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Israelitischer Jugendfreund · 1895-01-01 · 1 (1895) · p. Seite 5

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Journal
Israelitischer Jugendfreund
Volume
1 (1895)
Issue
1 (1895)
Date
1895-01-01
Page
Seite 5 (sequence 21)
Language
German
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5 seine Spielgefährtin, sich ihm näherte. Erst als sie ihre Hand ans seine Schulter legte, hob er den Blick. Teilnahmsvoll schaute sie ihm ins Auge und sagte mit bewegter Stimme: „Weine niflt, lieber Herrmann, füge dich in dein Schicksal; gewiß ist es Gottes Wille, daß du uns verlassen und in die Fremde gehen sollst; er wird dich beschützen und dich zum erwünschten Ziele führen. Vergiß uns aber nicht, wenn du im Glücke bist!" „Lebe wohl, Elara, so Gott es will, sehen wir uns wieder!" sagte Herrmann, indem er seiner Freundin die Hand drückte. Die Worte des Mädchens hatten eine wohlthätige Wirkung auf Herrmann ausgeübt, ja seine Stimmung umgewandelt. Er fühlte sich ermutigt und gekrästigt, und nur der Gedanke an die Zukunft, eine freudige Zukunft beschäftigte ihn. Schnell hatte er seine Kleider znsammengeschnürt, und nachdem er noch in inbrünstigem Gebet am Grabe seiner geliebten Mutter verweilt, begab er sich auf den Weg nach der größeren Stadt T. Wir verlassen jetzt den jungen Wanderer und wenden uns der Familie des Lehrers Frendenstein zu, den ihr meine lieben Leser, gewiß recht lieb gewonnen habt, weil er sich unseres armen Herrmann in so väterlicher Weise angenommen hatte. Stellt euch den braven Lehrer vor als einen Mann ^von etwa 45 Jahren mit einem edlen Gesicht, in dessen Zügen sich Strenge und Milde harmonisch vereinen. Seine umfassende Gelehrsamkeit, seine Pflichttreue, seine opferwillige Hingabe für seine Nebenmenschen hatten ihm die Achtung und Liebe nicht nur seiner Gemeinde, sondern auch aller Bewohner des Städtchens G . . . . eingebracht. Obgleich er nur ein bescheidenes Einkommen hatte, lebte er doch mit seiner Familie glücklich und zufrieden. In seinem Hause herrschte peinliche Ordnung, lind Frau Freudenstein galt als das Muster einer sparsamen, fleißigen und bescheidenen Hausfrau. Mit zärtlicher Liebe wachte sie über ihre drei Kinder, die sich innig liebten, und in steter Eintracht lebten, was leider nicht immer von Geschwistern behauptet werden kann. So bot das Hans des Lehrers das Bild ungetrübten, reinen Familienglückes. Doch „des Lebens ungemischte Freude ward keinem Irdischen zu teil". Auch diese brave Lehrerfamilie sollte von einem herben Schicksalsschlage hcimgesucht werden, der alle ihre Hoffnungen zerstörte und sie ihres Glückes beraubte. Max, der einzige Sohn Frendensteins, war ein begabter, fleißiger und gesitteter Knabe. Nachdem er die Schule seines Vaters mit bestem Erfolge durchgemacht hatte, besuchte er das Gymnasium in T- und erlangte dort, kaum 16 Jahre alt, das Zeugnis der Reife für den einjährig-freiwilligen Militärdienst. Dieses ermöglichte ihm die Aufnahme als Lehrling in ein größeres Bankgeschäft Berlins. Sein bescheidenes und ruhiges Wesen, sein großer Eifer und seine Gewissenhaftigkeit machten ihn zum Liebling des ganzen Geschäftspersonals. Schon nach einem Jahre übertrug , ihm der Geschäftsinhaber die Ausführung wichtiger Aufträge vertraute ihm größere Summen an, kurz, er schenkte ihm weit mehr Vertrauen, als solche.junge Leute sonst

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