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Central-Vereins-Dienst · 1927-11-17 · 6 (17.11.1927) · p. Seite 97

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Journal
Central-Vereins-Dienst
Volume
4 (1927)
Issue
6 (17.11.1927)
Date
1927-11-17
Page
Seite 97 (sequence 9)
Language
German
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Monatsschrift für höhere Schulen. In der „Monatsschrift für höhere Schulen", herausgegeben von Prof. Dr. Max Sieburg, Bonn, erschien ein Aufsatz von Dr. phil. H. Volkmann, Marburg, „Ein neuer Fund zur Geschichte des Antisemitismus im Altertum". Gegen Ende dieses Aufsatzes, der zu Beginn rein sachlich gehalten ist, schreibt Dr. Volkmann „Die Juden beschränkten sich eben nicht auf ihre Heimat, sondern suchten als Schmarotzer überall Nutzen zu ziehen." Der Schlußsatz bezeichnet die Urkunde als ein interessantes Dokument, „das uns ein noch heute in der Gegenwart bestehendes Problem in vergangener Beleuchtung zeigt." Wir haben die Angelegenheit mit verschiedenen Herren eingehend durchgesprochen und werden versuchen, einen Gegenartikel in der „Monatsschrift für höhere Schulen" unterzubringen. Georg Simmel. Ueber die Herkunft des bekannten Philosophen Georg Simmel wird uns folgendes mitgeteilt: Simmel stammt von Juden ab, wurde aber als Neugeborener evangelisch getauft. Er selbst hat sich stets unter die Juden gerechnet. Es ist anzunehmen, daß er sich auf offiziellen Listen als Jude oder als konfessionslos bezeichnet hat. Von seiner Frau, die Christin war, ist bekannt, daß sie nach seinem Tode den Verkehr mit einer im Verdacht judenfeindlicher Gesinnung stehenden Familie mit der ausdrücklichen Begründung abbrach, sie könne im Andenken an ihren Mann, der sich zeitlebens als Jude gefühlt habe, in dem Hause nicht verkehren. Frau Stresemann. Das „Deutsche Tageblatt" veröffentlicht in seiner Nummer 228 ein Dokument, aus dem eindeutig hervorgeht, daß die Frau des Reichsaußenministers Stresemann einer jüdischen Familie entstammt; und zwar handelt es sich um die Wiedergabe einer Geburtsurkunde des Bruders der Frau Stresemann, in der ihre Eltern der Kaufmann Adolf Kleefeld und seine Frau Toni Kleefeld geborene Heinemann zu Kassel als Angehörige der mosaischen Religion bezeichnet sind. Holberg: Ulysses von Ithaka. Im Künstlertheater in München wurde das Schauspiel „Ulysses von Ithaka" von Holberg, neu bearbeitet von Jürgen Fehling, aufgeführt. Das Stück endet mit dem Ausruf des Ulysses: „Ich hätte, anstatt gegen Troja zu ziehen, alle Juden ausrotten solle n". Dieser Ausspruch steht mit dem Gesamtinhalt des Stückes in keinem Zusammenhang, sondern stempelt die ganze Aufführung ohne jede innere Notwendigkeit zu einer parteipolitischen Kundgebung. Der Landesverband Bayern wandte sich an die Intendanz der Staatstheater mit der Bitte um Abstellung dieses Mißstandes. Er erhielt daraufhin die Mitteilung, daß Auftrag gegeben worden sei, den beanstandeten Schlußsatz wegzulassen. Der Kronprinzenpreis. Zeitungsnachrichten zufolge, die uns von Gewährsleuten bestätigt werden, hat sich in O e 1 s folgender Vorfall zugetragen; Für ein Sportfest des Schülersportklubs in Oels, auf dem leichtathletische Wettkämpfe ausgetragen wurden, hatte der ehemalige Kronprinz ein Bild mit seiner Unterschrift als Ehrenpreis gestiftet. Zufällig wurde das Bild von einem jüdischen Sportsmann gewonnen. Da der Kronprinz an seine Gabe die Bedingung geknüpft hatte, daß sie nur an Personen gegeben werden dürfe, die ihren inneren Wert richtig zu würdigen verstehen, führte dieser Ausfall der Preisverteilung zu Unterhandlungen, die damit endigten, daß der Kronprinzenpreis gegen eine andere Gabe ausgetauscht wurde. Deutsche Volkspartei. Einem in Nr. 31 des „Hamburger Abendblattes" vom 3. Oktober 1927 erschienenen Aufsatz, betitelt: „Bürgerliche Führung gegen den Antisemitismus", entnehmen wir die folgenden Sätze aus einer Rede des Generalsekretärs der Deutschen Volkspartei W. O. Rose, die anläßlich einer Wählerversammlung der Deutschen Volkspartei in Elmsbüttel gehalten wurde: „Eine liberale Partei, wie die Deutsche Volkspartei, würde sich immer gegen den Antisemitismus wenden. Hamburg, in dem in alten wie in neuen Zeiten jüdische Mitbürger große Leistungen für die Wirtschaft wie für den Staat vollbracht haben, wird über den Antisemitismus zur Tagesordnung übergehen." „Die Juden in der Wiener Polizei". In dem „Völkischen Beobachter" Nr. 215 vom 18./19. September befand sich ein Aufsatz über „D i e Juden in der Wiener Polize i", in dem von einer vollkommenen „Verjudung" dieser Behörde gesprochen wurde. In einem Aufsatz, den Regierungsrat J. K r e p p e 1 im „Israelitischen Familienblatt" vom 5. 10. veröffentlichte, findet sich hierzu folgende Aeußerung: „. . . . Wie steht es nun mit der Richtigkeit dieser Behauptung? Ist die Wiener Polizeidirektion wirklich verludet? Die Herren Hofrat Pollak und Hofrat Wahl sind wohl jüdischer Abkunft, aber sie haben längst das Judentum verlassen und denken an nichts weniger, als „jüdische Politik" zu machen. Seit Dezennien werden bei der Polizei keine Juden mehr angestellt, und wie es mit der „Verjudung" derselben bestellt ist, dafür mag die folgende Tatsache als Illustration dienen: In Oesterreich ist seit einigen Jahren eine Sperre für die Neuaufnahme von Beamten in Kraft. Vor einigen Monaten mußte diese Sperre zugunsten der Wiener Polizei außer Kraft gesetzt werden, da sich in diesem Dienstzweig Neuaufnahmen als dringend notwendig erwiesen. Es handelte sich um 100 neue Stellen, die zur Besetzung gelangten. A'uch einige Juden meldeten sich; aber ohne jede Zeremonie wurde ihnen seitens der maßgebenden Faktoren eröffnet, daß wohl staatsgesetzlich keine Hindernisse für die Aufnahme von jüdischen Bewerbern vorhanden sind, aber — die Atmosphäre sei derart, daß die jüdischen Kandidaten bei ihrem Eintritt einen so schweren Stand haben würden, daß es sich nicht verlohne, auch nur den Versuch zu machen ... So sieht die „Verjudung" der Polizei aus. Die erwähnte jüdische Beamtin wurde wohl vom Dienst suspendiert als von antisemitischer Seite gegen sie eine Denunziation einlief, aber ihre Unschuld stellte sich bald heraus, und so leistet sie denn wieder Dienst. Die Hetze mußte also auch nach dieser Richtung Schiffbruch erleiden," 9?

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