Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- 5 (20.8.1927)
- Date
- 1927-08-20
- Page
- Seite 74 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Münchener Zeitung. Die deutschnationale „Münchener Zeitung" brachte in ihrer Nummer 199—200 einen Artikel über den 10. Deutschen Studentenschaft in Würzburg, in dem es u. a. folgendermaßen heißt: „Nach ersterer Auffassung gehört der zur Deutschen Studentenschaft, dessen Herz für sein Vaterland und die Reinerhaltung seines Volkstums schlägt, nach der zweiten Auffassung erkauft sich jeder die Zugehörigkeit, wenn er nur deutsch spricht und den Nachweis seiner Abstammung führt, wenn er auch innerlich dem Deutschtum als Volkstum fremd gegenübersteht, wie die österreichischen sozialdemokratischen und jüdischen Studenten, die auf das Deutschlandlied mit Pfuirufen antworten." Unsere Münch ener Geschäftsstelle wandte sich darauf an die Redaktion mit dem Ausdruck des Bedauerns, daß derartige Sätze in dem Blatte Aufnahme finden konnten und fügte Ausführungen über die wahre Gesinnung der deutschjüdischen Sudentenschaft hinzu. In Nr. 202 der „Münchener Zeitung" wurde von dieser Zuschrift in einem Artikel „Deutschlandlied und Studentenschaft" Mitteilung gemacht. Es wurde darin u. a. erklärt, daß nur von österreichischen Studenten die Rede gewesen sei. Im Anschluß daran heißt es: „Wir glauben daher, daß das Befremden des „Centrai-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" über unsern Bericht nicht am Platze war, konstatieren aber gern, daß die in dem Centrai- Verein zusammengeschlossenen Juden nach dem uns zugegangenen Schreiben, sich innerlich dem Deutschtum durchaus nicht fremd fühlen, und daß ihr Herz für Deutschland schlägt genau so wie die Herzen derer, die nur die Reinheit der Abstammung als Kriterium der Volksgemeinschaft gelten lassen wollen. Wenn dann aber das Schreiben des Central- Vereins Zweifel ausdrückt, daß deutschjüdische Studenten auf das Absingen des Deutschlandliedes mit Pfuirufen reagiert haben sollen, so müssen wir erklären, daß dies in unserm Artikel garnicht behauptet worden ist und keineswegs eine Verall-? gemeinerung beabsichtigt war, die den Eindruck erwecken könnte, als ob die deutsch-jüdische Studentenschaft in ihrer Gesamtheit antideutsch eingestellt wäre." Hagener Paßfälschungen. Die völkischen Zeitungen berichteten vor kurzein unter großen Ueberschriften von einer Fälschungsa f faire im Hagener Einwohnermeldeamt, in die Ostjuden verwickelt seien. Wir haben sofort die nötigen Feststellungen getroffen und teilen zur Klärung der Angelegenheit folgendes mit: Die gefälschte Meldeamtsbescheinigung ist in der Tat zugunsten ostjüdischer Zuwanderer gegen Entgelt vorgenommen worden. In den Hauptverhandlungen, die bisher stattgefunden haben, sind die Beteiligten in der Regel zu 2 Monaten Gefängnis unter Anrechnung der Untersuchungshaft verurteilt worden. Wie wiri von gut informierter Seite erfahren, wird das Innenministerium höchstwahrscheinlich gegen die Verurteilten nicht mit Ausweisungen vorgehen. Entgegen den Pressemeldungen ist jedoch der Täter selbst, der die Fälschungen vorgenommen hat, nicht O s t j u d e , er ist in Halver (Kr. Altena) geboren und bekennt sich zur reformierten Konfession, EisenbahnsZentralbuchhandiung. Bei der Bahnhofsbuchhandlung Neckare 1 z lagen auffallend viel rechtsradikale Blätter aus. Auf Anfrage versicherte der Buchhändler, daß er die Zeitungen in dieser Zusammenstellung von der Eisenbahn - Zentralbuchhandlung (Inhaber Schmidt), Heidelberg geliefert bekomme. Er erklärte, daß außer vom ,,Fridericus" von keiner der beanstandeten Zeitungen auch nur ein; Exemplar verkauft würde. Unsere Ortsgruppe Mannheim setzte sich darauf mit einem befreundeten Abgeordneten in Verbindung, der den Inhalt der Beschwerde an die Reichsbahndirektion weiter leitete. Daraufhin erschien der Inhaber der Eisenbahn- Zentralbuchhandlung bei dem Abgeordneten, um ihm auf Veranlassung der Reichsbahndirektion die nötige Aufklärung zu erteilen. Bei dieser Unterredung entstand der Eindruck, daß es nicht in der Ab sieht der Buchhandlung gelegen habe, rechtsstehende Zeitungen zu bevorzugen. Der Inhaber gab jedoch zu, daß früher der eine oder andere Verkäufer im badischen Hinterland gelegentlich eigene Wege gegangen sei. Darauf sei dann jeweils Versetzung oder Entlassung des Betreffenden erfolgt. Die Reichsbahndirektion richtete selbst noch ein Schreiben an den betreffenden Abgeordneten, in dem es u. a. heißt: ,. . . . Wir haben aus Ihrem Schreiben immerhin gern Anlaß genommen, die Bahnhofsbuchhändler wiederholt an ihre vertragliche Verpflichtung zur Vermeidung jeder einseitigen politischen Einstellung zu erinnern. Die Bahnhofsbuchhändler sind gerne bereit, von sich aus schon jeder Beschwerde nachzugeben und berechtigten Wünschen nach Möglichkeit zu entsprechen." Städtisches Krankenhaus in Weimar. Im Stellennachweis der „Aerztlichen Mitteilungen" (Nr. 11 vom 19. März 1927) wurde für das Städtische Krankenhaus in Weimar ein evangelischer Assistenzarzt gesucht. Der Vorsitzende unserer Ortsgruppe trat darauf mit dem zuständigen Stadtrat in Verbindung und erhielt vom Wohlfahrtsamt des Stadtvorstandes der Landeshauptstadt, dem das Krankenhaus untersteht, am 7. Juni folgenden Bescheid: „Zukünftig werden konfessionell gefaßte Anzeigen des städt. Krankenhauses nicht mehr erscheinen." Allgemeine Ortskrankenkasse Hannover. Ein Mahnschreiben der Allgemeinen Ortskrankenkasse in Hannover an die dortige Talmud Thora Schule war mit einem Hakenkreuz verunziert. Eine Untersuchung unserer Geschäftsstelle Hannover bei der A. O. K. in Gegenwart des Vorsitzenden und des Direktors ergab nach Vernehmung der in Frage kommenden Beamten, daß das Hakenkreuz in der A. O. K. nicht angebracht worden sein konnte. Auch bei der Post konnte dies nicht geschehen sein. Da der Brief mit anderen Sachen am 22. herausgegangen ist, aber den Poststempel vom 25. trug, läßt sich die Sache nur so erklären, daß der Brief durch ein Versehen der Frankiermaschine ungestempelt in falsche Hände geraten ist und auf diese Weise mit einem Hakenkreuz versehen wurde. Es trifft demnach weder die A.O.K, noch die Post ein Verschulden. 74