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Central-Vereins-Dienst · 1927-08-20 · 5 (20.8.1927) · p. Seite 84

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Journal
Central-Vereins-Dienst
Volume
4 (1927)
Issue
5 (20.8.1927)
Date
1927-08-20
Page
Seite 84 (sequence 20)
Language
German
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(wie die Bekämpfung schlechter Elemente unter den deutschen Juden; die Stellung zur Einwanderung von Ostjuden) liefern dem A. wirksamen Agitationsstoff. Auf die Notwendigkeit einer Lösung dieser Fragen hingewiesen zu haben, ist das relative Verdienst des an den Namen Stöcker anknüpfenden nationalpolitischen A. (Christlich sozial), der heute in deutschvölkischen Kreisen weiterlebt. Doch ist es verkehrt, solche Fragen zum Anlaß für grundsätzlichen A. zu nehmen. Ihre Lösung ist unter Verzicht auf A. rein sachlich zu erstreben, indem die Juden nach denselben ethischen Normen wie andere Volksgenossen beurteilt werden. — Religiös muß der Christ es ablehnen, Geist und Glaube zu Funktionen des Blutes herabwürdigen zu lassen. Er wird sich umgekehrt zur Herrschaft des Geistes bekennen, und deshalb für die Ideen der Toleranz, Gleichberechtigung und allgemeinen Menschenwürde zugunsten des jüdischen Mitbürgers eintreten, sich in praktischer Arbeitsgemeinschaft mit religiös-ethischen und philosophisch-idealistischen Kreisen des Judentums zu gemeinsamem Kampf gegen Irreligion und Unmoral verbunden wissen, vor allem aber durch aktive Mission des Christentums unter den Juden die geistige Auseinandersetzung an Stelle von unklaren Rassengegensätzen zu pflegen und so die religiöse Entscheidung allem Blutaberglauben zum Trotz als freie Tat des menschlichen Geistes bewerten (Judenmission)." Eine Entgegnung auf Blunck „Zur Rassenbildungs* frage". In Nummer 4—5 unseres C. V.-Dienstes veröffentlichten wir die Stellungnahme Dr. Hans Fr. Bluncks zu Walter Scheidts „Elbinsel Ftnkenwärder". Bei der Aktualität der in diesem Schreiben behandelten Rassenfrage dürften folgende Stellen aus einem Antwortschreiben Scheidts an Blunck im „Hamburgischen Korrespondent" vom 3. 7. 27 nicht ohne Interesse sein. ,. . . . Ihre Frage nach der Rasse der ostjüdischen Einwanderer verquickt m. E. volkstümliche und rassische Dinge, auch Herkunft und rassische Beschaffenheit. Die Forschungen von Luschan, Wageseil und anderen haben gezeigt, daß die in der ostjüdischen Bevölkerung vorwiegende Rasse die vorderasiatische Rasse ist. Die Osteinwanderung in und nach dem Kriege ist sicher ganz vorwiegend eine solche vorderasiatischer Elemente gewesen, aber m. E. weder die erste, noch die einzige. Ich habe, in mehreren Untersuchungen zu zeigen versucht, daß mutmaßlich vorderasiatische Elemente in Europa schon sehr früh vertreten waren, und glaube, daß sie sich auch in der nichtjüdischen Bevölkerung nichtjüdischer Abstammung finden . . . . . . Wenn man sich Rassenkunde immer noch nicht anders als in enger Verbindung mit der sogen. Judenfrage vorstellen kann, so ist das einer der verhängnisvollsten Irrtümer. Nicht weniger als mit der Judenfrage hängt die Rassenkunde mit der „Baltenfrage" oder der „Frankenfrage" oder der „Schwabentrage" oder der „Friesenfrage" zusammen. . ." Stimmen gegen den Judenhaß. Wir geben im Folgenden Auszüge aus einer deutschen, einer polnischen und einer schweizer Aeußerung zum Judenhaß, die als Vortragsmaterial Verwendung finden können. I. Das dritte Reich. Die rechtsstehende „Weserzeitung" in Bremen bringt unter dem Titel „Kritik des N a - 84 tionalsozialismus" eine ausgezeichnete Entgegnung auf einen das gleiche Thema behandelnden Aufsatz aus