Blätter der Jüdischen Buchvereinigung
- Journal
- Blätter der Jüdischen Buchvereinigung
- Volume
- 3 (1936)
- Issue
- 1 (2.1936)
- Date
- 1936-02-01
- Page
- [Seite 11] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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delt er, den Edouard Bourdel jetzt zum Helden eines in Paris gespielten Theaterstückes gemacht hat, den guten König Heinrich, der jedem Untertanen ein Huhn im Topf wünschte und dem Paris eine Messe wert gewesen sein soll. Aber der Aufstieg des ersten Bourbonen auf Frankreichs Thron liegt zu Beginn des Buches weit zurück und die schöne Gabriele d'Estrelle stirbt bereits im ersten Kapitel. Hheinhardt zeigt uns den aufschneiderischen Gascogner und den König Hahnrei, den tüchtigen Herrscher und den im Irrtum der Liebe taumelnden Kavalier, den früh gealterten Mann, der sich eine Geliebte erkaufen muß, während er gleichzeitig um eine königliche Braut wirbt. Ein reizendes, eindringliches Porträt mit melancholischem Humor, das dadurch Bedeutung erlangt, daß Heinrich IV. ein ziemlich reiner Vertreter des französischen Nationalcharakters war; das erklärt seine Beliebtheit: er war ein Realpolitiker und er war ein Mensch mit allen seinen Schwächen.. Heinrich IV. und ein Danton haben als Vertreter des französischen Nationalcharakters mehr Gemeinsamkeit, als man nach dem Unterschied zwischen einem Monarchen und einem Revolutionsmann annehmen sollte. Das wird besonders deutlich, wenn man eine der wichtigsten Neuerscheinungen der historischen Belletristik daneben hält: den hinreißend geschriebenen, ungemein tief gedeuteten, großartig komponierten „Robespierre" von Friedrich Sieburg (Sozietäts-Verlag, Frankfurt a. M.). Sieburg räumt mit der falschen Anschauung auf, daß Robespierre ein Bluthund war, der nach Menschenleichen dürstete, und daß der lateinische Logos in seinen revolutionären Ideen zum Durchbruch gekommen wäre. Robespierre ähnelt in Sieburgs Darstellung viel mehr einem Wilson, einem, der aus Weltfremdheit Unheil anrichtet; aus verbohrter Ideologie verrennt er sich in den Schrecken, einer, der nach äußerer Macht gar nicht dürstet, zur Erhaltung seiner äußeren Macht auch nur wenig tut, ohne jeglichen napoleonischen Zug, der den Mirabcau und Danton eignete. Er ist der typische Unfranzose, der Hirnmensch und Tugendbold, der das Leben vergewaltigt und trotz seiner idealistischen Unbestechlichkeit weniger beliebt war als korruptere Revolutionsgewinnler. Herrlich und dichterisch, wie Friedrich Sieburg den Saint-Just als Todesengel den Robespierre begleiten läßt, höchste Kunst, wie der Verfasser den Leser auf sein anderes und überzeugendes Robespierre-Bildnis vorbereitet, indem er ihn als Sterbenden in seiner letzten Nacht einführt, und Schauer der Geschichte überkommen uns, wenn wir Zeugen des Schauspiels werden, daß dies unfranzösische Zwischenspiel dieser Revolutionsepoche nicht durch bessere Männer, nicht durch eine edlere Idee abgelöst wird, sondern aus Furcht und Notwehr übler, in ihrem lieben bedrohter Geschöpfe wie Fouche und Barras. Wäre es Robespierre nur um die äußere Macht zu tun gewesen, so hätte sich er ihrer zu erwehren vermocht. Sieburg gibt nun etwa keine Ehrenrettung, er offenbart nur die Vielfältigkeit der Spezies Mensch, wenn er Robespierre sein Geheimnis mit ins Grab nehmen läßt, so daß Frankreich sich nie darüber wird einigen können, „ob er mit Wonne das Blut seiner Mitmenschen vergoß oder im Augenblick gestürzt wurde, als er dem Schrecken der Guillotine aus Menschenliebe ein Ende bereiten wollte, ob er seinen Nächsten oder nur sich selbst geliebt hat, ob er Frankreich gefördert oder geschädigt hat, ob er die französische Revolution befleckt oder erhöht hat, ob er der größte und edelste Mann dieser Zeitenwende war oder ein krankhafter Blutsäufer". Sieburgs mit seltenen Bildern geschmücktes Werk wäre schon groß, wenn er nur ein Porträt dieses Mannes gegeben hätte, bei dessen Untergang die Nation aufatmete, $ec «ftflfl Herausgeber: Reichsbund jüdischer Frontsoldaten E.V. 15. Jahrgang / Erscheint wöchentlich S c h r i f 11 e i t u n g und Verlag: BERLIN W15, KURFÜRSTEIN DAMM 200 Mit dem illustrierten Beiblatt Die Kraft für Sport und Jugendertüchtigung Ständige Rubriken: Aus jüdischer Gegenwart / Aus unserer Frontsoldatenbewegung / Aus der Frontsoldatenbewegung des Auslandes / Gesetzgebung und Rechtsprechung / Geist des Judentums / Für unsere Kriegsopfer / Was alte Soldaten interessiert / Für unsere Kameradinnen u. a. m. In letzter Zeit erschienen u. a. folgende Artikel: „Juden bei der Luftwaffe' j „Probleme um Palästina" / „Der Weg vom Idi zum Wir" / „Die Frontgeneration spricht" / „Kameraden auf dem Lande" / „Zur Soziologie des deutschen Judentums" I „Konstruktive Auswanderungsplanung" „Von der Vergangenheit zur Gegenwart" „ Existenzaufbau der Jugend " u. s. w. Wer im Zeiterleben einen treuen, klarblickenden Kameraden braucht, findet ihn im „SCHILD" Bezugspreis: RM. 0,55 im Monat zuzügl. Postbestellgeld (Für Bundeskameraden RM. 0,35 im Ortsgruppen - Bezug ) Verlangen Sie Probenummern! 11