen. „Schlosser?" entgegnete Herr Boas. „Es freut mich besonders, das; ein .Handwerk wühlst, das mit körperlichen Blühen, und Beschwerden verknüpft ist, das an die physische Arbeitskraft große. Anforderungen stellt. Es wäre überhaupt.zu wünschen, daß unsere Glaubensgenossen auch dieser Gattung von Handwerken, sich mehr widmeten, ans daß auch dem Vorwürfe ^die Spitze abgebrochen werde, die Juden scheuen jede körperliche Arbeit. Was nun Deine nächste Zukunft anbelangt, so sei unbesorgt, ich werde für Dein Unterkommen sorgen, und der hier unlängst begründete „Verein zur Förderung, und Unterstützung des Handwerk-) unter den Inden" wird ein Übriges thnn." — Nach Verlauf von acht Tagen schon befand sich David!Rosen in der Lehre bei einem nichtjüdischen Schlossermeister in der NesidenzstadMW» Tür David aber war die Lehrzeit eine schwere Leidenszeit, und es war für sykk^W^Glück, daß er in Joseph Rehfeld einen teilnehmenden Freund gesunden hatte. *. Davids Lehrherr war nicht so human, wie der Lehrherr Josephs, Während d'ckser stets die vollste Rücksicht auf die Religionszugehörigkeit seines Lehrlings walten ließ, behandelte jener David mit der größten Härte und ließ den Knaben stets süh^ daß er nicht sein Glaubensgenosse war. Erwiesen sich einmal seine jugendlichen Kräfte als zn schwach für die Ausführung einer anstrengenden Arbeit, dann ertönten ihm die Hohnworte entgegen: „Der Jndenjnnge will nicht arbeiten, sondern fanllenzen, wie alle Inden." Und hatte er wirklich eine schwere, komplieicrte Arbeit vollführt, wozu die Anspannung aller Geisteskräfte erforderlich war, daun Härte er statt aller Anerkennung nur die Worte: „Na, klug und schlau sind die Inden immer! ' Al' ^ests aber hatte seinen Eifer nicht erkalten lassen. Sein Streben ging n'- etn Tüchtiges in seinem Handwerke zn erlernen. Freilich, die Erfütlnm qic* Pflichten war ihm sehr erschwert worden, und wenn am frühen Marge, nosscn im Schlafe lagen, dann erhob er sich leise von seinem Lager, innigen Gebete zu Gott sich zn wenden. Keinen Morgen trat er zur ohne vorher dieser seiner heiligen Pflicht genügt zn haben, und da-) B diese Pflicht treu erfüllt zu haben, stärkte ihn und machte ihn fähig, ' Schwerste zu erdulden. Nun war auch für ihn das Ende seiner Ccibcukommen, auch er war Geselle geworden. Es war ein herrlicher Tag für die beiden jungen jüdischen Handwerker g. wesen, als sie vor versammelter Innung von dem Obermeister „freigespröchen" 'wurden. Dieser hatte für ihre Fachleistungen ein unbegrenztes Lob ansgesp wehen

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