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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 1 (1895) · p. Seite 11

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
1 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 11 (sequence 27)
Language
German
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11 Ja er war cs —. Er hatte die geliebten Züge des Jugendfreundes erkannt. Auch der Andere war durch das Benehmen des „Herrn" aufmerksam geworden, er hob den scheuen Blick und — „Max!" „Herrmann!" ertönte es zugleich. Weinend lagen die beiden Freunde sich in den Annen und hielten minutenlang einander fest umschlossen. Endlich hatte sich Herrmann soweit gesammelt, daß er den Freund ins Zimmer führen und die Thür schließen konnte. Tiefe Scham und innige Freude rangen im Innern Maxens um die Oberhand. Dieser Kampf schnürte ihm die Kehle zu und raubte ihm fast die Besinnung. Herrmann brachte eiligst einige erquickende und stärkende Nahrungsmittel herbei, und nachdem Max die vor Kälte fast erstarrten Glieder erwärmt und sich durch die dargereichten Speisen gelabt hatte, da erst vermochte er seinem gepreßten Herzen Luft zu machen. „Verzeihe mir, geliebter Freund", brachte er mit erstickter Stimme hervor, „Dieser Zustand — o wie eleiib bin ich — nicht ohne meine Schuld — o laß mich dir erzählen, du sollst Alles wissen — du mein Freund, mein Nell!" „Kein Wort davon, Max, dazu hat es später Zeit; hier ist mein Kleidervor l, suche dir die passendsten Stücke aus; hier mein schwarzer Anzug, den ich zu meiner Lossprechung von der Lehre bekommen — er wird dir passen; und hier ist auch ein Hut — ein paar Stiefel — so — nun aber rasch umgekleidet!" Max folgte der Aufforderung Herrmanns und in den besseren Kleidern kamen auch bald seine edle Gestalt und feinen Züge zur Geltung. Ja, Kleider machen Leute. Mit sichtlichem Wohlgefallen und strahlend vor Freude musterte ihn Herrmaun von unten bis oben, und nachdem er in Maxens Mienen gelesen, sprach er zu sich: „Gottlob, wie tief er auch gefallen sein mag, schlecht ist er nicht geworden". Dem Freunde waren die letzten Worte nicht entgangen. „Nein", sagte er mit Nachdruck, „schlecht bin ich nicht geworden. Bis jetzt habe ich nur mir selbst, keinem andern aber Schaden zugefügt. Wenn ich auch oft unter freiem Himmel übernachten mußte, wenn ich auch bisweilen tagelang gehungert habe, nie dachte ich auch nur daran, meine Hand gegen fremdes Eigentum ansznstrecken. Schwer habe ich gegen Gott, gegen meine Eltern, gegen mich gesündigt, aber keinen Flecken habe ich auf den ehrlichen Namen meines Vaters kommen lassen". Bei dem Worte „Vater" brach er in he -igcs Schluchzen aus. Herrmann suchte ihn zu beruhigen. Lange saßen die Freunde zusammen; sie hatten sich ja ach so viel zu erzählen. Mit aller Offenheit, die zwischen Freunden wallen muß, berichtete Max alles, was ihm begegnet war, wie er sein Unglück selbst verschuldet, und was für ein trauriges Leben er geführt. Wit gespannter Aufmcrkkeit und inniger Teilnahme, hatte Herrmann zugehört, und indem er seinen Freund za<. lich umarmte, sprach er: „Auch ich preise den Schöpfer, daß bei allen deinen Verirrungen, du nichts unehrenhaftes begangen hast". „Ja, davon hat mich in meiner tiefsten Erniedrigung, das Andenken an meine Eltern bewahrt". „Nun, dann ist noch garnichts verloren, du kannst ein neues Leben beginnen und als gebesserter Mensch

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