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Blätter der Jüdischen Buchvereinigung · 1934-12-01 · 1 (12.1934) · p. [Seite 3]

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Journal
Blätter der Jüdischen Buchvereinigung
Volume
1 (1934)
Issue
1 (12.1934)
Date
1934-12-01
Page
[Seite 3] (sequence 3)
Language
German
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Ueber die Bibel von Heinrich Heine Welch ein Buch! Groß und weit wie die Welt, wurzelnd in die Abgründe der Schöpfung und hinaufragend in die blauen Geheimnisse des Himmels . . . Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, Verheißung und Erfüllung, Geburt und Tod, das ganze Drama der Menschheit, alles ist in diesem Buche ... es ist das Buch der Bücher, Biblia. Die Juden sollten sich leicht trösten, daß sie Jerusalem und den Tempel und die Bundeslade und die goldenen Geräte und Kleinodien Salomonis eingebüßt haben . . . solcher Verlust ist doch nur geringfügig in Vergleichung mit der Bibel, dem unzerstörbaren Schatze, den sie gerettet. Wenn ich nicht irre, war es Mahomet, welcher die Juden »das Volk des Buches« nannte, ein Name, der ihnen bis heutigen Tag im Oriente verblieben und tiefsinnig bezeichnend ist. Ein Buch ist ihr Vaterland, ihr Besitz, ihr Herrscher, ihr Glück und ihr Unglück. Sie leben in den umfriedeten Marken dieses Buches, hier üben sie ihr unveräußerliches Bürgerrecht, hier kann man sie nicht verjagen, nicht verachten, hier sind sie stark und bewunderungswürdig. Versenkt in der Lektüre dieses Buches, merkten sie wenig von den Veränderungen, die um sie her in der wirklichen Welt vorfielen. Völker erhoben sich und schwanden, Staaten blühten empor und erloschen, Revolutionen stürmten über den Erdboden ... sie aber, die Juden, lagen gebeugt über ihrem Buche und merkten nichts von der wilden Jagd der Zeit, die über ihre Häupter dahinzog! Alfred Brust zum Gedächtnis von Lutz Weltmann Ende September starb der Ostpreuße Alfred Brust, erst dreiundvierzigjährig. Vielleicht erinnert sich noch der eine oder der andere an seine Schauspiele »Der singende Fisch« und »Die Wölfe« als an Experimente aus den Jahren des abklingenden Expressionismus. Aber »Der singende Fisch« ist ein religiöses Weihespiel in der Art Glaudels, wobei gewiß kein literarischer Einfluß festzustellen ist, und in seinem Winterstück »Die Wölfe« ist ein Schuß reißerisches Theater, wie es seinen Landsmann Sudermann kennzeichnet. Claudel—Sudermann: das sind die beiden Extreme, nach denen hin eine Weiterentwicklung der Dramatik Ibsens möglich war; 1925 schrieb mir Brust für meine Theaterzeitschrift »Zwischenakt« den einen lapidaren Satz »Das deutsche Theater der nächsten Jahre gehört Henrik Ibsen«. Aber so ernsthaft Alfred Brust um das Drama und um seine Anerkennung als Dramatiker rang, seine Stärke liegt auf epischem Gebiet. Für seinen Roman »Die verlorene Erde« gab ihm Wilhelm von Scholz im Jahre 1929 den Kleist preis. Dies Buch und vielleicht noch die »Festliche Ehe« und »Jutt und Jula« werden bleiben, vielleicht auch die utopische Vision »Eisbrand — die Kinder der Allmacht« und gewiß einige Verse des Lyrikers. Dabei ist er auch als epischer Dichter alles andere als ein Plastiker, dazu ist er zu sehr Expressionist; so wenig er mit der literarischen Entartung dieser Richtung, deren Ergebnisse erst in ihrer späteren Auswirkung voll gewürdigt werden können, gemein hat, so teilt er mit ihr doch das Ethische, das Exstatische, das Irrationale. Brust bändigt Einzelheiten mit einem bildkräftigen Realismus, aber seine Welt ist die Mystik — und das ist landschaftliches Erbe. Auch Brusts Landsleule Hamann, E. T. A. Hoffmann und Zacharias Werner haben es von ihrer Heimat mitbekommen. Brust führt den mystischen Zug auf das alte Pruzzenblut zurück und sagt einmal, das Wort Pruzzen bedeute »Magier«. All seine Prosawerke — und die Mehrzahl seiner Dramen — sind »litauische Geschichten«, in denen er den heidnischen Kern der Urbevölkerung aufdeckt, der durch die deutsche Herrenschicht und die Christianisierung des Landes nicht vernichtet wurde. Altgermanische Mythologie spielt in seine Geschehnisse hinein, aber Brusts Blick ist ostwärts gewandt: »Ostrom« heißt eines seiner »Spiele«, »Indisches Spiel« ein anderes und aus Osten brechen im »Eisbrand« die Vertreter des mythischen Reiches gegen die westliche Maschinen weit auf. Durch sein Hauptwerk »Die verlorene Erde« geht, dies der Grundzug seines Schrifttums, eine Erlösungstendenz. Nicht das Paradies ist verloren, die Erde ist verloren, weil Glaube und Dumpfheit, Güte und Trieb in getrennten Bereichen wohnen. Von der Unverbundenheit des Sittlichen und des Wirklichen, dieser beiden Erscheinungsformen des Lebens, die sich im Schaffen Alfred Brusts auch künstlerisch scheiden, soll die Menschheit erlöst werden. Brust fordert ein christliches Leben, das von der christlichen Lehre fast nur noch die Farbe hat, zur Eroberung des Diesseits. Seine Heilande sind Suchende, sind Wanderer. Der »deutsche Helfer« ist Sohn eines Grafen, der einen alten Juden mißhandelte, von seiner Tat geplagt wird, den Angehörigen dieses Juden Gutes tut, und weil man nicht Jude »werden kann« nach seinem vermeintlichen Tode »übertritt«, unter ihnen lebt und entsühnt stirbt. Sein Opfer aber gilt unter Der Preußische Landesverband Die Jüdische Gemeinde zu Berlin Der Verband Bayer. Israel. Gemeinden Der Bund Israelitischer Wohllahrtsvereinigungen in Baden Der Preußische Landesverband gesetzestreuer Synagogengemeinden und andere jüdische Verbände empfehlen den Eintritt in DIE HILFE VERSICHERUNG5 - VEREIN a. G. FÜR MI TGLIEDER DER JÜDISCHEN GEMEINDEN DES DEUTSCHEN REICHES BERLIN N 24, Oranienburger Str.1 Verlangen Sie unverbindlichen Vertreterbesuch! 3

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