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Central-Vereins-Dienst · 1927-08-20 · 5 (20.8.1927) · p. Seite 75

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Journal
Central-Vereins-Dienst
Volume
4 (1927)
Issue
5 (20.8.1927)
Date
1927-08-20
Page
Seite 75 (sequence 11)
Language
German
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Wirtschaftspolitisches. J. G. Farben. Von verschiedenen Seiten gelangte an uns die Anfrage, ob seitens der „J. G. Farben-Industrie" irgendwelche judenfeindlichen Maßnahmen bekannt geworden sind. Wenn auch nach den von uns angestellten Ermittlungen von direkten judenfeindlichen Maßnahmen des genannten Konzerns nicht gesprochen werden kann, so besteht doch seit Jahren die Tatsache, daß jüdische Beamte dort nicht angestellt werden. Deutschnationaler Handlungsgehilfenverband. Die „Ostdeutsche Angestelltenwarte", das Organ des Gewerkschaftsbundes der Angestellten (G. D. A.) Nr. 6 vom Juni 1927 bringt eine Notiz über den Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband, der wir folgende charakteristische Stellen entnehmen: „Daß der D. H. V. für seine Einrichtungen und Veranstaltungen Propaganda macht, ist durchaus in der Ordnung. Die Art und Weise wie er das macht, verdient allerdings von Zeit zu Zeit näher beleuchtet zu werden. Man lasse nachstehende Gegenüberstellung auf sich einwirken: I. „Prospekt", der Deutschnationalen - Versicherungs - Aktiengesellschaft, Hamburg, Holstenwall 3—5. D i e s e r g e s u n d e nationale Egoismus wird jeden national denkenden und national fühlenden deutschen Mann, jede deutsche Frau dazu führen, ihre Lebens-, Feuer-, Einbruchsdiebstahl- und Krankenversicherung nur einem Unternehmen zu übertragen, das von deutschen, national gesinnten und national handelnden Männern verwaltet wird, daß seine Gelder nur der deutschen Wirtschaft, nur deutschen Unternehmungen, nur deutschen Volksgenossen zur Verfügung stellt und bewußt auf die Unterstützung und Benutzung fremdländischer Institute oder des jüdischen Großkapitals verzichtet. Ein solches Unternehmen ist die 1913 gegründete Deutschnationale Versicherungs-Aktiengesellschaft." Während hier fremdländischen Instituten „und jüdischem Großkapital" der Kampf angesagt wird, wird durch die im folgenden erwähnte Veranstaltung beides unterstützt. Die „Angestelltenwarte" fährt mit dem Abdruck des folgenden Schreibens fort: „II. D. H. V. Ortsgruppe Crimmitschau. Crimmitschau, den 19. März 1927. Sehr geehrter Herr! Die unterzeichnete Ortsgruppe veranstaltet am Donnerstag, den 24. März 1927, eine Ausstellung neuzeitlicher Büromaschinen... Wir gestatten uns, usw.... Mit vorzüglicher Hochachtung Deutschnationaler Handlungsgehilfen- Verband. Ortsgruppe Crimmitschau." Und nun kommt das Beachtenswerte: Von zwölf ausgestellten Büromaschinen sind nicht weniger als fünf amerikanischen Ursprungs, und zwar folgende: (folgt Aufzählung). Inwieweit bei den anderen ausgestellten Maschinen jüdisches Großkapital investiert ist, wollen wir lieber nicht untersuchen." Singer A. G. Wittenberge. Gewisse Vorgänge bei der Singer A.-G. in Wittenberge haben uns veranlaßt, durch einen unserer Freunde bei der dortigen Direktion vorstellig zu werden. Der leitende Direktor des Werkes hat unserem Vertrauensmann gegenüber erklärt, daß er die betreffenden Vorkommnisse genau nachprüfen und dafür sorgen werde, daß Entgleisungen unterer Organe nicht mehr vorkommen. Er erklärte, die Singer A.-G. wolle nicht nur ihre Freunde in der Stadt Wittenberge behalten, sondern es komme ihr noch weit mehr darauf an, den Ruf irgendwelcher Judenfeindschaft zu vermeiden, da das Unternehmen mit Juden geschäftlich überaus eng liiert sei. Selbstmordziffern in Preußen. In Deutschland kamen auf je 100 000 Einwohner Selbstmorde: 1888—1890 ..... 19,8 1891-1900 ..... 20,6 1901—1910.....21,4 1911—1913.....22,4 1914.......21,8 1915—1919.....16,9 1920—1924 ..... 21.7 Für 1925—1926 sind die Ergebnisse noch nicht abgeschlossen, sie dürften sich aber kaum von denen der Nachkriegsjahre unterscheiden. Im allgemeinen läßt sich feststellen, daß die Häufigkeit des Selbstmordes in den Großstädten stärker ist, als auf dem flachen Lande. Da die Juden meist in Großstädten wohnen, so kommen die Selbstmorde bei ihnen prozentual häufiger vor, als bei den Angehörigen anderer Konfessionen, wie folgende Zahlen beweisen, die für den Zeitraum von 1908—1924 für Preußen errechnet worden sind. Auf eine Million entfallen Selbstmorde bei Jahrfünft Protestanten Katholiken Juden 1908—1913 270 118 322 1914_1918 216 86 349 1919-1924 250 105 416 Das stetige Anwachsen der Zahl jüdischer Selbstmörder ist wahrscheinlich auf die wirtschaftliche Not der Inflationszeit zurückzuführen. Gegenüber diesen Ergebnissen sind unkontrollierbare Mitteilungen über die geringe Zahl jüdischer Selbstmörder in kleineren Bezirken gegenstandslos. Juden in der Reichswehr. Auf unsere Rückfrage über Juden in der Reichswehr haben wir von dem Landesverband Thüringen die Mitteilung erhalten, daß sich dort kein Jude in der Reichswehr befindet, dasselbe wurde uns von Nürnberg gemeldet. Nach Pressenotizen soll General Haack im Haushaltsausschuß des Reichstags über die Religionszugehörigkeit der Reichswehrsoldaten folgende Angaben gemacht haben: Evangelische 76 573, Katholiken 2759, Germanische Glaubensgemeinschaft 2, Juden 12, Dissidenten 5, Freidenker 1, ohne Bekenntnis 2, außerdem noch einige Mennoniten, Baptisten, Mormonen usw. 75

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