Israelitischer Jugendfreund
- Journal
- Israelitischer Jugendfreund
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- 1 (1895)
- Date
- 1895-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Schmerz, als die betrübende Wahrnehmung, daß ihre Kinder vom Wege der Tugend abgewichen sind und alle auf sie gesetzten frohen Hoffnungen und freudigen Erwartungen mit rauher Hand zerstören! Denkt euch, ihr lieben Kleinen, ihr hättet in eurem Gärtchen ein zartes Bäumchen, dem ihr eure ganze Fürsorge unausgesetzt znwendet. Das Bäumchen erfreut euch mit herrlichen Blüten, die eine köstliche Frucht verheißen. Da kommt ein Sturmwind und knickt das Bäumchen, das nun schnell dahinwelkt und euch aller Hoffnung aus eine süße Frucht beraubt; wird euch das nicht schmerzen?- Hera- Frendenstein ließ es an schriftlichen ernsten Ermahnungen und eindringlichen Vorhaltungen nicht fehlen; allein sie fanden keine Beachtung, ja seine Briese kamen zuletzt als „unbestellbar" zurück; Max war selbst mit Hilfe der Polizei nicht zu ermitteln. Der tiesbetrübte Vater war fassungslos. Obgleich er, wie jeder wahrhaft Fromme, jedes Geschehnis als eine göttliche Fügung ansah, der sich kein Mensch widersetzen darf, so hatte ihn doch dieses Ereignis der Verzweiflung nahe gebracht, „Es ist nicht möglich, nicht begreiflich, mein Max, mein Stolz und meine Freude, meine Hoffnung — er sollte ein schandloser Bube sein!" Solche Ruse entwanden sich dem bekümmerten Vaterhcrzen, das unter der Wucht dieses harten Schicksalsschlages zu brechen drohte. Eines Tages wurde Herr Freudenstein krank, sehr krank, ein heftiges Fieber warf ihn auf das Lager. -r- * * Kehren wir nun zu Herrmann zurück Seitdem er seine Heimatstadt verlassen, sind etwa 6 Jahre vergangen. Mit Hilfe der Empfehlung des Herrn Freudenstein war eS ihm rasch gelungen, in T. einen tüchtigen Lehrmeister zu finden, in dessen Tischlerwerkstatt er als Lehrling eintrat. „Lehrjahre sind keine Hen'enjahre", dies mußte Hcrrmauu gar oft erfahren. Vom frühen Morgen bis zum späten Abend mußte er schwer arbeiten und manche Entbehrung erleiden. Trotzdem er seine Pflicht im vollsten Maße erfüllte und neben vielem Geschick auch großen Eifer an den Tag legte, mußte er doch manche Unbill erdulden, manchen ungerechten Tadel und unverdienten Vorwurf hinnehmen, ja sogar den Spott und Hohn der andersgläubigen Kameraden sich gefallen lassen. Aber alles dieses ertrug er mit Gleichmut und Geduld in dem beseligenden Gedanken an die Zukunft, an die Zeit, wo er durch seiner Hände Arbeit in der Lage sein werde, dem guten Lehrer seine Dankbarkeit beweisen zu können. Wenn er sich vergegenwärtigte, mit welcher Freude dieser ihn als tüchtigen Handwerker einst empfangen werde, dann jubelte er in seinem Herzen, und der Hobel glitt noch einmal so schnell über das Brett. Wenn er sich die Woche hindurch -edlrch gemüht hatte, besuchte er am Sabbath regelmäßig den .Gottesdienst und las in belehrenden undNbauenden Schriften. So