nationalsozialistischer Feder, der wir die folgenden Sätze entnehmen: Der Nationalsozialismus will ein neues, mit dem jetzigen nirgendwie identisches Reich — das sogenannte „dritte Reich" — errichten, wenn wir uns bereit erklären, ihm hundertprozentig anzuhängen. Solche Kunde ist nicht neu, sie erscholl immer und überall in die Ohren fast jeder Generation . . . Der Nationalsozialismus tritt mit dem Anspruch auf, Neues zu sein und zu bringen, also schöpferischen Charakters zu sein. In Wirklichkeit zeigt die Prüfung seiner Programmpunkte, daß er einen ausgesprochen unschöpferischen, epigonhaften Eklektizismus darstellt: alle, aber auch restlos alle Programmpunkte sind in ihrer Grundtendenz wie in den spärlichen Details alt und in irgendeiner Form schon dagewesen. Vom Antisemitismus über den Antikapitalismus bis zum Uebernationalismus eine mehr oder weniger geschickte, aber im Grunde unorganische Häufung bereits vorhandener Theorien . . . Was heißt z. B.: „Wir fordern die Freiheit aller religiösen Bekenntnisse im Staate, soweit sie nicht dessen Bestand gefährden oder gegen das Sittlich!- keits- und Moralgefühl der germanischen Rasse verstoßen?" Gibt es einen Standard in bezug auf das Sittlichkeits- oder Moralgefühl der germanischen oder sonst einer Rasse? Die Geschichte der Jahrtausende hat gelehrt, daß Sittlichkeitsgefühle sich ändern, weil sie sich mit dem Leben und den Verhältnissen ändern mußten, wollten die jeweiligen Träger sich dem Leben gegenüber behaupten. . . Der Deutsche des 20. Jahrhunderts empfindet vollständig anders, als der des Mittelalters. Der Nationalsozialismus will also tatsächlich nach irgendeinem willkürlichen Maßstab radikal in das Gefüge der Religionen eingreifen. . . Der nationalsozialistische Führer Jung verlangt, daß die katholische Kirche ihre Bindung mit dem Pabst zerschneide, sich mit der protestantischen vereine; er verlangt einschneidende Reformierung der protestantischen Kirche, notwendigenfalls ihre Zertrümmerung . . . Was soll die Forderung, daß jeder Deutsche in der Arbeit nicht nur ein Mittel zum Erwerb materieller Güter, sondern eine höhere Pflicht und seelische Erbauung zu sehen habe,. . . wenn im selben Atemzug wieder die weitere Großentwicklung der Industrie für natürlich und aus ökonomischen Gründen für zweckmäßig und unterstützungswert erklärt wird? Hier wird der „Sinn" der Thesen und Gegenthesen vollends zum Chaos. Was ist an der Forderung, daß „erste Pflicht des Staatsbürgers sein müsse, geistig oder körperlich zu schaffen" Neues?. . . Diese Forderungen (des sozialen Programms. Die Schriftig.) klingen uns sehr vertraut. Was hier gefordert und gesprochen wird, ist so viel auf einmal, daß man schon skeptisch wird, ehe man sich die Forderungen genau betrachtet. Eine Untersuchung ist auch nicht nötig, da sie eine Untersuchung der seit Jahren und Jahrzehnten im Mittelpunkt der Debatte stehenden sozialdemokratischen und kommunistischen Forderungen wäre; von der Vergesellschaftung bis zum Rätesystem . . . Die unvermeidbaren Folgen des Ausbleibens praktischer Erfolge auf sozialem Gebiet dürften anarchistiche Erschütterungen des politischen und wirtschaftlichen Lebens durch die dann gänzlich haltlos gewordenen und jeglicher Bindung ledigen enttäuschten Anhänger sein . . . Auch wenn nicht der größere Teil der vom Kommunismus zum Nationalismus, Hinüberwechselnden aus agentierenden Spitzeln besteht — eine Annahme, für die mancherlei spricht —, so wird dennoch die Gefahr der kommunistischen Infizierung des Kleinbürgertums durch den Nationalsozialismus immer bestehen, solange man dieser Be-

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