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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 3 (1895) · p. Seite 41

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
3 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 41 (sequence 25)
Language
German
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41 „Bessere dich einen Tng vor deinem Tode."-» A. Weiler-Nördlingen. Gewiß ist euch, liebe Kinder, dieser Vers aus „Sprüche der Väter" im Religionsunterricht schon erklärt worden. Ich will euch hierzu ein Gleichnis erzählen. Ein mächtiger König ließ seinen Dienern eines Tages bekannt machen: „Haltet Euch bereit, ich werde Euch an einem Tage zur Tafel laden." Den Tag, die Stunde, wann diese große Ehre den Dienern zu teil werden solle, ließ er ihnen nicht kund geben. Die Vernünftigen unter den Dienern sagten sich, daß ein König in jedem Augenblicke in der Lage sei, seine Tafel reichlich zu bestellen, daß der König jeden Augenblick sie zu sich laden könne. Sie bereiteten sich dem gemäß vor, damit sie, wenn der königliche Ruf an sie ergehe, sie auch diesem Rufe Folge leisten könnten. Sie kleideten sich festlich an, schmückten sich, wie es sich ziemt, um vor einem Könige zu erscheinen, und hielten sich in der Nähe des königlichen Palastes auf. Die Unvernünftigen unter den Dienern aber dachten nicht so weit, sondern sic gingen ihren Geschäften nach, weil sie glaubten, noch Zeit genug zu haben, sich in Festtagsgewand kleiden!zu können, wenn der König sie zur Tafel rufen werde. Unerwartet kan: der Befehl des Königs. Die Vernünftigen und Fürsorglichen unter den Dienern waren sofort zur Stelle. Die Saumseligen und darum auch Unvernünftigen kamen zu spät, obschon sie in Alltags- und Arbeitskleidern vor den König kamen. Die ersteren wurden vom Könige mit Ehren überhäuft, sie dursten sich zur Tafel setzen und sich gütlich thnn an den Speisen des Königs. Die letzteren aber mußten Hohn und Spott über sich ergehen lassen und hatten noch außerdem die Strafe, nebenan stehen zu müssen unb zuzuschauen, wie ihre Genossen geehrt wurden und sich erfreuten. Liebe Kinder! Wißt ihr, wer der König ist? Gott der Allmächtige. Er hat uns auch bekannt gemacht, daß wir einst vor ihm erscheinen müssen, um vor ihm Rechenschaft abzulegen. Wann er uns ruft, das ist keinem Sterblichen bekannt. Es kann aber jeden Augenblick geschehen. Die Vernünftigen verstehen diesen Wink. Sie schmücken sich bei Zeiten mit schönen Gewändern, mit Tugend und Frömmigkeit, daß sie auch jeden Augenblick eingerichtet sind an der göttlichen Tafel zu erscheinen. Sie nützen jeden Tag zur Veredlung ihrer Seele, zur Heiligung ihres Geistes und und beginnen damit schon in frühester Jugend. Anders die thörichten Menschen, die glauben noch Zeit genug zu haben in den Tagen des Greisenalters. Da kommt plötzlich aber Gottes Ruf an sie, und sie müssen unvorbereitet, mit zerrissenen und schmutzigen Kleidern, d. h. mit sündenbelasteter Seele, ohne guten Werke vor Gott erscheinen, und da empfangen sie den Lohn für ihre Thaten. Darum „bessere dich einen Tag vor deinem Tode"', das ist jeder Tag.! *) Pirke Aboth II. 12.

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