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Blätter der Jüdischen Buchvereinigung · 1936-02-01 · 1 (2.1936) · p. [Seite 12]

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Journal
Blätter der Jüdischen Buchvereinigung
Volume
3 (1936)
Issue
1 (2.1936)
Date
1936-02-01
Page
[Seite 12] (sequence 12)
Language
German
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aber dies wichtige Geschichtswerk ist zugleich eine gehaltvolle Untersuchung über das Wesen der Revolution und ein Erkennen des französischen Geistes, wie sein bekanntes Buch „Gott in Frankreich?". Lutz Weltmann Das Siebenfache Licht. Gestalten und Stoffe des Judentums in der deutschen Dichtung. Ein Lesebuch zusammengestellt von Emanuel bin Gorion. Schocken Verlag. Dieses Buch erinnert mich an Hofmannsthals „Deutsches Lesebuch", wenn es auch einem ganz anders gerichteten Willen seine Entstehung verdankt. Aber es ist ihm vergleichbar, denn auch der Herausgeber des Siebenfachen Lichtes, Emanuel bin Gorion, darf sich rühmen, daß er in sein Buch nur gültige, die Zeiten überdauernde Stücke deutscher Poesie, Prosa und Spruchdichtung aufgenommen hat. So ist es ein rechtes Lesebuch geworden, ein köstlicher Besitz, der Jugend zugedacht, die aus ihm echten Genuß und wahre Belehrung schöpfen wird. Das Judentum in seinem ganzen Umfange, biblisch und nachbiblisch, religiös und geschichtlich, im Galuth und in Palästina, ist das Motiv, an dem sich alle diese Dichter, Schriftsteller, Forscher und Gelehrte bewährt haben. Der Chor der Stimmen variiert die einzige Melodie in unerschöpflicher Mannigfaltigkeit durch die Gezeiten, anfangend im Altertum und bis in die Gegenwart reichend. Ein Buch von vorbildlicher Gesinnung, von nachhaltiger Wirkung. E. L. Sorna Morgenstern, Der Sohn des verlorenen Sohnes. Erich Reiss Verlag, Berlin. Die Familie des Verlorenen Sohnes hat in den letzten Jahren — trotz der schlechten Reputation des ersten Ahnherrn! — noch eine gewisse Nachblüte erlebt. Erst machte uns die amerikanische Jüdin Margaret Goldsmith mit dem älteren Bruder des Verlorenen Sohnes bekannt — einem mißvergnügten Biedermanne, der sein ganzes Leben lang tugendhaft sich betrug — und dem doch niemals zu seiner Heimkehr ein Kalb geschlachtet worden ist. Und jetzt kommt Sorna Morgenstern mit seinem jüdischen Roman ,,Der Sohn des verlorenen Sohnes": einem Buche, an dem eigentlich nur der Name dem Neuen Testament, sonst alles von der ersten bis zur letzten Seite aber dem Alten Testament angehört, wie es ein Baal Teschuwah, ein Heimkehrender unserer Tage, liest. Es will mir scheinen, als sei dies Buch das lebendigste und ergreifendste der jüdischen Bücher, die ratloses Suchen unserer Menschen in der Bedrängnis der letzten Jahre hervorgebracht haben. Vielleicht gerade deshalb, weil es der Verfasser auf sich nahm, eine der Mehrzahl der heutigen Großstadtjuden ganz unbekannte Welt anschauend wieder zu geben: die Welt des orthodoxen Judentums — oder, wie man sie sinngemäßer nennen müßte, die Welt der „Gesetzestreuen Juden". Aber hier wird diese Welt nicht im ostjüdischen Städtel, in der Enge des Gheders und der Klaus aufgesucht, sondern hier ist sie zugleich gepaart mit dem frischen Winde, der über die grünen Felder der weiten podolischen Landschaf t streif t, mit dem Duft ihrer Raps- und Kleefelder, mit Geschichten von Pferden und Kutschern, von Verwaltern und treuen Dienern. In dieser weiten, fruchtbaren Welt der podolischen Gutshöfe lebt seit Jahrhunderten schon die Familie Wolf Mohilewers, des streng orthodoxen Gutsbesitzers, der mit seinem jüdischen Verwalter Jankel Christjampoler, den man „Jankel den Goi" nennt — vielleicht der lebendigsten Gestalt des Buches, wie er da durch den Obstgarten