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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 2 (1895) · p. Seite 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
2 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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— 21 — vor dem sich Tausende beugten, er sollte in die Lage kommen, um Gnade bitten zu müssen! Aber die Wege der Vorsehung sind wunderbar. Jahre waren vergangen, Maria Theresia war Kaiserin geworden. Da kam eine Zeit sür den Groß-Ingnisitor, wo er gern Gnade geübt hätte, ohne es imstande zu sein, ja wo er, um sein eigenes Leben zu retten, selbst der Gnade bedurfte. Am Vorabende eines hohen Festtages herrschte in den Straßen Madrids reges Leben. Der große Platz vor der Hanptkirche war von einer dicht gedrängten Menge besetzt; denn der Scheiterhaufen wurde ansgerichtet, aus dem am anderen Tage einige zwanzig „Ketzer", so wurden die Inden und Mauren genannt, geopfert werden sollten. Im Palaste des Groß-Jnquisitors wurde großes Mahl gehalten, und der Becher kreiste bis in die späte Nacht. Als die Gäste sich entfernt hatten begab sich auch der Groß-Ingnisitor zur Ruhe. Da, beim ersten Morgengrauen pocht es laut an die Pforte des Palastes. Der Pförtner fährt erschrocken auf. Eine Frau im Trauergcwand steht draußen und begehrt dringend Einlaß. Auf Befragen des Pförtners giebt sie an, sie habe dem Inquisitor wichtige Mitteilungen zu machen. Sie wird vorgclassen und bald steht sie vor dem Gewaltigen, der sie mit der Frage empfängt: „Was führt dich zu so ungewohnter Stunde zu mir?" Mit leiser, bebender Stimme antwortet die Frau: „Du hast o Herr, meine Tochter zum Tode verurteilt, und sie soll morgen den Scheiterhaufen besteigen; ich aber, ihre Mutter, habe sie zu dem erzogen, wofür sie sterben soll; mich also mußt du mit ihr sterben lassen!" „Nein," erwiederte der Inquisitor, „ich will dein Geständnis nicht gehört haben!" Und die Frau kaum eines Blickes würdigend, wendet er sich, um zu gehen. Sie aber erfaßt ihn am Pnrpnrmantel, den er leicht nmgeworfen hatte, und spricht mit zitternder, aber eindringlicher Stimme: „So höre denn, deine leibliche Schwester ist's, die du sterben lässest!" „Weib", rief jener, „was sprichst du? Du bist von Sinnen; bete zur heiligen Mutter Gottes, daß sie deinen Verstand gesunden lasse!" Aber mit Aufbietung ihrer letzten schwachen Kräfte umklammerte ihn das vor Erregung zitternde Weib und nannte ihn mit Namen. „Ja, auch du gehörst zu den Anussim", ertönt es von ihren Lippen, „dich mußte ich, unglückliche Mutter, als du noch ein zarter Knabe warst, dem geistlichen Stande weihen, um den Verdacht von unserem Hanse abznlenken, der jetzt von neuem erwacht ist, und demzufolge meine geliebte Tochter, deine gute Schwester dem Tode ans dem Scheiterhaufen verfallen ist!" Wie versteinert hatte der Groß-Ingnisitor die letzten Worte angehört, deren jedes wie ein schar^r Dolch sein Herz. traf. Die Eindringlichkeit, mit der sie gesprochen waren, chatten ihn von ihrer Wahrheit überzeugt und Erinnerungen an die früheste Kindzeit in ihm wachgerufen. Ja, jetzt empfand er die beglückende Nahe der liebevollen Mutter. Alle Starrheit und Kälte waren ans seinem Herzen gewichen. Die in seine' i Innern vorgegangene Wandumg hatte seine Ji'we " rklärch AU' e

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