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Blätter der Jüdischen Buchvereinigung · 1934-12-01 · 1 (12.1934) · p. [Seite 6]

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Journal
Blätter der Jüdischen Buchvereinigung
Volume
1 (1934)
Issue
1 (12.1934)
Date
1934-12-01
Page
[Seite 6] (sequence 6)
Language
German
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Wege zum Judentum von Erich Lichtenstein Wissen um das Judentum, um sein Wesen und um seine Geschichte, scheint heute mehr denn je vornehmste Pflicht und dringendste Aufgabe. Denn anders können wir in dem Widerstreit der Meinungen, in dem pro und contra, nicht eine feste, gesicherte geistige Position gewinnen, nur so werden wir den Weg finden, der für uns der gangbare, der notwendige ist. In zwei Jahren hat sich vieles gewandelt. Es scheint uns heute schon sonderbar, wenn wir daran denken, wie wir in allen Kulturen zu Hause waren, mit allen Philosophien und Denksystemen vertraut und dabei in dem, was uns eigentlich am nächsten hätte liegen sollen, in der Wissenschaft vom Judentum, in der Erkenntnis jüdischer Religiosität unwissend waren. Dabei wird jeder, der damit den Anfang macht, in diese Gebiete einzudringen, der zu »lernen« beginnt, um ein Wort unserer Vorfahren zu nehmen, das sie für das Studieren der Bibel und des Talmuds gebrauchten, mit größter Befriedigung gewahren, wie reichlich, wie verschwenderisch er für seine Mühe belohnt wird. Eine neue großartige Welt wird sich vor ihm auf tun, ein Geistesgut wird sich ihm offenbaren, das ihn mit Staunen und Bewunderung erfüllen wird. Die großen Gesamtdarstellungen der jüdischen Geschichte von Graetz oder Dubnow bilden natürlich die Grundlage einer solchen Beschäftigung. Besonders Graetz sollte man sich anvertrauen, diesem temperamentvollen rechtschaffenen Historiker, der so leidenschaftlich von seinem Stoff ergriffen war und sein ungeheures Material, das heute noch nicht ausgeschöpft ist, in klarster Übersicht vor uns ausbreitet. Und wenn seine Forschungen auch in vielen Einzelheiten heute überholt sind, seine Grundeinstellung, seine Gesinnung, seine kraftvolle Eigenart werden nie veralten. Man ist auch heute noch auf ihn angewiesen, denn eine Universal-Geschichte der Juden, die die wissenschaftlichen Forschungsergebnisse der letzten Jahrzehnte verarbeitet hätte, gibt es nicht. Dafür aber haben wir eine mit staunenswerter Gelehrsamkeit abgefaßte Darstellung großen Stils, die von den ältesten Zeiten bis auf Salomo reicht. Ihr Verfasser ist Elias Auerbach. Sie erschien unter dem Titel »Wüste und gelobtes Land« als der erste Band einer Geschichte im Kurt Wolff Verlag in Berlin. Es verdient hohe Bewunderung, wie in diesem Werk auf Grund aller nur erreichbaren Quellen, die Urgeschichte Israels erschlossen wird. Eine Gesamtdarstellung von dem Leben der deutschen Juden von Anbeginn bis auf den heutigen Tag gibt es noch nicht. Diese Lücke wird das Buch von Prof. Ismar Elbogen ausfüllen, das iq35 in der JBV erscheint. Wichtige Einzeluntersuchungen findet man in der »Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland« (Philo-Verlag). Auch auf die in diesem Verlag erscheinende literarische Monatsrevue »Morgen«, die auf einem sehr hohen Niveau steht und über einen glänzenden Mitarbeiterstab verfügt, sei hier nachdrücklich aufmerksam gemacht. Zu diesen historischen Arbeiten gesellen sich diejenigen Bemühungen, die das Wesen und den Geist des Judentums erforschen und darstellen. Der Frage, was Judentum ist, was Jude-Sein heißt, ist das Lebenswerk Martin Bubers gewidmet. Seiner schöpferischen Kraft ist es zu danken, daß wir heute gelernt haben, diese Kardinalfrage richtig zu stellen, so daß man nun anfängt, auch die richtigen Antworten zu geben. Ihm zur Seite steht Leo B a e c k , der seine gesammelten Essays, die nunmehr in einem stattlichen Bande vereinigt im Schocken Verlag erschienen sind, mit gutem Recht »Wege zum Judentum« genannt hat. Das Buch gliedert sich in große, sich ergänzende Abschnitte. In den ersten Teilen, der vom jüdischen Glauben handelt, wird die Religion Israels gegen alle anderen Religionen abgegrenzt. Schon Heine hatte den Gegensatz zwischen dem Hellenenlum und der jüdischen Welt gesehen und empfunden. Aber Leo Baeck schürft tiefer, wenn er als das Charakteristische der griechischen Kunst die Vollendung sieht und für das Wesentliche des Judentums den Begriff der Spannung einsetzt. Das Griechentum erreichte das Höchste in fertigen vollendeten Kunstwerken, damit ist es am Ziel. Das Jüdische aber ist stets auf dem Wege zur Vollendung, es hat die Unendlichkeit in sein Wesen einbezogen. Diese grundlegende Erkenntnis wird dann in den großen Abhandlungen »Tod und Wiedergeburt« und »Geist und Blut« ingeniös durchgeführt. Daran schließen sich Aufsätze aus allen Gebieten des geistigen und geschichtlichen In meiner Budidruckerei wurden das Philo-Lexikon und Werke der JBV hergestellt. Bitte (ordern auch Sie Ihre Offerten für Drucksachen bei mir ein. MAX LICHTWITZ Berlin SW19 / Neu« Grünstr.30 / A6 2936 Die Juden sind das Volk des Buches; das haben wir off gehört. Heute aber ist die Zeit gekommen, die Wahrheit dieses Wortes durch die Tat zu beweisen. Drängende Not des Tages hat das Buch im Augenblick bei uns zurückgedrängt. Es ist Pflicht, den Schreibern die Möglichkeit zu schreiben, den Lesern die Möglichkeit zu lesen, zu verschaffen, wollen wir das Wesen unseres jüdischen Volkes erhalten. Darum wurde die JBV gegründet, und darum wird sie jeder begrüben, der das jüdische Leben dieser Zeit wirklich erlebt. Dr. Bertha Badt-Straaß Jüdischer Frauenbund 6

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