Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- 6 (17.11.1927)
- Date
- 1927-11-17
- Page
- Seite 101 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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völkerurig gegen ihre jüdischen Mitbürger aufzuhetzen. Der Redakteur antwortete mit folgendem Schreiben, daß aus verschiedenen Gründen interessant ist: „Es liegt mir durchaus fern, Haß gegen die Juden zu säen. Wie Sie richtig schreiben, verstehe ich unter dem Begriff „Viehjuden" nicht nur Juden, sondern es handelt sich hier, wie Ihnen bekannt ist, tatsächlich um eine allgemeine Bezeichnung. Die Ethymologie des Wortes besagt Ihnen natürlich, daß es in erster Linie Juden waren, welche den Viehwucher, besonders in älterer Zeit, als die ersten landwirtschaftlichen Genossenschaften entstanden, betrieben. Das ist ja eine bekannte Tatsache und ich brauche sie nicht näher zu erörtern. Ich wiederhole aber, daß es mir durchaus fernliegt, irgendwelchen Haß gegen die Juden zu säen, und daß mir dies auch nach meiner ganzen Einstellung nicht liegen würde." Borkum. Der „Vorwärts" vom 21. Oktober 1927 veröffentlicht eine Notiz, wonach das bekannte Borkumer Hotel „Inselhalle" in Zahlungsschwierigkeiten geraten ist. Ferner stehen 12 große Hotels und Logierhäuser in Borkum zum Verkauf. Wie wir weiter erfahren, wird „Köhlers Strandhotel" zwangsweise versteigert. Da Borkum eines der schönsten Nordseebäder ist, muß der wirtschaftliche Zusammenbruch allein dem Wirken Münchmeyers zur Last gelegt werden. „Grüne Briefe für Kapital und Wirtschaft." In der Steglitzer Verlagsanstalt G. m. b. H., Berlin-Steglitz, erscheinen in einer täglichen und in einer einhalbwöchentlichen Ausgabe die „Grünen Briefe für Kapital und Wirtschaft", als Herausgeber zeichnet Josef Sonntag. Wir besitzen über den Herausgeber und dieses Organ, das häufig judenfeindliche Ausfälle enthält, vollständiges Material, das auf Wunsch zugestellt wird. Altonas Bevölkerung und ihre Staatsangehörigkeit. Das „Hamburger Fremdenblatt" vom 18. August 1927 brachte in einem Artikel: „Altonas Bevölkerung und ihre Staatsangehörigkeit" die interessante Mitteilung, daß von der jüdischen Bevölkerung- Altonas nur 43 Prozent deutsche Reichsangehörige und 56,4 Prozent Ausländer sind. Dieses groteske Zahlenverhältnis erfährt dadurch eine besonders charakteristische Beleuchtung, daß ein großer Teil der sogenannten jüdischen „Ausländer" schon in Altona geboren ist. Alle Versuche, die deutsche Staatsangehörigkeit zu erlangen sind aber bisher auch bei den in Deutschland Geborenen fehlgeschlagen. Die Erschwerung der Naturalisation führt, wie man hierin sieht, zu unhaltbaren Konsequenzen. Die jüdische Bevölkerung nach Regierungsbezirken, Am 16. Juni 1925, dem Tage der Volkszählung, wurden in Preußen 38120173 Einwohner gezählt, davon sind 18 504 001 Männer und 19 616172 Frauen. Auf 100 Männer kommen 106 Frauen, der Gesamtüberschuß der Frauen über die Männer beträgt über eine Million. Die jüdische Bevölkerung beträgt 1,06% der Gesamtbevölkerung Preußens. Ihre Dichtigkeit differiert in den verschiedenen Kreisen. Aus agitatorischen und propagandistischen Gesichtspunkten halten wir es fü~ zweckmäßig, genaue Berechnungen, die auf Grund neuen amtlichen Materials erfolgt sind, bekannt zu geben. Es folgen zunächst einige kurze erläuternde Bemerkungen: Der Freistaat Preußen weist 539 Kreise innerhalb seines Bereiches auf, davon sind 117 Stadtkreise. In diesen 117 Stadtkreisen, die der Regel nach die großen und größten Städte umfassen, wohnen 332 934 Juden oder rund 80o/0 der gesamten jüdischen Bevölkerung, während nur 40% von der Gesamtbevölkerung auf sie entfallen. Die Juden sind also in den, Stadtkreisen verhältnismäßig doppelt so stark vertreten, als ihr prozentualer Bevölkerungsanteil beträgt. In den anderen Kreisen Preußens, deren Zahl sich auf 422 beläuft, liegen zwar auch größere Städte, aber Preußens am 16. Juni 1925 Kreisen und Stadtkreisen. von ihnen entfällt der größte Teil auf das flache Land. Unter den rund 22 Millionen Einwohnern sind rund 70 000 Juden. Während also diese 22 Millionen rund 60°/o der Gesamtbevölkerung ausmachen, beträgt der Prozentsatz der darunter befindlichen Juden nur 20%. Es gibt in Preußen keinen Kreis, der nicht von Juden bewohnt würde, außer dem kleinen Hohenzollernlande. Dagegen gibt es 35 Kreise, hauptsächlich in der Provinz Sachsen, in Hannover und Schleswig- Holstein, in deren Grenzen sich weniger als 10 Juden befinden, in weiteren 82 steigt ihre Zahl auf 10 bis 49; daran schließen sich 83 Kreise mit jüdischen Anteilen von 50 bis 99 Einwohnern; bei 254 Kreisen steigen die Durchschnitte auf 100 bis 499 Juden; größere jüdische Gemeinden mit über 500 bis rund 172 000 Seelen (die letzte Zahl gilt für Groß-Berlin) befinden sich in 84 Kreisen, fast ausschließlich Stadtkreisen. Weitere Einzelheiten ergeben sich aus den beigefügten Uebersichten, aus denen unsere Landesverbände das einschlägige Material für ihre Zwecke zusammenstellen können. Wir bitten unsere Mitarbeiter, die Tabellen, soweit sie die einzelnen Landesverbände betreffen, durch Angabe der C. V.-Mitgliedszahlen zu ergänzen und uns einzusenden. 101