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Central-Vereins-Dienst · 1927-11-17 · 6 (17.11.1927) · p. Seite 113

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Journal
Central-Vereins-Dienst
Volume
4 (1927)
Issue
6 (17.11.1927)
Date
1927-11-17
Page
Seite 113 (sequence 25)
Language
German
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in der deutschen Volksschule abzulehnen sei und begründet sie mit folgenden Sätzen: „1. Der Gottesbegriff des A. T. ist fast durchweg anthropomorphiseh und überspannt nationalistisch. Er ist entstellt durch niedrige Züge von Eifer-, Ränke- und Rachsucht, des Wankelmuts, der Grausamkeit und kleinlicher Ichsucht. 2. Die Moral des A. T. ist eine inferiore auf Gebot und Gehorsam, Furcht vor Strafe und Hoffnung auf Lohn aufgebaute. 3. Die Geschichte des Trägers dieses Gottesbegriffes und dieser Moral ist ein Wirrsal von Verrat und Betrug, von Scheußlichkeiten und Grausamkeiten und feigem Chauvinismus und scheinheiligem Nationalismus; es handelt sich um ein Volk, von dem selbst der Allerbejaher Goethe (W.M.W. II Bd. 2) sagt: „Das israelitische Volk hat niemals viel getaugt; es besitzt wenig Tugenden und die meisten Fehler anderer Völker, aber an Zähigkeit sucht es seinesgleichen"; ein Volk, dessen Stammvater ein Abraham (vergl. z. B. Moses I, 20) und dessen hehrster Held und Herrscher David ist (vergl. z. B. Samuelis Schlußkapitel und Könige Anfangskapitel). 4. Die Blätter des A. T. wimmeln von unerträglichen Kult- und Zeremonialgesetzen, von denen das entscheidenste jenes von der oben bereits erwähnten ekelhaften Unterscheidungszeichnung ist. 5. In Naturanschauung bietet das A. T. selbst für zeitgenössische andre „heidnische" Völker auf fast allen Seiten Läppigkeiten, Lächerlichkeiten und Absurditäten. (Vergl. Adolf v. Harnack: Die Entstehung der christl. Theologie, S. 32). Diesen Ausführungen tritt Professor Dr. Heinrich Fr ick-Gießen in demselben Blatt entschieden entgegen (Nr. 33 v. 13.8.27). Zu den einzelnen Punkten von Zang führt Fr ick Folgendes aus: „1. Der Gottesbegriff des Alten Testamentes ist tatsächlich nicht „durchweg" so wie er von dem Verfasser geschildert wird. Vielmehr zeigt eben eine geschichtliche d. h. der Wirklichkeit entsprechende Betrachtung, daß hier in einem eindrucksvollen geistigen Ringen innerhalb mehrerer Geschlechter unter Anführung der großen Prophetengestalten die Gottes-Vorstellung über alle Schranken hinaus gewachsen ist, bis sie (z. B. in der zweiten Hälfte des Jesaia-Buches) zu einem geläuterten, reinen Monotheismus ausgereift war. Hier kann das Studium von Nathan Söderbio m: „Das Werden des Gottesglaubens" jeden wünschenswerten Aufschluß geben. Gerade ein solches, auf die Wirklichkeit eingestelltes und nicht mit rationalistischen Vorurteilen behaftetes Denken erfaßt klar und leicht die ganze Größe jenes geschichtlichen Vorganges. Es scheint mir keine unmögliche Aufgabe zu sein, auch Kindern einen Begriff davon zu vermitteln. 2. Die Moral des Alten Testaments kann auch nur so lange als „inferior" gelten, als man die geschichtlichen Dokumente mit einem Lehrbuch der Moralphilosophie verwechselt. In Wirklichkeit hat gerade auf dem Gebiete der Sittlichkeit ein großartiger Aufstieg innerhalb Israels und Judas stattgefunden. Als ein Beispiel dafür nenne ich die Entstehung des Gefühls der sozialen Verantwortung, wie es der Gießener Alt-Testamentler Hans Schmidt vorzüglich geschildert hat in seinem Aufsatz über „die Bedeutung des Alten Testamentes für den deutschen Protestantismus der Gegenwart" (Seite 503 ff des Sammelwerks: „Der Protestantismus der Gegenwart". Herausgegeben von G. Schenkel, Stuttgart 1926). 