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Central-Vereins-Dienst · 1927-11-17 · 6 (17.11.1927) · p. Seite 96

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Journal
Central-Vereins-Dienst
Volume
4 (1927)
Issue
6 (17.11.1927)
Date
1927-11-17
Page
Seite 96 (sequence 8)
Language
German
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Diese Auffassung wird uns bestätigt durch die authentische Mitteilung eines nicht der nationalsozialistischen Bewegung angehörenden Artamanen, der sich unter anderem folgendermaßen über seine Erlebnisse äußert: „Von unseren acht Artamanen sind bereits zwei entlassen worden, da diese nicht für ein paar Bettelpfennige, nämlich Mk. 7,55 pro Woche, Arbeiten leisten wollten, die man in der Stadt kaum Schwerarbeitern zumutet. Aber es geht alles bis aufs Sparen. Dazu bleibt nichts übrig; denn den Lohn braucht man für den Aufstrich; Butter, Wurst, Käse usw. gibt es ja nicht bei unserer „vollständigen" Verpflegung. Wenn ich nach Hause komme, nach Ablauf unseres Vertrages, steht man genau so da wie vordem. Vielleicht hat sich bis dahin aber der Arbeitsmarkt so gebessert, daß man eine Stellung erhält. Unser Vertrag läuft, wie ich Ihnen gegenüber schon äußerte, erst am 15. Dezember ab. Ich sprach jetzt mit unserem Chef und der ließ verlauten, daß er mit einer evtl. früheren Entlassung einverstanden wäre. Dann verdient dieser Herr Baron X. an uns Artamanen rund Mk. 400 extra, und das ist etwas für die Großgrundbesitzer. Hier auf dem Lande lernt man dieses schwarz-weiß-rote Oesocksch erst richtig beurteilen. National bis an den Geldsack und dann Egoist. Und trotzdem kein Jude. Ueber Juden würde man in diesem Falle bestimmt in der Presse der Völkischen usw. von den Arbeiterausbeutern reden. So aber, bei einem Baron heißt es „Die notleidende Landwirtschaft", ganz wie es eben ins Programm paßt. Außer einem Mitglied des Großdeutschen Jugendbundes bin ich der einzige Nichtnationalsozialist unter den Artamanen von . . . Deshalb hat man aber einen um so schwereren Stand gegenüber den Angriffen, die von dieser Seite auf alles, was nicht in ihr Horn bläst, gemacht werden. Damit schüchtert man uns aber nicht ein. Abends zu den Sprechabenden haben wir schon die tollsten Diskussionen erlebt, sodaß man mich aufforderte, mit zur N. S. D. A. P. zu gehen und dort meine Erwiderungen vom Stapel zu lassen. Was das aber für Zweck hat, wissen wir zur Genüge von .... her. Alles geht nach dem Motto: „Und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein!" Ein neuer Domela. Die „Breslauer Neuesten Nachrichten" und verschiedene andere Blätter brachten Ende Juli d. Js. in großer Aufmachung Aufsätze mit der Ueberschrift: „Ein neuer Domela verhaftet". Es handelte sich um die Schilderung einer Betrugsaffäre, in der sich ein angeblich jüdischer Musiker, der als Cellist einer Kaffeehauskapelle nach Eisenach kam, als Graf Bernstorff ausgegeben hatte. Unter diesem Namen hatte er zwei kleinere Betrügereien im Betrage von etwa Mk. 100,— begangen. Wir haben auf Grund unserer Nachforschungen in Erfahrung gebracht, daß der sogenannte „Domela II." Siegfried Bodo Franke heißt; er wurde am 5. Juni 1906 in Kiel geboren und ist evangelischer Konfession. Zum eigentlichen Fall Domela ist Folgendes nachzutragen: Die Angelegenheit ist in der linksstehenden Presse vielfach stark aufgebauscht worden. Wenn wir auch dem Vorfall als solchem fern stehen, möchten wir doch vor einer Benutzung dieses Materials warnen, da allem Anschein nach Domela keine einwandfreie Persönlichkeit ist. Flieger Levine. Durch die deutsche Presse ging die Notiz, daß die amerikanische Regierung Levine auf Zahlung von 100 000 Dollar verklagt habe. Diese Summe sollte aus Gewinnen herrühren, die Levine durch die Veräußerung von Kriegsmaterial unrechtmäßigerweise zugeflossen seien. Wir erfahren dazu folgende Einzelheiten: „Der Anspruch des Kriegsministeriums wird durch die Behauptung gestützt, daß Levine für den der Regierung zustehenden Betrag nicht einwandfrei Rechenschaft abgelegt habe. Das Justizministerium nimmt dazu den Standpunkt ein, daß viele solcher Klagen zwischen Regierung und Privatpersonen laufen und daß an der Angelegenheit nichts Ungewöhnliches ist. Keine Gerichtsaktion irgendwelcher Art ist unternommen worden, auch ist eine solche nicht beabsichtigt. Es wird angegeben, daß die Regierung sich bemüht, eine freundschaftliche Regelung mit Levine durch seinen Anwalt zu treffen. Die Verhandlungen schreiten vorwärts." Die Transaktion, die Levine mit dem amerikanischen Kriegsministerium abgeschlossen hat, soll mehrere Millionen Dollar betragen. Albrecht Wirthi „Deutsche Geschichte von 1870 bis zur Gegenwart." Unter obigem Titel erschien im Verlag Alfred Krön er, Leipzig 1926 ein Buch, das uns an folgenden Stellen zu Beanstandungen Anlaß gab. Seite 33: „Der Krieg 1870/71". „Der preußische Staatsminister berief ihn, Bleichröder, da er selbst mit internationalen Geldgeschäften nicht allzu vertraut war, als finanziellen Berater und Sachverständigen ins Hauptquartier. ,Er soll sich mit seinen Glaubensgenossen beriechen'. Dadurch überließ der Kanzler diese wichtige Sache der jüdischen Hochfinanz . . . Gleichwie aber zu Anfang des Krieges die preußische Regierung sofort einen der Hauptschreier, den Juden Jakobi von Königsberg, ins Gefängnis geworfen hat . . . ." Seite 37: „Die Belagerung von Paris". „Es ist allgemein aufgefallen, daß von den Zerstörungen allein die Paläste der reichen Juden verschont blieben." Seite 59: „Die Entstehung der Sozialdemokrat! e". „Die theoretischen Urheber des deutschen Sozialismus waren drei Juden: Marx (Mardochai), Lassalle und Engels." Seite 172: „Der Weltkrieg". „Andere Hilfe bekamen die Russen, ohne es zu wissen, durch die jüdischen Händler der Donaumonarchie, die unter anderem Przemysl, um sich selbst zu bereichern, schlecht verproviantierten." usw. usw. Wir haben durch Vermittlung eines uns nahestehenden Herrn die Verbindung zu dem Inhaber des Verlages herstellen lassen. Dieser erklärte uns in aller Form, daß er bei einer Neuauflage des Buches dafür sorgen werde, daß die von uns beanstandeten Stellen gestrichen bezw. so geänd.ert werden sollen, daß sie der Wahrheit entsprechen und keinerlei Anstoß mehr erregen können. Wir bitten unsere Freunde, uns davon Mitteilung zu machen, ob über die Verbreitung des Werkes etwas bekannt ist. 96

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