Mannheim
Compact Memory

Central-Vereins-Dienst · 1927-11-17 · 6 (17.11.1927) · p. Seite 111

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Vereins-Dienst
Volume
4 (1927)
Issue
6 (17.11.1927)
Date
1927-11-17
Page
Seite 111 (sequence 23)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9620164-9626613-9626526--139-9626549
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Um diesem Mißstand, der die Schlagkraft unserer ganzen Arbeit auf das Ernsthafteste bedroht, gründlich abzuhelfen, bitten wir unsere Ortsgruppen und Landesverbände erneut dringend, alle wichtigen Vorkommnisse wie: judenfeindliche Angriffe jeder Art, Tagungen von Verbänden, wichtige Zeitungsnachrichten usw. umgehend dem Landesverband bezw. der Zentrale zu melden. Vortrags vereinb arungen. Die Landesverbände und Ortsgruppen werden gebeten, bei Vortragsvereinbarungen möglichst frühzeitig den genauen Tag, die Stunde und den Ort der Veranstaltung anzugeben und der Zentrale die Kosten, die die Veranstaltung verursacht, möglichst im voraus, oder aber sofort nach Stattfinden des betr. Vortrages zu überweisen. Neue Werbemethoden. Die Ortsgruppe Wiesbaden fügte den Einladungen zu einem Vortrage ein in kleinem Format gedrucktes Mitgliederverzeichnis bei. Sie bat gleichzeitig die Empfänger der Einladung, das Verzeichnis daraufhin durchzusehen, wer unter ihren Bekannten noch als Mitglied geworben und zu der Versammlung mitgebracht werden könne. Diese Art der Propaganda wird den Ortsgruppen bis zu etwa 500 Mitgliedern zur Nachahmung empfohlen. Preffedienst. Vorbildliche Arbeit in der Unterbringung von Vortrags- und Versammlungs-Berichten in der Presse leistet der Landesverband Oberschlesien Es ist ihm in der letzten Zeit gelungen, die Zeitungen seines Bezirkes ständig mit Nachrichten über die Arbeit des C. V. zu beliefern. Versand der C. V. Zeitung an Nichtjuden. Wenn nichtjüdische Personen die Zusendung der „C. V.-Ztg." nachsuchen, so sind in jedem Fall Erkundigungen einzuziehen. Es ist mehrfach festgestellt worden, daß Angehörige völkischer Verbände um Zusendung der Zeitung gebeten haben. Da in diesen Fällen die Zeitung offensichtlich nicht als Aufklärungsmaterial, sondern als Grundlage für neue Hetze benutzt werden sollte, ist Vorsicht geboten. Keine Entlastung für Örtsgruppenkafficrer. Aus den Monatsberichten entnehmen wir, daß in Generalversammlungen von Ortsgruppen jeweils dem Kassierer für seine Geschäftsführung Entlastung erteilt wird. Das ist überflüssig. Der Ortsgruppenkassierer kann nur vom zuständigen Landesverbände bezw. von der Berliner Centrale entlastet werden. Lediglich in solchen Fällen, in denen einer Ortsgruppe Beträge zur freien Verfügung vom Landesverbände bezw. von der Berliner Centrale überlassen worden sind, kann dem Ortsgruppenkassierer Entlastung durch die Ortsgruppe erteilt werden. Beiträge von Synagogengemeinden. Die Synagogengemeinde Soest hat in ihren diesmaligen Etat zum ersten Male eine Beihilfe für den C. V. in Höhe von Mk. 100,— eingestellt. Diese Tatsache, die als ein erfreuliches Anzeichen für das Verständnis und das Interesse für die C. V.-Arbeit zu betrachten ist, läßt erwarten, daß Versuche nach dieser Richtung hin auch in anderen Ortsgruppen häufig zum Erfolge führen würden. Für Vorträge stehen zur Verfügung: Professor Dr. Eugen Wölbe, Berlin NW 21, Dortmunder Str. 11. Themen: „Die jüdische Frau im Wandel der Zeiten", „Juden und Judentum im Urteil der Nichtjuden". Honorar etwa 30 Mark zuzüglich Spesen. Frau Stud.-Rätin Dr. Gertr. Klausner, M. d. L., Mitglied unseres Hauptvorstandes. Themen: „Die politische Lage", „Das Reichsschulgesetz", „Das jüdische Kind", „Schule und Hochschule", „Die Ethik in Dantes göttlicher Komödie". Honorar 100 Mark. Frau Jeanette W o 1 f f, Bocholt i. W. Themen: „Vergangenheitssorgen und Gegenwartsfragen", „Der Jude als Staatsbürger". Honorar etwa 25—30 Mark zuzüglich der Spesen. i Herr Lic. Pfarrer Dr. Hartmann, Solingen- Foche, über dessen Vortragstätigkeit wir im C.V.¬ Dienst Nr. 4/5, Jahrgang III, S. 82, berichtet haben, steht uns weiter für Aufklärungsversammlungen als Redner zur Verfügung. Er bevorzugt Themen, die sich mit soziologischen, religiösen und philosophischen Problemen befassen. Als Honorar sind Mk. 75,— und Ersatz der Reisekosten (Fahrt 2. Klasse und Mk. 25,— Tagesspesen) vereinbart. Material. aus Büchern, Broschüren und Zeitungen. Dr. Ernst Joerges, „Die weltgeschichtliche Bedeutung des Judentums und seine Zukunft" Verlag Karl Curtius-Berlin. Dr. Ernst Joerges gibt vor, das Judentum frei von Haß und Liebe zu erkennen, und man muß ihm in der Tat zugestehen, daß er den üblichen gehässigen Ton der Völkischen vermeidet. Er bemüht sich, die weltgeschichtliche Bedeutung des Judentums und seine Zukunft wissenschaftlich zu behandeln. In der Einleitung stellt er die Behauptung auf, daß die Juden als einziges Volk der Weltgeschichte seit dem frühesten Altertum fast unverändert fortleben, unter Bedingungen, unter denen noch nie ein Volk gelebt hat, unter einer Religion, wie sie ähnlich noch nie ein Volk besessen hat. Er schließt dann folgenden Gedankengang an: Das Judentum bewahrte stets seine Eigenart, keine Verfolgung vermochte ihm in Wirklichkeit zu schaden, und in der hohen Zeit indogermanischer Kultur und indogermanischer politischer Macht hat es sich eine solche Stellung zu erringen gewußt, daß ernsthaft von einer Weltherrschaft gesprochen werden muß. Es ist eine Machtstellung, von der niemand weiß, wie sie eigentlich entstanden 111

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.