Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 2 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Nes Ulaubrns ■c . |enn der Kummerjfdjiüer mich drückt hoffnungsvoll mein Auge blickt Zu dem Schöpfer in die höhe, Den ich um Erlösung flehe. Lächelt wieder mir das Glück — Echweift nach oben fromm mein Blick, Und im inn'gen Dankessagen Bet' ich: Lehr' es mich ertragen! Und nicht stolz macht mich mein Glück, Und mich beugt kein Mißgeschick, Aann man mir auch alles rauben — Niemand raubt mir meinen Glauben. Nrönchevx?) Wahre Menschenfreundlichkeit Zeigt sich darin, daß unr jedem Mitlcbenden, der uns ungekannt und flüchtig begegnet, die gemeinsam gegebenen Augenblicke mit Gutem Zu erfüllen trachten. Die wahre Menschenliebe bethätigt sich darin, daß wir den Gedanken der Zusammengehörigkeit festhalten, auch da, wo wir Widerspruch und Gegensatz vor Augen haben. Nur wenn wir uns liebevoll gegen Menschen andern Glaubens, anderer Überzeugung bewähren, nur dann haben wir das Recht, uns Bekenner der Religion der Liebe zu neunen. Menschenfreundlichkeit, die sich nur auf Bekannte, Menschenliebe, die sich nur aus Glaubensgenossen beschränkt, verdienen diesen Namen nicht. Gewiß hat sich hierin jeder Unterlassungssünden vorzuwerfen. Auch ich. Aber ich erinnere mich gern, daß es mir einmal beschieden war, mit freiem Gemüte und in g.-nzer Liebe jenem Andersgläubigen hülfreich zu sein. Die Hausierer und Trödler sterben iu unseren Tagen aus. Seitdem wir Eisenbahnen haben, holt sich jeder, was er bedarf, aus den stehenden großen *) Aus: Berthold Auerbachs „Zur guten Stunde".