Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- 6 (17.11.1927)
- Date
- 1927-11-17
- Page
- Seite 93 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Weise zur Zerrüttung und Schädigung der unserem Volke heute mehr als i> obliegenden gemeinsamen Aufbauarbeit beiträgt. II. Wie die deutschen Großmeister, erheben die 'in dem wissenschaftlichen Verein deutscher Freimaurer gegen Inhalt und Zweck der von Erich, Ludendorff herausgegebenen Schmähschrift „Vernichtung der Freimaurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse" schärfsten Einspruch! Unsere wissenschaftlichen Schriften und das Verhalten der deutschen Freimaurer vor, im und nach dem Kriege beweisen unsere treue deutsche Gesinnung, welche dem Aufbau des Vaterlandes in fruchtbarster Weise dient." * Die Zeitschrift des D. H. V. „Die Deutsche Handelswacht" brachte in ihrer Nummer vom 21. September eine zustimmende Besprechung von Ludendorffs Buch „Vernichtung der Freimaurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse". Wegen der Empfehlung dieses Buches erhielt der Schriftleiter zahlreiche Zuschriften von Mitgliedern, die Freimaurer sind und gegen Ludendorffs Behauptung von den „künstlichen Juden" und der Abhängigkeit der deutschen Orden von einer jüdischen Weltzentrale Stellung nehmen. Der Schriftleiter der „Deutschen Handelswacht" erklärt daraufhin in Nr. 20 unter der Rubrik „Briefkasten", daß er nach Durchsicht dieser Zuschriften und nach dem Studium der eingesandten Schriften sagen müsse, daß die Schlüsse, die Ludend o r f f aus manchen mehr oder minder richtigen Voraussetzungen zieht, vielfach zu weit oder daneben gehen. Von einer absichtlichen systematischen Erziehung zu „künstlichen Juden" könne jedenfalls nicht die Rede sein. Ebenso stehe die Behauptung von einer Abhängigkeit der deutschen Orden von einer jüdischen Weltzentrale a u f schwachen Füßen. Keine Enzyklika gegen den Antisemitismus. Vor einiger Zeit ging durch die österreichische Presse die Mitteilung, daß der Vatikan beabsichtige, eine Enzyklika gegen den Antisemitismus zu erlassen. Kurze Zeit darauf wurde jedoch dieses Gerücht dementiert. Das veranlaßte die „Wiener Morgenzeitung" in ihrer Nr. 3042 vom 19. August in einem Aufsatz: „Keine Enzyklika gegen den Antisemitismus" heftige Angriffe gegen den päpstlichen Stuhl und den Katholizismus zu richten. In diesem Artikel heißt es unter anderem: „......Das Unglück, das über die Objekte dieser Bewegung gebracht wurde, kann niemand in Worte fassen und kein Buch reicht aus, um die Schicksale darzustellen, für die diese Geistesrichtung im schlimmsten Sinne bestimmend geworden ist. Von den mittelalterlichen Autodafes bis zu den blutigsten Pogromen, von den Ghettostürmen bis zu den Ueberfällen auf jüdische Friedhöfe zieht sich eine einzige Linie der schwersten Schuld. Sie ist soweit gediehen, daß der Vatikan heute eine Gegenmaßnahme, selbst wenn er guten Willens wäre, nicht versuchen kann." Wie uns die Union deutsch-österreichischer Juden auf Anfrage mitteilt, hat diese Aeußerung, die aus taktischen Gründen außerordentlich bedauerlich ist, in Oesterreich kaum irgendwelche Beachtung erfahren, In diesem Zusammenhange sei auf folgendes hingewiesen: Von wohl informierter Seite wurden wir darauf aufmerksam gemacht, daß der Vatikan als eine vorwiegend theokratische Gesellschaft es nicht für nötig hält, in der Oeffentlichkeit über seine Schritte irgend jemandem Rechenschaft abzulegen. In dem Umstand, daß durch efne Indiskretion die oben erwähnte Aktion vorzeitig bekannt wurde, muß also mit ein Grund für ihr Scheitern gesehen werden. Katholisches Kreuzbündnis (Temperenzler). Unser Landesverband Oberschlesien macht uns davon Mitteilung, daß an einer Tagung des Katholischen Kreuzbündnisses (Temperenzler), die am 9. Oktober in Beuthen stattgefunden hat, auf persönliche Einladung hin der Gemeinderabbiner Professor Golinski teilgenommen habe. Im Gegensatz zu den Zeiten vor dem Kriege, in denen gerade solche Versammlungen dazu benutzt worden sind, gegen das sogenannte „jüdische Schnapskapital" und die zahlreichen jüdischen Schankwirte in Oberschlesien zu hetzen, sei der Geist der Tagung dieses Mal völlig einwandfrei gewesen. Der Vorsitzende des Vereins hob in seiner Festrede die Verdienste hervor, die sich der verstorbene Oberrabbiner Kopfstein um die Bekämpfung des Alkoholismus erworben habe und erwähnte u. a., daß er in seinem Leben überhaupt erst vier betrunkene Juden gesehen habe. Wir machen unsere Mitglieder und Freunde auf die Versammlungen dieses Verbandes aufmerksam und bitten sie, gegebenenenfalls zu erreichen, daß nach dem Beuthener Vorbild gleichfalls Vertreter jüdischer Organisationen zu den Tagungen hinzugezogen werden. Deutschgläubige Gemeinschaft. Uns liegt das Flugblatt des Reichsamtes der deutschgläubigen Gemeinschaft, Braunschweig, Rudolfstraße 13, vor, daß zu einer Vertiefung der völkischen Bewegung nach der Richtung eines „deutschen Glaubens- und Gottestums" auffordert. Wie wir von evangelisch-theologischer Seite erfahren, kommt dieser Gemeinschaft keinerlei Bedeutung zu. Sollte sie in anderen Städten in Erscheinung treten, so bitten wir um Bericht. Erpressungsversuch. Vor einiger Zeit erhielten wir von einem Pfarrer aus Bayern ein Schreiben, in dem er uns mitteilte, daß er im Dienste der Volksmission Hunderte von Bekenntnissen deutscher Mädchen und Frauen habe entgegennehmen müssen, die den Sadismus einer großen Zahl jüdischer Männer kennzeichneten. Er habe diese Berichte gesammelt und ein Münchener Verlag habe ihm Mk. 100 000 für die Veröffentlichung angeboten. Er sei nun in Gewissenskonflikt darüber geraten, ob er sein Amtsgeheimnis in diesem Falle brechen dürfe, um die skandalösen Zustände der Oeffentlichkeit zu unterbreiten. Da er jedoch unsere Bewegung, die er aus der Monatsausgabe kenne, aufrichtig bewundere, bitte er um unseren Rai, wie er aus diesem seelischen Konflikt herauskommen könne. Zum Schluß bat er um Antwort innerhalb 4 Tagen. 93