3. Wenn man Goethe zitiert, sollte man ihn vollständig zitieren. Die angeführte Stelle aus „Wilhelm Meisters Wanderjahre" 2. Buch, 2. Kapitel hört ja nicht da auf, wo der Verfasser abbricht. Vielmehr heißt die Fortsetzung der Stelle so: „An Selbständigkeit, Festigkeit, Tapferkeit, und wenn alles das nicht mehr gilt, an Zähigkeit sucht es seinesgleichen. Es ist das beharrlichste Volk der Erde; es ist, es war, es wird sein, um den Namen Jehovah durch alle Zeiten zu verherrlichen. W i r haben es daher als Musterbild aufgestellt, als Hauptbild, dem die anderen nur zum Rahmen dienen." 4. u. 5. Was Adolf Harnack an der zitierten Stelle sagt, ist aus einem großen Zusammenhang herausgehoben, wie Harnack selbst sich ausdrückte: „Nur die eine Seite der Sache" (Seite 31). Wer Harnacks ganze Meinung erfahren will, muß auch seine positiven Aeußerungen lesen. Und vor allem: Harnacks Kritik am Alten Testament ist keineswegs ein Ausdruck allgemeiner Ueberzeugung! Ein Aufsatz wie der oben angeführte von Hans Schmidt zeigt auf den ersten Blick, daß unter evangelischen Theologen weithin eine ganz andere als die Harnack'sche Ansicht herrscht. Man vergesse doch nicht, daß das Alte Testament die Bibel Jesu und der ersten Christen gewesen ist! Selbstverständlich ist für uns das Neue Testament maßgebend. Aber das Licht, das von hier aus auf das Alte Testament fällt, hat keineswegs die Wirkung, daß nur Schatten sichtbar werden. Vielmehr tritt die unermeßliche Bedeutung der Vorgeschichte des Urchristentums jetzt erst recht zu Tage. Es ist eine Pflicht objektiver Wahrheitsforschung, das Gute und Große anzuerkennen, wo es sich auch findet. Am allerwenigsten darf in die Klärung so gewichtiger Fragen ein falscher Ton sich einmischen..... Die ungeheure Bedeutung des Alten Testamentes für d i e R e I i g i o n s - und Kulturgeschichte des Abendlandes ist die sachgemäße Rechtfertigung dafür, daß — trotz einzelner Schwierigkeiten -- dieses Schrifttum nach wie vor einen wichtigen Platz in der deutschen Volksschule einnehmen mu ß." „Ostmark * Archiv." In dem „Ostmark-Archiv und Heimatmuseum", Beilage zum „Ostland", Wochenschrift des Deutschen Ostbundes E.V., erschien in der 13. Folge des Jahrgangs 1927 ein Aufsatz: „Interniert!" Erinnerungen aus Szczypiorno von Pastor Gürtler, Neusalz (Oder). Es handelt sich um die Schilderung aus einem Interniertenlager aus der deutsch-polnischen Uebergangszeit in Posen. Es heißt darin u.a.: „Erfreulich ist auch das gute Einvernehmen mit einer ganzen Reihe zumeist älterer jüdischer Herren aus der Stadt Posen, unter denen sich einer, ein „Wildanese" besonders in brüderlicher Gesinnung hervortut. Eine schöne Tabakspfeife, die er mir verehrte, habe ich lange in Dampf und Ehren gehalten. Wir haben sehr interessante Fragen erörtert und uns ehrlich über dies und das ausgesprochen und sind uns menschlich nahe gekommen. Es liegt auch ein Segen in der Not. Und es ist von' Zeit zu Zeit heilsam, daß die verschiedenen Stände einmal alle sozusagen aus einem Napfe essen. Dann kühlen sich die Köpfe ab." Dieses Urteil, das ja eigentlich nur eine Selbstverständlichkeit enthält, ist lediglich bemerkenswert als die Aeußerung eines evangelischen Pfarrers in einer Zeitschrift, die ihrer sonstigen Haltung nach nicht gerade als judenfreundlich an- I gesprochen werden darf. 113

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