Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 3 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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35 )) (Nachdruck verboten!) u ßanöwerk Yak einen goldenen Noöen.' Eine Erzählung ftir die Jugend von I. Herzberg-Bromberg. I. Der Kaufmann Salomon Rehseld war in seinem Contor mit dem Ordnen von Geschäftsbriefen beschäftigt. Er hatte sich in der Mittagsstunde für kurze Zeit in das lauschige Gemach geflüchtet, uni die dringendsten Angelegenheiten erledigen zu können. Drüben im Laden war gerade eine Stille im Geschäftsverkehr eingetreten, und er konnte getrost seiner sechszehnjährigen Tochter Eva die Aufsicht und die Bedienung der vielleicht wenigen, etwa noch zu erwartenden Kunden überlassen. Eva hatte gern die Vertretung des Vaters übernommen; war sie doch stets eine liebevolle, folgsame Tochter gewesen, die den Stolz des Rehseld'schen Hauses ausmachte. Die Tochter hing mit inniger Liebe an ihrem Vater, die ihren Gipfelpunkt erreichte, als vor etwa einem Jahre die Mutter Eva's nach langen, schweren Leiden ans dem Leben geschieden und - die nicht mehr unerfahrene Tochter, welche der leidenden Mutter eine treue, nimmer ermüdende Pflegerin gewesen war, die Leitung des Hans Wesens übernommen hatte. Ihr ganzes Streben ging dahin, dem Vater in gewisser Hinsicht, soweit es eben möglich war, das zu ersetzen, was ihm die Mutter im Hanse gewesen war, und es war ihr eifrigstes Bestreben, Störungen in seinen Lebensgewohnheiteu zu verhüten. Eben schlug es von dem nahen Kirchturm „ein" Uhr, und nicht lange währte es, als ans der Straße draußen ein ungewöhnlich reges Leben bemerkbar wurde. Mit dem eben vernommenen Glockenschlage war der Schnlschluß erfolgt, und mit diesem war gleichzeitig der Semesterschluß verbunden gewesen. Welch Schülerhcrz pocht nicht bangend solch wichtigem Momente entgegen! Mit welcher Sehnsucht erhofft man nickt die Stunde, wo man jenes bedeutungsvolle Schriftstück ans der Hand des Lehrers entgegennehmen soll, auf welchem es verzeichnet, in welchem Maße man die Znft^ denheit des Lehrers sich erworben, ob die Arbeit während eines gewissen Zeitraumes den berechtigten Erwartungen entsprochen habe, ob Lob oder Tadel, ob endlich ein Hinanfrücken aus eine höhere Stufe zu erwarten sei. Jener Moment mußte soeben vorübergeranscht sein; denn nachdem zwei schrille Glockentöne erklungen waren, öffneten sich die Pforten des dem Rehseld'schen Hanse gegenüberliegenden Gynmasiums, und aus demselben flutete ein Strom von Schülern, groß und klein, ein jeglicher ausgerüstet mit je^em für manchen jungen Staatsbürger verhängnisvollen Blatte, das gar so oft über das fernere Lebensschicksal eines Menschen entscheidet. Gar mannigfach war die Wirkung, die der Inhalt der eben ausgegebenen Zeugnisse ans ihre Empfänger ausübte. Hier erblicken wir einen bausbäckigen Quinta.Hr, der siegesfteudig sein Blatt im Winde flattern läßt uub 3*