Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- 6 (17.11.1927)
- Date
- 1927-11-17
- Page
- Seite 94 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Da wir auf diesen plumpen Schwindel selbstverständlich nicht eingingen, erhielten wir noch drei weitere Briefe der gleichen Tendenz, aus denen immer deutlicher hervorging, daß es sich um einen Erpressertrick handelte. Um jedoch von unserer Seite nichts unversäumt zu lassen, hat eines unserer Hauptvorstandsmitglieder Gelegenheit genommen, mit der dem Pfarrer vorgesetzten Behörde zu sprechen. Bei einer Unterredung, die dann in Gegenwart des Pfarrers stattfand, erwiesen sich seine Angaben zum größten Teil als unwahr oder schrumpften auf ganz unwesentliche Dinge zusammen. Der Pastor erhielt von seiner Behörde einen ernstlichen Verweis. Mädchenhandel. Im Berliner „8 Uhr Abendblatt" erschienen unter dem Titel: „Die Geheimnisse des Mädchenhandels" eine Reihe von Aufsätzen von dem französischen Journalisten Albert Londres. In einem dieser Berichte beschäftigte sich der Verfasser auch mit dem sogen. „Jüdischen Mädchenhandel" und stellte zum Teil völlig aus der Luft gegriffene Behauptungen auf. Eine darauf bezügliche Vorstellung beim „8 Uhr Abendblatt" hatte den Erfolg, daß die Zusage erteilt wurde, es würden künftighin solche Unachtsamkeiten unter allen Umständen vermieden werden. Gegen Friedhofsschändungen. Aus Anlaß der Friedhofsschändung in Frankfurt a. M. brachte die sehr weit rechtsstehende „Frankfurter Post" einen Aufsatz, dem wir die folgenden Stellen entnehmen: „. . . . Es ist selbstverständlich, daß wir diese Schandtat ebenso verurteilen, wie jeder anständig denkende Mensch, einerlei, in welchem Lager die Täter gefunden werden. Hier handelt es sich nicht um Glaubens- oder Parteisachen, sondern lediglich darum, daß ein Friedhof geschändet worden ist und daß diese Schandtat gebührend gesühnt wird. Um weiter nichts. Aus dieser ganz selbstverständlichen Erwägung hat auch unsere Zeitung das oben bezeichnete Inserat veröffentlicht. Die rechtsstehende Bevölkerung hat genau dasselbe Interesse an der Entdeckung der Täter wie der Zentralverband der Staatsbürger jüdischen Glaubens. Ja wenn — worauf äußerlich betrachtet, die Hakenkreuze und Inschriften auf den geschändeten Gräbern hinzudeuten scheinen — die Täter wirklich im Lager der Rechten sitzen sollten, so hätte die nationale Bevölkerung Frankfurts erst recht ein Interesse daran, daß die polizeilichen Ermittlungen bald zum Ziele führen und die Täter der verdienten Strafe überantwortet werden. Denn mit solchen Elementen hat kein anständiger Bürger irgendeine Gemeinschaft, und wenn unter der Marke schwarz-weiß-rot eine Gemeinheit begangen wird, so ist sie in gleicher Weise und von unserem Standpunkt noch weit mehr zu verurteilen, als wenn sie im Zeichen schwarz-rot-gold oder unter einer anderen Maske verübt wird. Darüber sollte es unter vernünftigen Menschen gar keine Meinungsverschiedenheiten geben. Es hat aber doch den Anschein, als ob es Leute gäbe, denen solche Gedankengänge nicht einleuchten wollen. Das beweist das Schreiben eines sich nationaldenkend nennenden Frankfurter Bürgers an die Geschäftsstelle dieser Zeitung. Er schreibt, er sei empört, in einer rechtsgerichteten Zeitung ein Inserat zu finden, wie den oben erwähnten Aufruf; er habe bisher geglaubt, es mit einer anständigen nationalen Zeitung zu tun zu haben, sei aber durch dieses Inserat eines Besseren belehrt worden und bestellt daher die Zeitung