Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 1 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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12 vor deine Eltern hintreten. Freilich, der kaufmännische Beruf, der dich so tief hat sinken lassen, ist für dich nichts; aber noch ist es nicht zu spät, ein Handwerk zu erlernen, mit deiner allgemeinen und kaufmännischen Bildung, mit deinem Talente znm Zeichnen, wird es dir nicht schwer werden, auch in diesem Bernde großes zu erreichen. Aber erst bleibe einige Zeit bei mir, um dich zu erholen und zu kräftigen. Dann wollen wir weiter sehen." Dabei blieb es nun. Max wohnte bei Herrmann, verweilte, so lange dieser bei der Arbeit war, neben ihm in seiner Werkstätte und folgte mit Interesse all seinem Thun. Als sie am nächsten Sonntage zusammen ins Freie gingen, sagte Herrmann: „Ich merke, daß du etwas ans dem Herzen hast und nicht recht damit beraum willst; sei offen gegen mich, ich will versuchen, in Allem dir zu helfen". Da stieß Max die Worte hervor: „Herrmann, willst du mich als Lehrjnngen in deine Werkstatt ausnehmend" „Topp", antwortete Herrmann, „aber um dich als Lehrling bei der Innung einschreiben zu lassen, müssen wir die Einwilligung deines Vaters haben. Morgen reisen wir zusammen nach G." * * Nun, meine lieben jungen Leser, ist die Geschichte eigentlich zu Ende. Daß der reuige Max von seinen Eltern und Geschwistern mit offenen Armen ausgenommen wurde, könnt ihr euch denken. Wie aber Herrmann von der ganzen Familie dankbar als Erretter gefeiert wurde, wie der alte Lehrer nimmer anshören mochte, ihn zu rühmen und zu loben, das entzieht sich jeder Beschreibung. Am meisten aber bewies ihm Clara ihre Dankbarkeit und Freundschaft ans jede mögliche Art und Weise. Als am nächsten Paffahseste Herrmann und Mar nach G. kamen um dieses herrliche Frühlingsfest im Hanse der Eltern zu feiern, da wurde auch die Verlobung Herrmanns mit Clara gefeiert, und eine Woche nachdem Max sein Gesellenstück am gefertigt hatte und von der Innung feierlich losgesprochen war, wurde auch die Hochzeit des jungen Paares gefeiert. Clara wirtschaftet jetzt als Meisterin an der Seite Herrmanns, und der Gehilfe Max hat sich noch nie .ber die Strenge des Meisters oder über die Kargheit der Meisterin zu beklagen gehabt- Zum nächsten Früojahr läßt Herr Freudenftein sich, pensionieren und zieht zu setnen Kindern in die Residenz. Da soll auch Max als Geschäftsteilnehmer in die Möbelfabrik seines Schwagers Herrmann Wahlberg eintreten.