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Central-Vereins-Dienst · 1927-08-20 · 5 (20.8.1927) · p. Seite 83

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Vereins-Dienst
Volume
4 (1927)
Issue
5 (20.8.1927)
Date
1927-08-20
Page
Seite 83 (sequence 19)
Language
German
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Struwwelpeter*Hoffmann. Im „Struwwelpeter-Hoffmann, Lebenserinnerungen Dr. Heinrich Hoffmanns", (Verlag Englert und Schlosser, Frankfurt a. M.) ist an nur wenigen Stellen eine Erwähnung der Stellungnahme des Verfassers zu seinen jüdischen Mitbürgern zu finden. S. 85: Hier stehen die in der „Leuchte" zitierten Sätze über die Freimaurerloge und ihr Verhalten zu jüdischen Mitgliedern. H. trat aus der Loge aus, als sie sich gegen die Anerkennung jüdischer Maurer aussprach, weil er darin einen „Widerspruch gegen den Grundsatz, daß in Logen weder von Politik noch von religiösen und konfessionellen Dingen gesprochen und verhandelt werden durfte", erblickte. S. 127: H. berichtet, er habe als Mitglied des Frankfurter Stadtparlaments „für manche liberale Bestimmung redlich mitgeholfen, so für die Emanzipation der Juden____rt S. 138: H. setzte bei Gelegenheit des Neu b aus der städtischen Irrenanstalt in Frankfurt durch, daß nicht wie bisher nur den Bürgern, christlichen Bekenntnisses sondern auch den Landbewohnern und den Juden unentgeltliche Behandlung zugestanden wurde. „Wir aber hatten 8—10 000 Gulden von jüdischen Bürgern in unseren Listen, viele hatten nur unter der Voraussetzung des Zugeständnisses gleicher Berechtigung unterschrieben, andere ohne dieselbe. Natürlich wurden alle von Israeliten gezeichneten Beiträge nicht eingelöst und nicht eher eingezogen, bis diese Bedingung erfüllt war. Nach mannigfachen Bemühungen und Verhandlungen wurde auch dies durchgesetzt." Es finden sich dann noch ein paar Bemerkungen persönlicher Art: S. 121: „Nun geht es mir mit den Juden wie mit den Franzosen. So überaus angenehm mir einzelne sind, in beherrschender Menge mag ich sie beide nicht." S. 10!3: H. bemerkt, daß mit der Zeit im Lesezimmer des Bürgervereins die Juden die Mehrheit der Besucher bildeten. Die Christen säßen lieber in den Bierhäusern. „Es sind in der großen Mehrzahl gut erzogene und anständige Männer, aber auch hier gilt: allzu viel ist ungesund!"' Deshalb hat H. sich einen kleinen Kreis von Freunden geschaffen, „wo wir zu sechs unter nur Christen in einem Bierkaffeehaus ... zusammenkommen." Eine nähere Erörterung der Beweggründe, die H. veranlaßten, für die Emanzipation der Juden einzutreten, findet sich nirgends. Seine ganze Einstellung, wie sie aus den drei erstgenannten Bemerkungen hervorgeht, ist offenbar die des gemäßigten, Demokraten seiner Zeit, nämlich der 40er und 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Er zeigt sich als ein ehrlicher und durchaus gerecht empfindender Mensch. Sein Protest gilt der Verletzung des Logengrundsatzes, sein Eintreten für die Juden ist eine Konsequenz seiner natürlichen Auffassung von der Gleichberechtigung der Bürger, und in Bezug auf die Anstaltsangelegenheit entspringt seine Handlungsweise seinem Taktgefühl gegenüber jüdischen Geldgebern, Man darf dieses Verhalten weder zu hoch noch zu gering veranschlagen. Es entsprang einem im Wesen H/s wurzelnden Gerechtigkeitsgefühl verbunden mit innerer Freiheit und gesellschaftlichem Mut, drei Eigenschaften, die ihm zur Ehre gereichen. Es kamen ihm aber auch die Ideen und die politischq Luft seiner Zeit zu Hilfe, so daß er nicht die Gefahren i und die Einsamkeiten des Vorkämpfers zu bestehen hatte. Daß sich mit einer so reinen und schönen Theorie eine gewisse Abneigung gegen Juden im großen und ganzen vertrug, braucht uns nicht zu verwundern. Die Emanzipationstheorie verlangte Duldsamkeit — nichts weiter, nicht persönliche Annäherung, nicht eingehendes Kennen — und Verstehenlernen, nicht Mitfühlen und nicht Mitlieben. Die gesellschaftliche Praxis blieb daher meistens hinter der Theorie an Schönheit weit zurück. Rathenau zur Rassenfrage. Rathenaus Stellung zur Rassenfrage geht unter anderem aus den folgenden in seinem wenig bekannten Buche „Reflexionen" (S. Hirzel, Leipzig 1908) enthaltenen Ausführungen mit aller Deutlichkeit hervor. „Die Aufgabe kommender Zeiten wird es sein, die aussterbenden oder sich auszehrenden Adelsrassen, deren die Welt bedarf, von neuem zu erzeugen und zu züchten. Man wird den Weg beschreiten müssen, den ehedem die Natur selbst beschritten hat, den Weg der „Notifikation". Körperliche, strapaziöse Lebensweise, rauhes Klima, Kampf una Einsamkeit". „Eine neue Romantik wird kommen: die Romantik der Rasse. Sie wird das reine Nordlandsblut verherrlichen und neue Begriffe von Tugend und Laster schaffen. Den Zug des Materialismus wird diese Romantik eine Weile hemmen." „Eine Tragikomödie des Geistes ist die Unterwerfung Piatons unter Sokrates' Einfluß. Der ritterliche blonde Phantast lernt Moral und Zweck' von dem schwärzlichen Urbewohner, dem es gelungen ist, seine schlechten Instinkte durch unaussprechliche Energie und Intelligenz zu meistern. Siegfried vom fromm gewordenen Mime bekehrt." „Der freiwillige, instinktive Respekt beruht ganz auf Rasseempfindung. Einer edlen weißen Hand gehorchen sie lieber als klugen Argumenten." „Solange wird alle Rassenlehre von Verzweifelten bekämpft werden, die sich vernichtet wähnen: Bis die Erkenntnis sich erhebt, daß die freien Stämme nur dadurch adlig wurden, daß sie die Furcht und das Begehren abtaten. Das mag jeder Einzelne in sich vollbringen." „Antisemitismus" in „Die Religion in Geschichte und Gegenwart". In dem Werk „Die Religion in Geschichte und Gegenwart", Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, herausgegeben von Hermann Gunkel und Leopold Zscharnack, Verlag von I. C. B. Mohr. (Paul Siebeck, Tübingen), finden wir auf Seite 396 ff unter „Antisemitismus" u. a. folgende Sätze: „. . . . 4. Schließlich bedarf die Rasse und ihre Bedeutung einer sachlichen Erörterung, unabhängig von Recht oder Unrecht des Antisemitismus. Der heutigen Judenfrage gegenüber hat sich der Christ — abgesehen von allgemein menschlichen und nationalen Pflichten — vor allem aber unter zwei Gesichtspunkten zu entscheiden. Ethisch sieht er sich vor die Frage gestellt, ob die Judenmanzipation beibehalten, d. h. gänzlich durchgeführt werden, oder ob sie wieder rückgängig gemacht werden soll. Ver~ nunfts- und Gefühlsgründe sprechen dafür, der Stimme der Menschlichkeit Folge zu leisten und sich durchaus für die volle Emanzipation, also gegen den A. zu entscheiden. Konkrete nationale Fragen 83

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