Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- 6 (17.11.1927)
- Date
- 1927-11-17
- Page
- Seite 90 (sequence 2)
- Language
- German
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legen tlichc Redensarten wirken. Belloc ist ein Mann von außerordentlicher Klugheit, der stets den Anschein eines nach beiden Seiten unparteiischen Freundes wahrt. So sagt er den Juden, daß sie in vielen Dingen über christlichen Geist und christliche Psychologie keinen Bescheid wüßten und infolge dieser Unkenntnis entgegen ihrer Absicht den Christen oft tief verletzen. Ebenso mangelhaft unterrichtet seien die Christen über die Eigenart der Juden. Was sagt nun Belloc über die Juden? Viele Eigenschaften der Juden, die als Fehler angesehen werden, sind keine Fehler. Oft sind sie Tugenden des jüdischen Patriotismus. Der Jude ist vollkommen gleichgültig gegen das Wohl der christlichen Gemeinschaft, da ihm nur das Wohl seiner eigenen Gemeinschaft, der jüdischen Nation am Herzen liegt. Er handelt gegen die nationalen und internationalen Interessen des Landes, in dem er geboren ist. Die Christen nennen das Verrat. Das ist es keineswegs, sagt Belloc, da der Jude nicht Bürger unseres Landes sein kann. Dies ist die Verteidigung und jedes Wort stellt eine schlimme und tief durchdachte Beleidigung der französischen, englischen oder amerikanischen Staatsbürger jüdischen Glaubens dar. Durch das ganze Buch klingt ein Unterton versteckter Drohung unter der Maske freundschaftlicher Warnung. Ganz beiläufig und mit der arglosen Miene eines Menschen, der selbstverständlich unleugbare Tatsachen feststellt, spricht er von dem „unaufhörlichen Konflikt des eigentlich jüdischen Geistes mit dem Geist der ihn umgebenden Gesellschaft". Dieser ist die Ursache eines „tief unterirdischen Gegensatzes", dessen Bedeutung wir nicht begreifen können, aber dessen Wirkungen nur zu deutlich sind. Belloc spricht weiter von den Versuchen, die im Versailler- und anderen Friedensverträgen gemacht wurden, um die Juden und andere preisgegebene Minderheiten in Osteuropa zu schützen. Er zieht folgende Schlüsse: 1. Die Friedensverträge, soweit sie auf die Juden Bezug haben, wurden durch „einige reiche Juden" diktiert. 2. Die Macht dieser Diktatoren wurde durch Bestechung gesichert. 3. Die so Bestochenen führten die Verhandlungen; es sind Präsident Wilson, Lloyd George, Clemenceau und ihre Kollegen bei den übrigen allierten Nationen. Die Bemerkungen über Monopole, wie diejenigen über friedenschließende Politiker und ihre Bestecher stellen ein Gemisch von Anspielungen und versteckten Drohungen dar. Für die behaupteten Tatsachen ist weder ein Beweis erbracht, noch ist eine Nennung der Namen der Beschuldigten erfolgt. Belloc weiß sehr wohl, daß der oberflächliche Leser die Spitze einer solchen Anspielung im Gedächtnis behalten wird. Belloc schlägt eine Lösung des jüdischen Problems vor, die kein ehrlicher Jude in einem freien Lande annehmen kann. Er sagt: Die Sache ist sehr einfach; du hast nur anzugeben, daß du dein ganzes Leben ein Heuchler und Lügner gewesen bist. Gib dies zu, dann wird alles rosig sein. Stellst du dies in Abrede, dann wirst du ermordet werden. Das wäre zwar sehr zu beklagen, aber es kann keine andere Abhilfe geben, wenn du darauf bestehst zu behaupten, daß du ein vertrauenswürdiger Mann und patriotischer Staatsbürger einer christlichen Nation bist. III. Welches ist nach Bellocs Ansicht das Problem und welches die Lösung? „Das Problem ist, daß die Juden eine Nation sind. Das Problem der ganz verschiedenen Kultur, Tradition, Rasse und Religion Europas macht diesen Erdteil zu einem ständigen Gegner Israels und das rapide Anwachsen dieses Gegensatzes gewinnt durch die Entdeckung einer unmittelbaren Lösungsmöglichkeit eine unmittelbare und durchaus praktische Bedeutung." Hier stellt Belloc eine Behauptung auf, die er beweisen müßte. Er vergißt manchmal, daß er die Juden eine „Nation" genannt hat. Infolge eines Gedächtnisfehlers spricht er von einer „Rasse". Wir alle wissen ganz genau, daß Angehörige verschiedener Rassen sehr wohl in einer Nation harmonisch vereinigt werden können. Verschiedenheit der Rasse schließt nicht die Gemeinsamkeit des Bürgertums und nationale Duldsamkeit aus. Wenn sie es tun würde, dann könnte Belloc kein guter Staatsbürger Großbritanniens sein; das britische Reich und die amerikanische Republik wären unmöglich. Belloc baut seine Beweisführung darauf auf, daß die Juden eine Nation sind, aber sein Bau hängt nicht von der Voraussetzung ab, daß es eine jüdische Nation gibt. Jude sein, heißt ein Staatsbürger der jüdischen Nation sein und aufhören Jude zu sein, ist einfach unmöglich. Folglich bilden die Juden überall in der Welt ein fremdes Element, nicht assimilierbar und daher immer mehr oder weniger in Reibung mit ihr. Dies ist das Problem. Die Lösung ist, daß die Juden sich überall als Fremdkörper betrachten und auch von anderen als solcher betrachtet werden sollen. Praktisch würde das bedeuten, daß die Juden einer besonderen Besteuerung unterworfen wären; sie würden kein Recht auf Vertretung im Parlament und anderen behördlichen Körperschaften haben und könnten dieses Recht auch nicht erwerben. Sie könnten nicht wählen. Diese Lebensbedingung würde, wenn sie den Juden zugebilligt würde, ein Privileg für sie bedeuten, das jederzeit widerrufen werden kann. Sie würden „G ä s t e", d. h. vollständig von der Höflichkeit ihrer „Gastgeber" abhängig sein, die das unbegrenzte Recht hätten, ihnen ihr Verhalten vorzuschreiben und sie auszuweisen. Und gegen all dies könnte niemals durch ein internationales Gesetz oder durch eine Völkerliga eingeschritten werden. So würde die Lage sein, wenn die von Belloc vorgeschlagene Lösung des Problems erfolgen würde. IV. Wenn es ein Volk gibt, das inmitten der Veränderungen und des ständigen Wechsels der Umgebung 2000 Jahre lang sein ursprüngliches Wesen unverletzt und im letzten Grade unverändert bewahrt hat, kann dies nur als ein bloßes Wunder betrachtet werden. Bestimmt gibt es kein Volk, daß durch ununterbrochenen Wechsel der Umgebung so viele Erfahrungen gesammelt hat und an dessen Anpassungskraft so große und mannig- 90