stapft in seiner grauen Reithose und den schwarzen, hohen Schaftstiefeln, die Peitsche in der Hand, — nach Wien reist, um dort dem Kongreß der „Gesetz es treuen Juden" beizuwohnen. Reb Wolf hat bei dieser Pieise noch eine besondere Absicht: den Sohn seines im Kriege gefallenen Bruders, der schon vorher seiner Familie und seinem Glauben verloren ging, will er heimholen in die alte Heimat seines Geschlechts und seines Judenglaubens. Es sei zugegeben, daß die Welt der Großstadtjuden in Wien und Berlin, obwohl sie der Verfasser offenbar von Grund aus kennt, ihm doch jetzt weniger lebensnah in ihren Vertretern geworden ist — etwa die betont assimilatorische Großmama in Berlin und die oberflächliche Mama des jungen Alfred betragen sich ab und zu wie Drahtpuppen. Aber die Welt dieser uns doch mehr oder weniger unbekannten podolischen Ostjuden — die lebt und atmet; Menschen, die der Natur ebenso nahe sind wie der stillen Verzückung ihrer Wunderrabbis. Vielleicht, daß im Fortgang der Erzählung manche Seiten, die das Zusammentreffen der beiden Landmenschen mit Wien schildern, nicht so randvoll mit Gefühltem sind wie der Anfang des Buches. Aber dazwischen stehen einzelne Bilder, die ganz unvergeßlich bleiben: etwa am Anfang die einfache Schilderung von dem Schacharitli- Gebet des Reb Welwel, das ist nicht mehr nur das Summen und Brummen, das wir bei alten Juden zu hören gewohnt sind, das ist ein Erleben des Gebets, wie es wenigen gegönnt ist; und daneben steht die Schilderung des duftenden Kleefeldes — wie ein Kapitel aus jenem uralten Buche, in welchem etwa geschrieben steht (wobei dir freie Wiedergabe entschuldigt werden mag): Wenn einer im Frühlingsmond Nissan heraus aufs Feld tritt, der spreche eine Berachah: Gelobt seist Du, o Gott, Herr der Welt, der Du die schönen Bäume erschufest und die grünen Wiesen — und die schönen Geschöpfe dazu! . . . Daß uns Sorna Morgenstern von dieser jüdischen Welt, die im Einklang lebt mit der Schöpfung und mit ihrem Schöpfer, ein lebendiges Bild gegeben hat, das danken wir ihm mit überraschter Freude. B. B. St. Micha Michalowitz, Der gedeckte Tisch. Brandussche Verlagsbuchhandlung, Berlin. In der neuen Sammlung des Verlages „Gestern und Heute" ist dieses Büchlein vom jüdischen Essen und Trinken erschienen, daß allen Anhängern kulinarischer Genüsse willkommen sein wird. Man wird auf vergnügliche, dabei auf keineswegs oberflächliche Art unterhalten und kulturgeschichtlich belehrt. Wrir werden erinnert, daß das Essen nicht nur „Nahrungsaufnahme" ist, sondern noch eine höhere kultische Bedeutung hat, daß das Wohlbehagen an einer guten Mahlzeit an einem Sabbat den Dank an den Geber alles Guten enthält, also ein Teil des Gottesdienstes selber ist. So erklärt Micha Michalowitz mit warmherzigem Humor die Speisegesetze abgesehen von aller Metaphysik als „eine wunderbare Pädagogik der Schlemmerei" und so hören wir mit wehmütiger Freude, was und wie gut und wie reichlich unsere Vorfahren gespeist haben, wobei die Fischgerichte schon im Altertum eine hervorragende Rolle spielten. Aber wir wollen nicht zu viel erzählen. Jeder lese selbst, und wenn ihm der Appetit vergangen ist, hier kann er ihn wieder finden. Li. Wassermann „Joseph Kerkhovens dritte Existenz" Gut erhaltene Exemplare des ersten Bandes bitten wir uns anzubieten. — Einige Exemplare des zweiten Bandes sind noch für RM. 3,2 5 lieferbar. Jüdische Buchvereinigung e. V., Berlin W 15, Pariser Str. 7 Verlag: Jüdische Buch-Vereinigung, Berlin W15, Pariser Str. 7 / Verantwortlich für den Inhalt: Dr. Erich Lichtenstein, für die Inserate Erwin Löwe, beide in Berlin / Druck: Max Lichtwitz, Berlin / Aufl.: 800* 12

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