Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- 6 (17.11.1927)
- Date
- 1927-11-17
- Page
- Seite 92 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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VIII, IX, X. Wenn wir Belloc die Gerechtigkeit widerfahren lassen, die er anderen verweigert, so müssen wir festhalten, daß die These, die uns unglaublich scheint, für ihn tiefste Wahrheit darstellt. Belloc ist nicht nur ein römischer Katholik, sondern er ist jesuitisch erzogen und steht mit der unversöhnlichsten ultramontanen Partei in Verbindung. Belloc haßt und verachtet mit einer kaum vorstellbaren Kraft alle Arten des Christentums außer seiner eigenen; die jüdische Religion haßt er noch viel stärker. Die Existenz dieser Religion und des jüdischen Kults als eines Glaubensbekenntnisses, ist in seinen Augen nicht nur ein historischer Anachronismus, sondern eine Herausforderung Gottes. Für ihn ist Katholizismus und Zivilisation synonym. (Es folgt eine ausführliche Erörterung der Frage des katholischen Internationalismus, die wir hier nicht wiedergeben, da sie vorwiegend auf englische Verhältnisse zugeschnitten ist.) XI. Die jüdische Antwort an Belloc. Sicher entspricht es den Tatsachen, daß in Großbritannien und Amerika einige Monopole in jüdischen Händen sind. Nur ein Fanatiker aber kann glauben, daß ein Monopol in jüdischen Händen schlimmer ist, als ein Monopol in den Händen eines Stinnes, Carnegie, Ford oder irgend eines anderen. Die Orthodoxen (Zionisten?) haben oft verlangt, daß die Juden, die eine eigene Nation seien, als solche das Recht haben müßten, in einem gesonderten und unabhängigen Staat untergebracht zu werden. Die wichtigsten Anklagen, die Belloc erhebt, wurden ihm von zionistischen Rednern in die Hand gespielt. Bellocs Kapitel über den Zionismus zeigt, wie dieses Zugeständnis durch einen geschickten Wortführer verwertet werden konnte. Sicher ist, daß Belloc beabsichtigt hat, die Juden Europas mit dem, was er über „Gast" und „Gastgeber" sagt, tötlich zu beleidigen. Man versetze sich nur in die Lage von Angehörigen der jüdischen Rasse, die in Frankreich oder England geboren sind und deren Angehörige seit Generationen dort leben, die vielleicht keine anden. Sprache, als diejenige des Landes, in dem sie geboren sind, sprechen und die nicht mehr Kenntnisse der hebräischen Sprache oder der jüdischen Literatur als ihre christlichen Mitbürger besitzen, die ihrem Lande seit ihrer Geburt treu ergeben sind, die dafür leben und sterben. Sie werden sagen: Wir mögen Juden sein, dem Blute und der Religion nach, wie Sie Herr Belloc dem Blute nach Franzose und der Religion nach Katholik sind, aber nach Nationalität und Patriotismus sind wir mehr Engländer oder Franzose als sie. Oder mit anderen Worten: Wenn Jude sein dasselbe bedeutet wie Bürger einer Nation sein, dann müssen dem Juden auch die gleichen Rechte eingeräumt werden, die jeder andere Mensch genießt und er muß bestimmen können, ob er Angehöriger einer Nation sein will oder nicht. Jeder andere Mann, außer dem Juden, kann selbst entscheiden, welcher Nation er angehören will. Dies ist ein wesentlicher Punkt, den Belloc nie direkt erwähnt. Der Antisemitismus aber nimmt als unumstößlich an, daß die Juden Angehörige einer jüdischen Nation sind und unter keinen Umständen aufhören können, es zu sein. Belloc hat sich als eifrigster Förderer des Unheils gezeigt, das er, wie er vorgibt, zu verhindern suchte. Aus der Arbeit. Einzelfälle und Ergebnisse eingeholter Erkundigungen. Politisches. Ludendorff: Vernichtung der Freimaurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse. Das neu erschienene Buch von L u d e n d o r f f: „Vernichtung der Freimaurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse" beschäftigte die 58. Hauptversammlung des „Vereins deutscher Freimaurer", die am 25. September 1927 in Dresden tagte. Sie hat einstimmig folgende Entschließung angenommen, die wir wörtlich hier wiedergeben mit dem Hinweis darauf, daß weiteste Verbreitung durch die Presse erwünscht ist: I. „In seiner kürzlich von ihm an weite Kreise versandten Schmähschrift „Vernichtung der Freimaurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse" bezichtigt Erich Ludendorff die deutschen Freimaurer einer sittlichen und geistigen Minderwertigkeit, die dahin führe, daß sie bei ihren Bestrebungen — wie Von jeher, so auch heute — unser Volkstum verrieten und dessen Unterwerfung unter eine Fremdherrschaft und unter deren das Deutschtum verderbende Pläne förderten. Die Großmeister der neun deutschen Großlogen als berufene amtliche Vertreter der deutschen Freimaurerei haben gegen diese Schmähschrift würdig und kraftvoll Einspruch erhoben. Diesem Einspruch schließt sich der Verein deutscher Freimaurer als die einzige freie wissenschaftliche Vereinigung deutscher Freimaurer vollkommen an. Im Namen seiner 23000 Mitglieder weist dessen^ gegenwärtig tagende 58. Hauptversammlung diese Bezichtigung als eine ungeheuerliche Verleumdung zurück. Das wissenschaftlich ernste, jedermann zugängliche Schrifttum auch der letzten Jahrzehnte, das sich mit der deutschen Freimaurerei beschäftigt und das opferfreudige Verhalten und die Taten der einzelnen deutschen Freimaurer und deren Logen und Großlogen vor, im und nach dem Kriege er- 'weisen klar und deutlich die Unwahrheit der von Ludendorff verbreiteten Phantasien. Jede ernste und unbefangene Unterrichtung läßt unzweideutig erkennen, daß bei den vielen Tausenden deutscher Männer, die sich in der Vergangenheit zur Freimaurersache bekannten oder dieser heute zugetan sind, von der ihnen in der Schmähschrift nachgesagten sittlichen Entartung, geistigen Beschränktheit und jämmerlichen Charakterlosigkeit in nichts die Rede sein kann. Das Verfahren leichtfertiger Verhetzung, mit dem die Schrift die Ehre aller dieser Volksgenossen beschmutzt, wird vom Verein deutscher Freimaurer auf das tiefste beklagt, da es in unverantwortlicher 92