ab. Aus Höflichkeit sei der Name des Briefschreibers verschwiegen. Er und Leute seines Schlages aber mögen sich einmal ein offenes Wort gesagt sein lassen: National sein heißt nicht, sich selbst für etwas Besseres und alle Andersdenkenden für minderwertig halten, heißt nicht, bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit mit seiner natio* nalen Gesinnung strunzen und dicke Töne reden; heißt nicht, sich vor der Tatsache verstecken, daß in allen Lagern, auch im schwarz-weiß-roten, anständige Leute und Lumpen anzutreffen sind. Am allerwenigsten aber heißt national sein: eine Gemeinheit in Schutz nehmen, sie womöglich gutheißen, weil sie an einem Andersdenkenden begangen worden ist. Der Briefschreiber ist leider nicht der Erste und Einzige, der uns Steine in den Garten wirft, weil die Zeitung einen Unterschied zu machen weiß zwischen politisch-weltanschaulichen Begebenheiten und den Forderungen von Anstand und Sitte. Es soll auch nicht verschwiegen werden, daß manche Leser unserer Zeitung den Rücken gekehrt haben, weil sie in ihr nicht das gefunden haben, was ihrer eigenen Geistesverfassung entsprochen hätte. Man schämt sich, wenn man die Zuschriften liest, die mit großer Regelmäßigkeit einlaufen und der Redaktion beibringen wollen, in welchen Formen sie den Kampf der Meinungen zu führen habe. Betrachtet man sich diese Leute einmal aus der Nähe, so sind es immer wieder dieselben, die bei patriotischen Anlässen den Zylinder aufsetzen, kräftig Hurrah schreien und mit lauter Aeußerlichkeiten der nationalen Sache gedient zu haben glauben. Maulhelden, die jederzeit bereit sind, dem und jenem zu bescheinigen, daß er sich nicht national und nicht „stramm" genug gebärdet, die aber selber in dem Augenblick versagen, wo eine beherzte Tat, ein tapferes Bekenntnis oder ein — Opfer von ihnen verlangt wird. Maulhelden, die mit ihrem unüberlegten Dreinschwätzen in den eigenen Reihen nur Verwirrung anrichten und nach außen hin die Sache der sie zu dienen glauben, in Verruf bringen. Leute, die sich wie Bleiklötze an die wenigen hängen, die wirklich produktive Arbeit leisten, geräuschlos und ohne große Gesten; es sind ja überall und immer nur wenige Schultern, auf denen die Last der Arbeit und Verantwortung ruht. So macht doch wenigstens den Leuten, die für Euch arbeiten, wo ihr feiert, die für Euch die Verantwortung tragen, wo Ihr nur gedankenlos dahinredet, das Leben nicht sauer! Und bedenkt einmal: daß ein Narr in einer Stunde mehr einreißen kann, als hundert vernünftige Menschen während eines ganzen Jahres mit Mühe und Fleiß aufgebaut haben." Was sind Jagdkorps? Unter diesem Titel brachte Nummer 26 der „Deutschen Jägerzeitung" vom Juni 1927 einen Aufsatz, dem wir folgende Stellen entnehmen: „ ... An die Seite der alten, schon vorhandenen Jagdvereine, unter denen der wichtigste unbestreitbar der schon über 50 Jahre bestehende Allgemeine Deutsche Jagdschutz-Verein (A. D. J. V.) ist, traten teils neue Jagdorganisationen von Reichs- oder Ländercharakter, wie die Jagdkammern, teils Vereine von mehr oder weniger örtlichem Charakter, wie die zahlreichen einzelnen kleineren Jagdvereine, deren außerordentlich wichtige Bedeutung in bezug auf hegerische Kleinarbeit innerhalb der Mitgliederkreise ohne allen Zweifel anerkannt werden muß. So entstanden nach 1918 allenthalben als neue Korporationen die Wehrschaften als Pflegestätten des uns wirklich so bitter notwendigen Geistes der Wehrhaftigkeit, der durch „Friedens"-Vertrag, innere 94