Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- 6 (17.11.1927)
- Date
- 1927-11-17
- Page
- Seite 95 (sequence 7)
- Language
- German
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und äußere Feinde möglichst zum Sterben gebracht werden soll. Aber nicht nur das Festhalten am Wehrgedanken ist uns tatsächlich eisern notwendig, sondern auch für unsere deutsche Jägerei noch besonders das Festhalten am weidmännischen Gedanken, den neben uns Germanen kein zweites Volk der Erde in gleicher Tiefe und Reinheit empfindet. Aus natürlichem Zusammengehörigkeitsgefühl schlössen sich so die Korporationen mit gleichen Grundlagen zusammen, sodaß jetzt von den 5 bestehenden Jagdverbindungen die drei Jagdkorps Masovia-Berlin, Hubertia-Halle, und Hubertia-Breslau im Kartell akademischer Jagdverbindungen (K. A. J. V.) zu gemeinsamer Arbeit vereinigt sind. Infolge getrennter Auffassung verschiedener Fragen sind leider die Jagdkorps Hubertia-Leipzig und A.J.V. Borussia-Hannover nicht Mitglieder des Kartells. Die Schaffung eines eigenen Jägerkartells war naturnotwendig. Bei einem Anschluß an schon bestehende ältere studentische Verbände würden die jüngeren und schwächeren Jagdkorporationen unweigerlich die für ihre Weiterentwicklung erforderliche Selbständigkeit verlieren. Außerdem hätte natürlich das jagdjiche Prinzip den betreffenden einzelnen Verbandsprinzipien gegenüber an zweite Stelle treten müssen, und dazu ist die jagdliche Einstellung wirklich zu wertvoll. Aktiv werden kann jeder jagdlich Interessierte ordentliche Studierende rein arischer Abstammung, gleichviel welcher Hochschule oder Fakultät er angehört. Wie alle im Hochschulring zusammengeschlossene Verbindungen haben auch die Jagdkorps großdeutsche Zielsetzung." Ein Gewährsmann, den wir über diese Organisation befragt haben, bezeichnet die Jagdkorps als akademische Korps, deren Organisation ähnlich geartet sei, wie die des Kösener S. C. Getreu der Korps-Tradition, nehmen sie keine Juden auf. Politisch spielen sie keine Rolle. Flugblattagitation der N. S. D. A. P. Zu der in Nr. 5, Jahrgang IV, unter „Flugblatta g i t a t i o n der N. S. D. A. P." des C. V.-Dienstes behandelten Angelegenheit teilen wir noch mit, daß ein Bescheid des Regierungspräsidenten in Oppeln ergangen ist, der folgenden Wortlaut hat: „Es trifft zu, daß von Nationalsozialisten in der Stadt Beuthen (O.-S.) verschiedentlich Plakate, die Ankündigungen von Versammlungen enthielten und mit dem Hakenkreuz versehen waren, an verbotenen Stellen u. a. an Häusern, die einen jüdischen Besitzer haben, angeklebt worden sind. Die Täter konnten jedoch trotz eingehender Erhebungen nicht überführt werden. Der Vorsitzende der Nationalsozialistischen Arbeiterpartei in Beuthen (O.-S.) ist am 9. v. Mts. wegen Uebertretung der §§ 79 und 83 der Straßenpolizeiverordnung vom 5.6. 