Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 2 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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19 Ein Vic^teljahrhundert später schlug auch für die übrigen Juden die Stunde der Freiheit. Zn den Unglücksjahren, die bald über Preußen hereinbrachen, empfand König Friedrich Wilhelm III. welch' wertvollen Bestandteil für den neuzubildenden Staat die jüdischen Bewohner seines Landes abgeben würden, und so erhob er im Jahre \8\2 sämtliche Zudcn zu preußischen Bürgern. Das Versprechen, das die Juden für diese königliche Gunst leisteten, als Bürger noch mehr wie als Unterthanen in unerschütterlicher, nie wankender Treue oem Vaterland zu dienen, haben sie in den Befreiungskriegen wacker gehalten. Nicht nur in Werken der Wohlthätigkeit und Barmherzigkeit, auch mit ihren Leibern traten sie für ihr teures Vaterland ein, und in gar vielen Geschäften künden noch heut Ehrentafeln von dem ruhmvollen Kampf und Tod jüdischer Soldaten für König und Vaterland! — Einige Beschränkungen der staatsbürgerlichen Rechte, die Friedrich Wilhelm III. noch hatte bestehen lassen, wurden von seinem Nachfolger s8H7 und durch die preußische Verfassung s850 aufgehoben; ausdrücklich wird in dieser bestimmt, daß alle Preußen vor dem Gesetze gleich sind, daß der Genuß der staatsbürgerlichen Rechte unabhängig ist von dem religiösen Bekenntnisse. Auch das neue deutsche Reich, das nach dem glorreichen Kriege gegen die Franzosen vor nun 2% Jahren begründet wurde, zeigt in seiner Verfassung diesen Grundsatz der Gleichstellung aller seiner Bewohner, und wenngleich wir noch manche Schranken zu durchbrechen haben, bis die Bestimmungen der Verfassung erfüllt sein werden — wir lieben deshalb nicht weniger herzlich unser Vaterland, stehen in gleicher Treue und Anhänglichkeit zu ihm wie unsere Väter und^Großväter und wollen uns zum Wohle unseres Landes bestreben, die Zeit herbeiführen zu helfen, wo niemand seines Glaubens wegen geringer geachtet oder geschmäht werden darf. Zn diesem Kampf sind wir sicher der Unterstützung unseres Kaisers, dessen höchstes Ziel es ist, über glückliche Unterthanen zu herrschen, der als vornehmlichster Hort des Rechts kein Unrecht duldet. Zhm bringen wir zu seinem Geburtstage unsere Verehrung und Huldigung dar und beten heute mit den Worten Gustav Zacobsohn's .... zum lieben Gott: „Bewahre den Kaiser vor aller Not Und schenk' ihm viel' glückliche Zahre noch, Gott, schütze den Kaiser!" Er lebe hoch! / . 2*