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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 1 (1895) · p. Seite 9

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
1 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 9 (sequence 25)
Language
German
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9 f sammelte er sich am Ruhetage Kraft und Lust zur Arbeit. Ja, er arbeitete gern, darum wurde ihm alles leicht und gelang ihm auch; denn „Lust und Liebe zu einem Ding macht Müh' und Arbeit gering", sagt ein bekanntes Sprichwort. Den gleichen Eifer, den er in der Werlstatt bekundete, legte er auch in der Fortbildungsschule an den Tag, die er regelmäßig und pünktlich besuchte, und für seine musterhafte Führung und guten Leistungen wurde er wiederholt mit Prämien ausgezeichnet. Nach vier Jahren ernster Arbeit und frohen Höffens wurde Herrmann als „gut ausgebildet in allen Zweigen des Tischlerhandwerks" entlassen. Zu seiner Vervollkommnung arbeitete er zwei Jahre lang in den größten Werkstätten Deutschlands, wodurch er Land und Leute kennen lernte. Gestützt aus seiue reichen Kenntnisse und Erfahrungen und mit Hilfe eines ersparten Sümmchens wollte Herrmann sich jetzt in Berlin eine eigene Werkstatt errichten. Zuvor trieb es ihn jedoch in seine Heimat. Dem Verlangen, seinen guten Lehrer und väterlichen Freund wiederzusehen, konnte er nicht länger widerstehen, und bald finden wir ihn im Schulhause zu G. Daß seiue Ankunft die Familie Freudenstein freudig überraschte, uud daß er dort mit aller Herzlichkeit empsangeu wurde, das brauche ich euch, meine Lieben, wohl nicht erst zu sagen. Aber alle Freude, aller Jubel womit Herrmanns Herz erfüllt war in dem Gedanken an ein glückliches Wiedersehen, verwandelte sich in tiefsten Schmerz, da er statt eines rüstigen, jugendsrischen Mannes den geliebten Lehrer als fink.« ki-anken, welken Greis im Lehnstuhle sah. Der Kummer hatte sein Haar srüh- - geblecht, sein Gesicht gefurcht, seine Kraft gebrochen. Nur der sorgsamen! und aufopfernden Fürsorge, die seine Frau uud Clara ihm angedeihen ließen, i es zu danken, daß Freudenstein zeitweise schon das Bett verlassen konnte. Der Anblick des Kranken hatte Heriinann anss tiefste erschüttert. Seiner ave kam. mächtig, stürzte er sich vor dem geliebten Lehrer auf die Knie und - dee'r' Neffen bleiche, dürre Hände mit zahllosen Küssen, während er laut schluchzte. .Wllllvri.n'.en, lieber Herrmann", sagte der Lehrer mit leiser, bebender Stimme, „HE!:ch willkommen!" Er neigte sich zu ihm, küßte seine Stirn und bot ihn, auf- 'w'wW w Die glanzlosen Augen des Lehrers begannen zu leuchten, und sein Gesicht ww. ^'-.n freudigen Ausdruck an, als er Herrmann betrachtete. Zum ersten Male iaw .1 wieder nach etwa einem halben Jahre. „Du bist ja ein recht schmucker Äcn - worden, und wie gesund du aussiehst", sagte er freudig erregt, „ich sehe dir >ß es dir gut geht; du bist auch immer recht fromm und brav gewesen, cwß ch wohl, dein offener Blick sagt es mir; denn das Auge ist der Spiegel www mann mußte dem Lehrer seine Erlebnisse erzählen. Mit inniger Teilw - ichte der Kranke auf jedes Wort seines Schülers. Dann erfaßte er seine > . .! Helte sie zärtlich unt> sagte: „Gesegnet die Eltern, denen Gott ein solches ',cww:den!" Ein schwerer; Seufzer entwand sich dem gepreßten-Herzen, während i -

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