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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 3 (1895) · p. Seite 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
3 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 40 (sequence 24)
Language
German
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fußen auf Mamas. Durch einen bedeutenden Forschungsreisenden sind uns über die Juden in Westindien in jüngster Zeit Nachrichten zugegangen. Bornehmlich beschäftigt sich der Bericht des Gelehrten über die Inden ans St. Thomas, die zu ihren nichtjüdischen Mitbürgern in einem vortrefflichen Berhältnisse stehen. Es wird ihnen nachgerühmt, daß sie durch ein bescheidenes, prnnkloses, den Geschäften geweihtes Leben führen und den Freuden des Hauses und der Familie sich widmen. Bis auf einige Ausnahmen sind sie von südlicher Abstammung und gehören der sogen, portugiesischen Congregation an, im Gegensätze zu der polnischen, die hauptsächlich im nördlichen Teile Europas heimisch ist. Schon im Äußern zeigt sich dieser Unterschied: die westindischen Juden zeichnen sich durch stolze, hohe Gestalten, durch edle Gesichtszüge und durch eine durchaus schickliche Lebensart aus, die ihnen die Geneigtheit und Sympathie ihrer Umgebung erwirbt. Im Jahre 1757 sollen die Juden auf die westindischen Inseln gekommen sein. Eine dort wohnende israelitische Familie besitzt einige Geburtsverzeichnisse, aus denen hervorgeht, daß in diesem Jahre dort ein jüdisches Kind geboren wurde. Jedenfalls fehlt es aber an unwiderleglichen Beweisen für einen frühem Aufenthalt der Juden in St. Thomas. Nach der Einnahme und Plünderung Rodney's durch St. Euftache im Jahre 1781 ließ der größte Teil der dort ansäßig gewesenen Juden sich in St. Thomas nieder. In der ersten Zeit, als sie noch keine Gemeinde bildeten, hielten sie ihre Betstunden in ihren Wohnungen ab. Erst im Jahre 1796 gelang es ihnen, eine Gemeinde zu bilden und eine Synagoge zu erbauen, die den Namen „Segen und Frieden" erhielt. Im Jahre 1801 zählte diese Gemeinde im ganzen nur neun Familien, im Jahre 1803 aber wurde sie durch fernere Ankunft von Glanbensgenosscn, die ans anderen Orten eintrafen, bis auf zweinndzwanzig Familien vergrößert; die Synagoge wurde darauf im Jahre 1812 mit einem anderen kleinen Gebäude, zu demselben Gebrauche bestimmt, vertauscht. Als die Gemeinde sich später noch mehr vergrößerte, wurde es nötig, auch dieses letzte Gebäude niederzureißen und ein größeres anfznführen. Im Jahre 1824 zählte die Gemeinde viernndsechzig Familien. 1831 brannte das Gotteshaus nieder, aber durch dieses Ereignis nicht entmutigt, führten die Juden die jetzige Synagoge teils durch reichliche Beiträge von der Insel selbst, teils durch Unterstützungen, welche vom Auslande eintrafen, auf. Die jüdische Gemeinde zählt zur Zeit wohl ungefähr zwischen 400 und 450 Mitgliedern. Biele derselben sind im Besitze von Ehrenposten. und es walten nur die freundlichsten Beziehungen zwischen ihnen und der übrigen dortigen Bevölkerung. — Wie sonderbar, daß die „Wilden" so oft „bessere Menschen" sind!

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