1915 mit 4 Reichsmark oder 1 Tag Haft bestraft worden, weil er ohne Genehmigung Plakate hat ankleben lassen. Die Polizeibeamten sind angewiesen, auf das unberechtigte Anbringen von Plakaten — nach den geltenden ortspolizeilichen Bestimmungen ist das Ankleben von Plakaten nur an den hierfür bestimmten Anschlagsäulen und Tafeln gestattet — streng zu achten und bei Zuwiderhandlungen Strafanzeige zu erstatten." Stahlhelm* In einer von der Organisation „Stahlhelm" veranstalteten Versammlung in Stolp sprach Oberstleutnant a.D. Ahlemann über das Thema: „Deutsches Volk, wer rettet Dich?" In dem Vortrag, der u.a. ein rückhaltloses Bekenntnis zu Ludendorff enthielt, wurden Juden und Freimaurer auf das Heftigste angegriffen. Diese Tatsache ist deshalb bemerkenswert, weil der zu der meist einwandfreien Haltung der Bundeszeitung „Der Stahlhelm" in schroffem Gegensatz steht. In diesem Zusammenhang sei folgender Vorfall mitgeteilt: in Nr. 42 des „Stahlhelm" befand sich unter der Ueberschrift „Kommunistische Skandalszenen" eine Notiz von der die folgenden Sätze merkenswert sind: „Steht da in der Mittagsstunde in einem kleinen Zigarrenladen ein junger Mann und hält eine politische Rede. Er erzählt vom Hindenburgsonntag. Er habe mit 200 Mann Rotfront und 100 Mann Reichsbanner, ohne Abzeichen, aber schwer bewaffnet mit Pistolen und Gummiknüppeln, und in Gruppen verteilt, in der Nähe des Bahnhofs Tiergarten Aufstellung genommen. Wenn durch das Absingen der Internationale eine Prügelei entstanden wäre, dann hätte er ohne weiteres geschossen. Zum Schluß sei er mit den Herren Wirth, Loebe und Montgelas in einem Auto hinter Hindenburg hergefahren, das ein schnell hergestelltes Plakat „Pressewagen" trug. Das Volk habe ihnen zugejubelt, in der Annahme, sie gehörten zum Gefolge. Da habe der Reichskanzler Wirth gesagt: „Da seht ihr, wie dumm diese Deutschen sind." Der junge Mann, der dies erzählte, und der noch von der Neujahrsfeier sein Gebetbuch unterm Arm hatte, heißt Arno Levinthal und trägt auf seiner Visitenkarte stolz den Untertitel „Geschäftsstelle Deutsche Republik", Herausgeber Reichskanzler a.D. Dr. Wirth." In einer in Nr. 43 des „Stahlhelm" veröffentlichten Zuschrift erklärte Herr Arno Levinthal, mit dem wir uns sogleich in Verbindung gesetzt hatten, die ihm unterschobenen Aeußerungen für frei erfunden. Er habe kein Wort über die Bewaffnung des Reichsbanners gesagt, ferner kein Wort davon, daß er mit Loebe, Wirth und Montgelas in einem Auto hinter Hindenburg hergefahren sei. Wirth sei an diesem Tage überhaupt nicht in Berlin gewesen. — Reichstagspräsident Löbe und Graf Montgelas sandten gleichfalls Berichtigungen an den „Stahlhelm" und stellten energisch fest, daß sie mit diesem Vorfall nichts zu tun hätten. Trotz der üblichen Kommentare, mit denen der „Stahlhelm" die verschiedenen Veröffentlichungen versieht, bleibt die Tatsache einer ungenauen Berichterstattung bestehen. Artamanenbewegung. Die Entwicklung des unter der Bezeichnung „Artamanenbewegung" bekannten freiwilligen Arbeitsdienstes jugendlicher Städter auf dem Lande wird von uns ständig mit Aufmerksamkeit verfolgt, da sie sich fast völlig in Händen der Nationalsozialisten befindet. Sie ist, wie wir von best unterrichteter Seite erfahren, fast bedeutungslos, da sie insgesamt nur etwa 1700 Angehörige zählt. Die Zahl ist dauernd in der Abnahme begriffen. Die Zerfallserscheinungen scheinen besonders aus dem Unterschied zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern herzurühren, der sich auf dem Lande kraß auswirkt. Die jungen Leute, die häufig besseren Ständen entstammen, erhalten sehr geringe Löhne und fühlen sich dadurch ausgenutzt. m