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Central-Vereins-Dienst · 1927-08-20 · 5 (20.8.1927) · p. Seite 80

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Journal
Central-Vereins-Dienst
Volume
4 (1927)
Issue
5 (20.8.1927)
Date
1927-08-20
Page
Seite 80 (sequence 16)
Language
German
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Organisation. An die Herren Vorsitzenden und Beamten der Landesverbände. An die Herren Mitarbeiter im Lande, insbesondere die Herren Vorsitzenden der Landesverbände, muß ich die dringende Bitte richten, für die Oeffentlichkeit bestimmte politische Kundgebungen nur dann zu veranlassen, wenn sie sich mit unserer Zentrale vorher ins Benehmen gesetzt haben. Unter diese Kundgebungen sind auch Glückwunsch-, Beileidstelegramme und ähnliches zu rechnen, die einen allgemein politischen oder jüdisch-politischen Einschlag haben. Erst vor ganz kurzer Zeit hat ein Landesverband ohne unser Wissen eine im öffentlichen Leben stehende Persönlichkeit beglückwünscht, ohne sich vorher der Uebereinstimmung mit uns versichert zu haben. Nach längerer Prüfung konnten wir den Standpunkt des Landesverbandes billigen. Das Telegramm erschien in diesem Falle schließlich angebracht, obwohl immerhin erhebliche Gründe auch gegen die Absendung gesprochen haben und erörtert werden mußten. Diese Gründe waren dem Landesverbände offenbar unbekannt. Wenn auch dieser Fall zu irgend einer Beanstandung keinen Anlaß gegeben hat, so beweist er doch die Notwendigkeit, die erbetene Maßnahme unter allen Umständen zur Durchführung zu bringen. Der Vorsitzende des Centrai-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. V. Sammelsendungen. Unseren Mitarbeitern und Freunden, mit denen wir in regem Briefverkehr stehen, machen wir bekannt, daß wir wieder, wie das schon einmal während der Inflationszeit der Fall war, die sogen. „Sammelsendungen" eingeführt haben, urn dadurch Porto zu sparen. Bei diesen Sammelsendungen kann es sich natürlich nur um Briefe und Mitteilungen handeln, deren Inhalt nicht an einen bestimmten Tag bezw. an einen Termin gebunden ist. Unseren Landesverbandsstellen empfehlen wir dringend, im Verkehr mit ihren Ortsgruppen in gleicher Weise zu verfahren. Zweckmäßig würde es sein, wenn die durch Sammelsendung beförderten Schriftstücke den Vermerk „Sammelsendung" tragen. Inwiefern eine weitere Ersparnis durch Verwendung von Postkarten angestrebt werden kann, läßt sich nicht generell festlegen. Aber in allen solchen Fällen, bei denen es sich um weniger wichtige Anfragen, um Mitteilungen von Adressen und um Benachrichtigungen wegen mangelhafter Belieferung unserer Zeitung handelt, kann die Postkarte dem fast doppelt so teueren Brief vorgezogen werden. Die Aufgaben der jüdischen Frau im C. V. Anläßlich der Danziger Tagung des C. V. am 25. und 26. Mai hielt Frau Herta Klein-Königsb e r g folgenden Vortrag über obiges Thema: Es ist heut von dem gesprochen worden, was der Centrai-Verein an Arbeit geleistet hat und welche Aufgaben seiner noch harren. Wenn ich das Maß der geleisteten Arbeit überdenke und es in irgend eine Beziehung zu der Zahl der ewig unzufriedenen C. V.-Mitglieder bringen will, dann will mir die Rechnung in keiner Weise stimmen. Aber, da wir ja von der Centrale her an ordnungsgemäßes Rechnen gewöhnt sind, muß ich versuchen, zu einer Lösung zu kommen und ich denke an den Sinnspruch von Logau: „Leser, wie gefall' ich Dir, — Leser, wie gefällst Du mir?" — Wenn ich diesen Spruch variiere und sage: C. V.-Mitglied, wie gefall ich Dir, — C.V.¬ Mitglied wie gefällst Du mir? — dann glaube ich schon eher einen Ausgleich zwischen „Soll und Haben" zu finden. — Ich gebe zu, daß die Frage des gegenseitigen Gefallens etwas heikel ist und stelle daher die Frage etwas einfacher und weniger allgemein und sage: „W ie können die Frauen dem C. V. nützen?" Wenn ich an meine Schulzeit zurückdenke, muß ich gestehen, daß ich von jüdischen Dingen so gut wie nichts gelernt habe, man nahm damals die jüdischen Dinge recht lau. Der Religionsunterricht bot nicht viel, und vom Antisemitismus kannte man höchstens den Begriff, man lebte in jüdischer Gleichgültigkeit dahin. Sie alle wissen nur zu genau, wie jäh uns der Krieg aus unserm Dämmerschlaf aufgestört hat. Den Luxus der Gleichgültigkeit kann sich jetzt keiner mehr gestatten, und besonders wir Frauen müssen uns mit jüdischen Dingen befassen und versuchen, die Lücken auszufüllen, die die Mängel der Ausbildung gelassen haben. Wenn heute die Frau im politischen Leben in der ersten Reihe kämpfen will, so soll sie sich erst einmal überlegen, wieviel gesunde Politik sie im „ I n n e nministerium ihres eigenen Hauses" treiben kann. Wieviel Fäden spannen sich vom Haushalt, der uns oft so klein und unwesentlich erscheint, bis zum äußeren Leben, besonders zu den unteren Volksschichten. Da ist zuerst die Hausangestellte, das Mädchen für alles, das zum ersten Mal bei einem Juden in Stellung ist; sie wollte eigentlich nicht „beim Juden gehn", — sie hatte so komische Sachen über die Juden reden hören, aber nun ist sie furchtbar neugierig, wie das sein wird, sie paßt auf, sie schnüffelt und wittert und merkt am Ende: das sind ja genau solche Menschen wie die anderen, das Leben spielt sich bei ihnen in gleicher Weise ab wie bei nichtjüdischen Leuten. Daß die Freitagabendlichte auf dem Tische stehen, gefällt ihr gerade gut, und sie findet es ganz selbstverständlich, daß die Feiertage, von deren Glanz ja auch ein Strahl auf ihr bescheidenes Haupt fällt, festlich begangen werden. Da es in unseren jüdischen Häusern eine Selbstverständlichkeit ist, ein Mädchen gut zu behandeln, so fühlt sich das Mädchen wohl; ihren neugierigen Freundinnen berichtet sie bei nächster Gelegenheit, daß sie es sehr gut getroffen hat; ähnlich geht's mit der Waschfrau oder der Hausschneiderin oder Handwerkern, die in unserem Hause zu tun haben; all die Leute, die uns Juden kennen gelernt haben und gute Erfahrungen gemacht haben, werden sich nicht so schnell verhetzen lassen und Lügen, die SO

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