Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- 5 (20.8.1927)
- Date
- 1927-08-20
- Page
- Seite 82 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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alle einig, daß wir von einer wirklichen C. V.-* Jugend erst dann sprechen können, wenn die Eltern, hauptsächlich die Mütter den Keim zu dieser Entwicklung schon früh in die Kinderseele legen. jlch habe Ihnen von unserer Frauenarbeit erzählt in der Hoffnung, daß Sie die Anregung mitnehmen und in Ihren Ortsgruppen verwirklichen. Es würde uns eine Freude sein, zu wissen, daß sich hier in Danzig oder in der Provinz Frauen finden, die unserem Beispiele folgen. Wir wissen, daß die Hauptarbeit im C. V. immer nur von Männern geleistet werden kann, wir glauben aber, daß wir durch unsere Kleinarbeit die schweren Aufgaben fördern und wir hoffen — sollte der C. V. einmal fragen: C. V.-Mitglieder, wie gefallt Ihr mir? — nicht gar zu schlecht abzuschneiden. Den künftigen Frauengruppen, zu deren Entstehen vielleicht der heutige Tag den Anlaß gibt, möchte ich heut schon als Motto zurufen: „Immer strebe zum Ganzen! Und kannst Du selber kein Ganzes werden, als dienendes Glied schließ an ein Ganzes Dich an". Material aus Büchern, Broschüren und Zeitungen. Deutsche Rassenangst von Dr. Michael Müller-Claudius. Auf die bei C. A. Schwetschke & Sohn in Berlin erschienene Schrift „Deutsche Rassenangst", die mit unserer Beihilfe herausgegeben worden ist, weisen wir alle Freunde nachdrücklichst hin. Sie soll eine Biologie des Antisemitismus geben, wie der Verfasser auf dem Titelblattt ausdrücklich vermerkt. Er will dabei der Rassensymbolik auf den Grund gehen, das damit zusammenhängende Problem des Antisemitismus ergründen, das er nicht als ein jüdisches sondern als ein eminent deutschesProblem ansieht,wie überhaupt seine Schrift getragen ist von dem Gedanken, „sein deutsches Stammesvolk" vor den Gefahren der Rassenangst zu warnen. Das 1. Kapitel, das der methodologischen Grundlegung gewidmet ist, zeichnet treffend den Sinn der Symbolzeugung. Kurz zusammengefaßt soll damit gesagt werden, '''aß die Menschen sich Symbole des Guten und Bösen schaffen. Das Symbol als Vorstellungsmacht steht im Gegensatz zu den politischen Realitäten. Es entfaltet nirgends eine größere Schicksalsmacht als in der Zone der Rassensymbolik. Das 2. Kapitel stellt die Geburt des A n - tisemitis mus fest. Der Antisemitismus hatte nach den historischen Untersuchungen des Verfassers keinerlei rassische, sondern fast ausschließlich religiöse Motive. Der aufstrebende und kräftige Volksstamm der Franken kannte nicht jene Angst vor dem fremden Element mit seiner „zersetzenden" Kultur. Im Gegenteil, man rief den Juden ins Land, weil man ihn brauchte, von ihm lernen konnte und von ihm lernen wollte, um dann mit ihm zu wetteifern in dem Wettkampf des sozialen Lebens. Das waren gesunde Volksstämme nach des Verfassers Ansicht, die keine Rassenangst kannten. Das Rassebewußtsein der alten Franken war nicht exklusiv, es war im Gegenteil emporstürmend; es eingemeindete alles, was als motorische Kraft empfunden wird. Wie klein nehmen sich dagegen unsere modernen Rassetheoretiker aus, die Abkehr predigen von allem, was nicht nach ihrer engstirnigen Betrachtungsweise als zum „eigenen Rassekern" historisch zugehörig empfunden wird. Erst in der Zeit der Kreuzzüge, in der eine fanatisch religiöse Stimmung die Menschen beherrschte, kam es zu Verfolgungen der Juden. Sie wurden für die Mißerfolge verantwortlich gemacht, weil man in ihnen den Symboltyp des Ungläubigen, des Bösen sah. Der Jude selbst wurde daher als außerhalb der Gottesgemeinschaft stehend betrachtet und wirtschaftlich und rechtlich degradiert, so sehr vernünftige Persönlichkeiten aus Adel und Geistlichkeit sich auch dagegen stemmten. Die Rassenangst ist das besondere Merkmal unserer Tage geworden. Im Antisemitismus der heutigen Zeit, steckt, wie Müller-Claudius sagt, eine ohnmächtige Furcht vor den großen „Maskenspielern", die den Deutschen im Geheimen regieren sollen. Das sind die Juden. Eine derartige Einstellung gab es bei den „Alten", wie der Verfasser sagt, nicht, denn sie hatten offene und klare Augen, durch deren helles Feuer der Erkenntnis die Symbolschemen verbrannt wurden. Das 3. Kapitel ist überschrieben „Tragödie zwischen Kind und Rasse". Es dürfte durch die Veröffentlichung im „Morgen" unter dem Titel „Das jüdische Kind in der Schule" hinreichend bekannt sein. Wie treffend sind die psychologischen Erlebnismerkmale dargelegt, eine Studie, die zur Verbreitung in Lehrerkreisen besonders geeignet ist, ein Fingerzeig für den Pädagogen, mitzuhelfen daran, die Symbolvorstellungen innerhalb ihrer christlichen Schüler zu zerstören, damit diese von außen hineingetragenen Dinge nicht die Seele des Kindes in der Schule vergiften, und vor allem, damit sie nicht zum tragischen Kindheitserlebnis des jüdischen Schülers werden. Der Antisemitismus, eine deutsche Gefahr, ist das Motto des 4. und letzten Kapitels. Das Symbolbild des Juden ist eine feige Entlastung, die Flucht vor dem Sehenmüssen, vor dem Kampf „mit den stählernen Waffen der Objektivität". Ist das Rassestolz? fragt Müller-Claudius, wenn man annimmt, daß der eine Jude, der auf hundert Deutsche kommt, die heldischen Kräfte ersticken könnte, die dem deutschen Wesen immanent sind. „Wir sind in Gefahr, ein Volk von Neurotikern zu werden, die vom Phantom des seltsam ererbten Symboltypenbildes regiert, erschüttert, verdüstert, und entmutigt werden. Laßt Licht in die Köpfe! Nüchternes, weißes Tageslicht! Es zerstreut das Symbolgewirke vom Juden, der uns schlägt. Wer zum ersten Mal dieses Symboltypenbildes lacht, fühlt in sich erlöste Kraft springen." 82