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Blätter der Jüdischen Buchvereinigung · 1936-09-01 · 2 (9.1936) · p. [Seite 2]

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Journal
Blätter der Jüdischen Buchvereinigung
Volume
3 (1936)
Issue
2 (9.1936)
Date
1936-09-01
Page
[Seite 2] (sequence 2)
Language
German
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Gedichte BERN! Tischgebet Gott, Dir danken wir die Kost, die den Hunger stillte, Dir der Traube süßen Most, die den Becher füllte. Deinem Gnadenborn entquoll tausendfacher Segen; Und die dunkle Wolke schwoll sommerlich von Regen. Schütze, Ew'ger, jedes Dach, Hütte, Haus und Halle, Wende ab das Ungemach, segne uns und alle, Sende uns den Friedensgast, Gott, Du Herr der Welten, Schenke Ruhe, Raum und Rast Jacobs schönen Zelten. * EDITH L. Den jungen Auswanderern Dehnt aus das Herz und reckt euch wie ein Baum! Senkt eure Wurzeln in geweihte Erde. Sucht im Gedräng der heimatflüchtgen Herde auch euch den Platz im großen Weltenraum! War nicht das Kindsein ein verklärter Traum? Erst da ihr reift, droht Mühsal und Beschwerde, euch abzudrängen von der Muttererde in eine Ferne, euch erschlossen kaum. So zieht nun aus, den neuen Weg zu bahnen! Gedenkt der Kette eurer hohen Ahnen und des euch Erben anvertrauten Guts. — Seid stolz in Demut, stark durch Selbstgenügen. Erlebt die Welt in tiefen Atemzügen und werdet Männer, würdig eures Bluts! Heimatflüchtiger Jude Vom heimatlichen Boden abgedrängt, sucht er sein Glück in nebelgrauer Ferne. Vielleicht, daß irgendwo auf fremdem Sterne ihm eine Stätte winkt, wo man ihn gerne, wo man als Freund und Bruder ihn empfängt. Wie sehnt er sich nach einem lieben Wort, das lind wie Tau auf wunde Herzen regnet! Nach einer Hand, die seinen Eingang segnet! Nach einem Gruß, der seinem Gruß begegnet und ihn willkommen heißt an fremdem Ort! Sei diesem Ärmsten, Herr, ein guter Hirt! Befreie ihn aus dichtem Dorngehege. Wirf dich als Schatten über Wüstenwege. Und wenn ihn Dunkel überfällt, so lege die Hand ihm auf, damit er sehend wird. T GÖTZ Adir hu (Rundgesang) Singt das Lied vom Heimatland, Freunde in der Runde, Gottes wundertät'ge Hand heilet Weh und Wunde. Heute noch im Sorgenland ohne Heim und Hütte, Tragen uns ins Morgenland morgen unsre Schritte. Nur in dir, mein Jordanland, kann ich Ruhe finden, Wo mein Volk einst Garben band, will ich Opfer zünden. Braust der Frühlingswind mit Macht, stürzt die Klagemauern, Weites Feld am Morgen lacht freiem Volk von Bauern. MEYER Heimkehr Die Eichen grüßten ihn zuerst. Sie standen wie ernste Hüter alter Tradition und neigten vor dem heimgekehrten Sohn die mondbeglänzten schweren Laubgirlanden. Dann in des Waldes leichteren Bezirken, von zärtlicheren Winden angehaucht und in der Dämmrung sanftres Licht getaucht, erschimmerten die ewigjungen Birken. Weiß lag das Licht auf allen Waldeswegen. Die Nacht umfing ihn als ein sanftes Vlies, und Zweige rauschten festlich ihm entgegen. Zu Häupten scholl vertrauter Schlag der Finken. Er ging und ging. Und als der Wald ihn ließ, sah er ein Licht aus fernem Fenster blinken. Anruf Halfst du mir nach vielen Finsternissen an das Licht erneut mich zu gewöhnen, sprachst du malmend mir in das Gewissen, meines Mundes Schrei zu übertönen, warst du müde, meine Kraft zu prüfen und die kleinen Freuden mir zu kürzen: um mich jetzt noch tiefer in die Tiefen deines Abgrunds, Herr, hineinzustürzen? Oder soll ich also dich verstehen: daß ich aus dem dunklen Felsengrabe steiler noch den Weg zur Höh' zu gehen, härter noch den Mut zu spannen habe? Glaubst du besser denn als ich zu kennen Maß und Grenze meiner Kraft und Schwächen? Herr, so lehr' mich glühn, doch nicht verbrennen, und mich biegen, ohne zu zerbrechen! 2

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