Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- 5 (20.8.1927)
- Date
- 1927-08-20
- Page
- Seite 73 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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2um Gesandtenmord in Warschau. Vor einiger Zeit wurde in Warschau der russische Sowjet-Gesandte Woykow ermordet. Daran knüpfte ein völkisches Blatt nachstehende Briefkastennotiz: „Es stimmt: Der in Warschau erschossene Jude Woykow aus Moskau ist derselbe, der die Morde an der Zarenfamilie auf dem Gewissen hatte. Das „Todesurteil" trägt seine Unterschrift: Gottes Mühlen mahlen langsam . . . Heil." Wir bemerken dazu das folgende: Woykow stammt aus dem russischen Kleinadel und ist Angehöriger der russisch-orthodoxen Kirche; er ist zwar ein alter Revolutionär, steht aber zum Zarenmord in gar keiner Beziehung. Der angebliche Jude, der beim Zarenmord ein Rolle spielt, hie 5 Jurowski. Woykow ist in keinem der Berichte und Protokolle, die über den Zarenmord existieren, genannt. Das Gerücht hat seine Ursache darin, daß Woykows Frau eine russische Jüdin ist. Ihre Eltern wohnen noch jetzt in Warschau. Deutsche Bau* u. Siedlungsgenossenschaft Darmstadt. In den „Mitteilungen für den inneren Betrieb" vom 20. Januar 1926 hatten wir über die Bau - und Siedlungs-Genossenschaft u. a. das Folgende gesagt: Diese Bau- und Siedlungsgenossenschaft nimmt zwar Voranmeldungen zum Landerwerb an, fragt dabei aber nach der Konfession und schließt jüdische Bewerber aus. Dazu kommt noch, daß sie Agitationsredner in judenreinen Orten reden läßt und unter dem Schlagwort „Aufwertung, Wirtschaftskrisen" in bekannter Art gegen Juden hetzt. Heute bringen wir ergänzend noch diese Tatsachen zur Kenntnis: In der Nummer 21565 der „Göttinger Zeitung" vom 18. Mai befindet sich unter der Ueberschrift „Zinsloses Baugeld, ein denkbar ungerechtes System der Deutschen Bau- und Siedlungsgemeinschaft Darmstadt", ein Aufsatz, der sich außerordentlich genau mit der A r - beitsmethode der Siedlungsgenossenschaft beschäftigt uiivl in dem sich u. a. folgende Sätze finden: „Ein ebenso interessantes wie fehlgeschlagenes System, hat die ,Deutsche Bau- und Siedlungsgemeinschaft Darmstadt' mit ihrem ,zinslosen Baugeld' angewandt, das zu der denkbar ungerechtfertigsten Bereicherung einzelner Mitgliedergruppen führt. Vor einiger Zeit veröffentlichten wir eine Zuschrift ,Zinsloses Bargeld', die wir aus den Kreisen der Genossenschaft erhielten. Nunmehr mag eine Kritik des Systems folgen. (Folgt eingehende Kritik der Darlehensbedingungen, Zinssätze usw.). Hieraus ergibt sich, auf wieviel Darlehnsanwärter ein Haus entfällt. Ein Köder für Interessenten, denen diese Vorschriften unbequem sind, ist die Bestimmung des § 18 der Darlehnsbedingungen: Für außergewöhnliche Fälle können zu Bauzwecken aus den zu vergebenden Darlehnssummen ca. 5o/o abgezweigt werden. Diese Vorschrift eröffnet den Mit-" gliedern dieselben Aussichten wie eine Lotterie! Die Propaganda der Genossenschaft richtet sich gegen die Ausbeutung der Darlehnsnehmer durch das Kapital. Was setzt sie an die Stelle dieser „Ausbeutung"? . . . „Nehmen wir einmal an, die D. B. S. hätte eine geschlossene Mitgliederzahl von 5000, dann sind nach Ablauf von 23 Jahren rund 44 Prozent mit der Darlehnsgewährung zum Zug gekommen, während nun weitere 56 Prozent warten. Der letzte muß naturnotwendig erst nach 83y3 Jahren zum Zug kommen, denn das Kapital ist, wie wir ebenfalls festgestellt haben, bei zinsloser Zahlung erst nach dieser Zeit beisammen . . ." (Folgt ein Beispiel). „Hieraus ergibt sich, daß die D. B. S. ein Unternehmen ist, das, wie bei einer Lotterie, einer Gruppe unerhörte Gewinne auf Kosten anderer verschafft. In der Nummer 8 des Jahrganges 1927 der Zeitschrift „Ostpreußisches Heim" ist die Behauptung der Propagandaredner der D. B. S., daß die beigetretenen Mitglieder bereits nach Jahresfrist ihr volles Baugeld) erhalten, durch die interessante Berechnung widerlegt, daß die Genossenschaft zur Erfüllung dieses Versprechens Ende 1927 800 000 Mitglieder, Ende 1928 40000 000 haben müßte! Und 1929? Es wird nicht lange dauern, dann braucht die D. B. S. den ganzen Erdball, um Deutschland mit Wohnungen zu versorgen! Wir überlassen es unseren Lesern, sich ein Urteil über die D. B. S. zu bilden." Nationale Einheitsfront E. V. In den Mitteilungen des Syndikus Nr. 13 v. 1921, S. 183, hatten wir vor der „Nationalen Einheitsfront E.V." gewarnt. Nachdem wir eine ausführliche Korrespondenz mit der Vereinigung geführt haben und nachdem ihre Satzungen abgeändert worden sind, stellen wir fest, daß nichts mehr gegen sie einzuwenden ist. Die nachstehend angegebenen Ziele werden die Billigung der meisten unserer Mitglieder finden. Beobachtung ist trotzdem angebracht. Die Nationale Einheitsfront hat es sich laut § 1 zur Aufgabe gemacht, gegen die Vergewaltigung des Deutschen Reiches und für die Wiederherstellung seiner Ehre und Weltgeltung zu kämpfen. Demgemäß richtet sich ihr Kampf unter 'Ausschluß jeder Stellungnahme zu innerpolitischen Fragen in erster Linie gegen den Friedensvertrag von Versailles und alle sich aus ihm ergebenden Folgerungen auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet. Zur Erreichung dieser Ziele erstrebt die Nationale Einheitsfront über alle Parteischranken hinweg die Sammlung des Deutschtums in aller Welt und die Durchführung des Selbstbestimmungsrechts der Völker, die Rückgabe der entrissenen Gebiete und die Gewinnung von Lebensraum für das deutsche Volk. Sitz des Vereins ist Berlin (Schöneberg, Am Park 20). Der Mensch im Affenkäfig. In den „Völkischen Nachrichten für Sachsen" und auch in anderen Zeitschriften befindet sich ein Artikel unter der obigen Ueberschrift; in diesem wird dargelegt, daß ein Schaubudenbesitzer, der Jude Adolf F e n y e s einen Affenmenschen, den er den Eltern abgekauft hatte, auf Jahrmärkten in Schaubuden gezeigt habe. Wir haben feststellen lassen, daß Fenyes tatsächlich Jude ist und ein Panoptikum besitzt. Zur Vorführung des Affenmenschen ist es aber in Budapest überhaupt nicht gekommen, da sich die Zeitungen, darunter auch die jüdischen, sofort ins Mittel gelegt haben und die Behörde rechtzeitig ein Verbot erlassen hat. 73