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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 3 (1895) · p. Seite 36

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
3 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 36 (sequence 20)
Language
German
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36 unermüdlich allen, die es hören wollen, zurief: „Versetzt!" Glückstrahlend eilt er dann fort, um seinem „lieb Mütterlein" die Freudenbotschaft zu überbringcn, die gewiß ihr einzig geliebtes Kind vor Wonne an daS stürmisch pochende Mutterherz drücken wird! Trüben stand ein schmächtiger Quartaner, der sich geflissentlich von der jubelnden Schaar fernhielt und bemüht war, sein Zeugnis sorgfältig zu verbergen; denn wiederum war ihm die Mitteilung seitens seiner Lehrer geworden, daß ihm wegen seines Betragens sowohl, als auch wegen seines Fleißes nur Tadel gebühre. Wiewohl ihn selbst dies alles gleichgültig ließ, so verhehlte er sich doch ss nicht, daß ihn nun im Elternhause das erwarten werde, womit der Vater längst gedroht, wenn sein Zeugnis nicht besser und er nicht versetzt sei. Eva , hatte das Treiben da draußen mit lebhaftem Interesse beobachtet, und ihre Angen schweiften über die jugendliche Schaar, um zwei ihr so liebe Gesichter zu erspähen. Da kamen denn auch schon zwei jugendliche Gestalten aus das Rehfeld'sche Haus zu, es waren ihre beiden Brüder Joseph und Simon. Wer diese beiden Brüder auch nur flüchtig betrachtete, dem mußte es sofort auffallen, welche t] schroffen Gegensätze sie bildeten. Schon in ihrer äußeren Erscheinung machten sich sdiese Gegensätze geltend. Simon, der ältere, war ein lebhafter Knabe von fünfzehn [i Jahren mit einem runden von Gesundheit strotzenden Gesichte, während oer um ein j! Jahr jüngere Joseph eine kleine, schmächtige Gestalt war. Der Ältere war voll I; Leben, während der Jüngere stets ein Phlegma zur Schau trug, das feine Um- '; gebung oft fast zur Verzweiflung brachte. Simon war der Liebling seines Vaters,! der ihn vor seinen Geschwistern bevorzugte. Simon vergalt oiese Bevorzugung durch , Fleiß uud gutes Betragen, und der Vater schlug sich bezüglich der Zukunft seines älteren Sohnes mit hohen Plänen. Dieser sollte „etwas Großes" werden, und schon schwelgte er in den süßen Gedanken, seinen Simon einmal der Mitwelt als vornehmen Herrn mit klingendem Titel vorstellen zu können. Sein Lebensweg sollte ein ebenerer werden, als ehemals sein eigener gewesen war. Er selbst hatte schwer arbeiten müssen, um das zu erringen, dessen Besitz ihn nunmehr erfreute, und das er gern und oft allzu reichlich seinem Liebling zu opfern bereit war. Diese Bevorzugung des ältern Sohnes war auf das Gemüt des jüngeren nicht ohne Einfluß geblieben. War er schon an sich phlegmatischer Statur, so hatte die geringere Berücksichtigung seitens des Vaters dieses Phlegma noch erhöht, da er selbst bei größerer Anspannung seiner Kräfte eine größere Zuneiguitg für ihn nicht hatte erringen können. Hierzu kam noch, daß er der erkorene Liebling der für ihn allzu früh dahingeschiedenen Mutter gewesen war, deren besondere fürsorgende Liebe ihm infolge seiner langjährigen Kränklichkeit allüberall, zugewandt war, und die er jetzt so schmerzlich vermißte. Seit der Mutter Tode war seine Schwester Eva sein i einziger Halt gewesen, und ihre Liebe war es, die die Strenge des Vaters ihm einigermaßen erträglich erscheinen ließ. Eva empfand dif'"s Verhältnis recht;

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