Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- 6 (17.11.1927)
- Date
- 1927-11-17
- Page
- Seite 100 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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aber keineswegs zu. Wenn Sie jüdische Zeitungen aufmerksam verfolgen, so werden Sie finden, daß auch hier sehr oft mit scharfen Worten die Dinge gegeißelt werden, die eben gegeißelt werden müssen. Gestatten Sie, sehr geehrter Herr Professor, daß ich Ihnen für die Offenheit Ihres Briefes danke. Ich hoffe, daß mein Schreiben dazu beitragen wird, Sie zu veranlassen, verschiedene Dinge von etwas anderen Gesichtspunkten aus als bisher zu betrachten. In vorzüglicher Hochachtung gez. Prof. G o 1 d s t e i n. * Hochgeehrter Herr Professor Goldstein! Ich danke Ihnen für Ihre gütigen Zeilen. Ihre Ausführungen über das Geschwätz von der Ausbreitung der jüdischen Presse sind gewiß richtig, und Ihre Anschauung über die Gründe des Stillschweigens in der jüdische Interessen vertretenden Presse hat zweifellos ihre Berechtigung. In vorzüglicher Hochachtung Ihr sehr ergebener gez. Unterschrift. PS. Fast hätte ich vergessen, Ihnen auch noch für die Uebersendung der sehr beherzigenswerten Worte des Frankfurter Blattes verbindlichst zu danken. Auch darüber kann es ja keine Meinungsverschiedenheiten geben. Offertenblatt für die katholische Geistlichkeit. Im „Offertenblatt für die katholische Geistlichkei t", Verleger Wilhelm Berendes, Brühl- Köln, fand sich im Inseratenteil der September-Nr. die Anzeige einer Aachener Tuchfabrik, in der es u. a. heißt: „ . . . . Auch sollte es katholischen Geistlichen ferne liegen, von jüdischen Reisenden zu kaufen, wenn Katholiken ebenso gut liefern können/' Unsere Kölner Geschäftsstelle setzte sich darauf mit dem Redakteur des Blattes in Verbindung. Dieser versprach, derartige Anzeigen in Zukunft nicht mehr zu bringen. In seinem Antwortschreiben heißt es u.a.: „Ich bin Katholik und als solcher liegt mir der Antisemitismus vollkommen fern." Allgemeiner Deutscher Automobilclub. Aus Königsberg wird uns folgendes mitgeteilt: Die Tochter eines Mitgliedes wurde infolge ihrer sportlichen Erfolge als Volontärin für das dortige Büro des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs engagiert. Einige Tage nach dem Engagement erklärte der Geschäftsführer der jungen Dame, daß er sie nicht engagiert haben würde, wenn er gewußt hätte, daß sie Jüdin sei, trotzdem er mit ihren Leistungen durchaus zufrieden sei. Als Grund für diese Stellungnahme führte er an, daß die Juden vielfach betrögen und daß infolge des schädlichen Einflusses, den ein Jude wie B a r m a t ausgeübt hätte, jetzt die Portoerhöhung eingetreten sei. Im Einvernehmen mit unserer Geschäftsstelle stellte der Vater der jungen Dame den Geschäftsführer zur Rede und machte ihn darauf aufmerksam, daß durch diesen Vorfall die parteipolitische Neutralität des A. D. A. C. verletzt worden sei. Insbesondere wurde der Geschäftsführer darüber aufgeklärt, welche Verdienste viele jüdische Mitglieder um den A. D. A. C. haben. Der Geschäftsführer bedauerte daraufhin seine Aeußerungen, entschuldigte sich und erklärte, daß er künftighin bei der Einstellung von Personal keinerlei Unterschied mehr machen würde. Verband der Vereine Kreditreform. Wir bringen nachstehend einen Brief des „Verbandes der Vereine Kreditreform e. V." an seine Leipziger Zweigstelle zum Abdruck, der unserer dortigen Geschäftsstelle abschriftlich übersandt wurde. Die Vorgänge, die zu der Korrespondenz geführt haben, werden aus seinem Inhalt ohne Weiteres verständlich. „Die uns übermittelten zwei Beschwerdeschriften des Centrai-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veranlassen uns, zunächst darauf hinzuweisen, daß unter den grundlegenden Bestimmungen über die Erteilung von Auskünften in Ziffer 3 unserer »Anweisung für die Erteilung von schriftlichen Auskünften' angeführt ist: „Angaben über Religionsbekenntnis und Parteizugehörigkeit haben in den Auskünften grundsätzlich zu unterbleiben. Sie dürfen nur gemacht werden, wenn ausdrücklich danach gefragt ist. Auch dann dürfen sie auf keinen Fall den Charakter einer Kritik annehmen." Die uns gemeldeten Fälle haben uns Veranlassung gegeben, diese Bestimmung in unseren letzten vertraulichen „Mitteilungen" an die Geschäftsführer der Vereine Creditreform nachdrücklich in Erinnerung zu bringen. Außerdem haben wir uns aber mit allen den Stellen in Verbindung gesetzt, denen die Erteilung! der beanstandeten Auskünfte zum Vorwurf gemacht worden ist...... Die Leiter der beiden genannten Nebenstellen sind ernstlich verwarnt worden und wenn sich ähnliche Verstöße wiederholen, haben sie mit den schärfsten Maßnahmen zu rechnen...... Wir bedauern außerordentlich, wenn Mißgriffe vorgekommen sind; in einer so weitverzweigten Organisation wie der unsrigen, wo man auch mit Hilfspersonal rechnen muß, lassen sich natürlich beim besten Willen ähnliche Anstände nicht ganz vermeiden, daß aber solche Verstöße, wenn sie vorkommen, gegen unseren Willen und gegen unsere ausdrückliche Instruktion erfolgen, haben wir anfangs bereits ausgeführt. Sollten weiterhin ähnliche ungehörige Aeußerungen von Organen unserer Organisation bekannt werden, dann bitten wir darum, daß wir — jedoch möglichst unter Angabe von Namen und Zeitpunkt — davon in Kenntnis gesetzt werden, damit wir die nötigen Maßnahmen treffen können. Hochachtungsvoll Verbandsbüro der Vereine Creditreform Unterschrift. Generaldirektor." „Die Genossenschaftsfamilie." In der Augustnummer des Genossenschaftsblattes: „Die Genossenschaftsfamilie" stand ein Artikel: „Das Grabmal des Erschlagenen", in dem geschildert wurde, daß ein Begründer der ländlichen Genossenschaften von Viehwucherern erschlagen wurde. Es war zwar nicht ausdrücklich gesagt, daß die Täter die „V i e h j u d e n" waren, die an anderer Stelle des Aufsatzes erwähnt wurden. Der Zusammenhang gab jedoch zu einer entsprechenden Vermutung Anlaß. Wir machten durch unsere Kölner Geschäftsstelle den verantwortlichen Redakteur darauf aufmerksam, daß solche Ausführungen geeignet seien, die Landbe- ,100