Mannheim
Compact Memory

Central-Vereins-Dienst · 1927-08-20 · 5 (20.8.1927) · p. Seite 72

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Vereins-Dienst
Volume
4 (1927)
Issue
5 (20.8.1927)
Date
1927-08-20
Page
Seite 72 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9620164-9626613-9626501--099-9626509
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Wenn ein Volk den Willen und das Bestreben hat, von 10 bis 14 Stunden an einem Tag. jede Arbeit zu tun, zu der sich Gelegenheit bietet, wenn eine Frau einem Pferd oder einer Kuh helfen will, eine Last zu ziehen, und wenn ein Knabe einen Gartenpflug ziehen will, während sein Vater ihn lenkt, dann muß notwendigenderweise dabei auf dem Weg zu Einkünften und Ersparnissen etwas herauskommen. Letzten Endes müssen vom deutschen Volk selbst die Ersparnisse kommen, die den Hauptteil des für industrielle Unternehmungen notwendigen Kapitals schaffen werden." Wir fügen noch hinzu, daß der Präsident des Bond -Club Gramberry in einer Erklärung über die Rede Mac Garrahs damals das folgende ausführte: „Die Erörterungen Mac Garrahs standen nicht im Zusammenhang mit dem Dawes-Plan. Es waren bei der Rede über 350 Mitglieder des Klubs anwesend und jedes von ihnen hatte von Mac Garrahs freundlicher Gesinnung gegenüber Deutschland und seinem Optimismus in Bezug auf die Aussichten für die Zukunft einen tiefen Eindruck. Mac Garrah zollte in der Tat dem deutschen Volke einen wirklichen Tribut. Es ist sehr schade, daß eine so freundliche und aufbauende Bemerkung durch ihre Uebersetzung ins Deutsche so entstellt wurde, um die entgegengesetzte Meinung zu erwecken. Daran kann nur ein Mißverständnis bei der Uebersetzung Schuld tragen. Das deutsche Volk hat keinen besseren Freund in den Vereinigten Staaten als Mac Garrah." VI. Straßer sagte: „Keynes hat gesagt: Auf dem Umweg über den Dawes-Pakt wird es späterhin auch möglich sein, die Arbeitslosenunterstützung einzustellen. Dann wird der deutsche Arbeiter durch jahrelange Arbeitslosigkeit zermürbt sein." Unter den vielen Veröffentlichungen von Keynes über den Dawes-Plan findet unser Gewährsmann nur einen Artikel in Nr. 60 des „Berliner Lokalanzeigers" vom 5. Februar 1926, in dem er sich eingehend mit der Auswirkung des Dawesabkommens auf die deutsche Arbeiterschaft beschäftigt. Dort heißt es: „Die gefährliche Arbeitslosigkeit, die wir jetzt erleben, ist meiner Meinung nach die erste Episode der zweiten Phase, nämlich des Versuchs, Preise und Löhne durch ein System der Krediteinschränkung künstlich herabzudrücken. Ich kann mir vorstellen, daß diese Methode teilweise den Erfolg hat, die Löhne herabzudrücken, das Transfer-Komitee braucht aber nicht nur niedrige Löhne, sondern auch einen stark entwickelten Ausfuhrhandel und ich zweifle sehr, ob die Methode der Krediteinschränkung diesen doppelten Erfolg zeitigen kann. Vielleicht wird das Komitee mit der Zeit dazu gezwungen sein, den Lohnabbau durch direkte Maßnahmen anzugreifen." Wie aus dem letzten Satz deutlich hervorgeht, hat gerade Keynes selbst Bedenken geäußert, die deutsche Wirtschaft durch Herabsetzung der Löhne zu schädigen. Um so unwahrscheinlicher ist es, daß er in einer anderen Rede die oben zitierte Aeußerung getan haben soll. Deutsch^nordische Pressekonferenz Danzig. In Nr. 353 der „Königsberger Allgemeinen Zeitung" befand sich der Abdruck einer Notiz aus der „Danziger Allgemeinen Zeitung" mit der Ueberschrift: „Danzig. Taktlosigkeiten", die in zweifellos gehässig judenfeindlicher Weise einen Vorfall anläßlich der Deutsch-nordischen Pressekonferenz in Danzig behandelt. Es wurde berichtet, daß bei einem Essen, das die Danziger Werft anläßlich der Konferenz veranstaltete, der Saal mit bunten Wimpeln darunter auch schwarz-weiß-roten Fähnchen geschmückt war. Daraufhin hätte ein Herr Cohn, der offizielle Vertreter der Pressestelle der Reichsregierung, sowie ein Herr L e v y aus Leipzig unter „republikanischem Entrüstungsgeschrei", „Theaterdonner" etc. den Saal verlassen. |; i [ii-jjjj Der Inhalt dieser Notiz wurde sofort zum Gegenstand einer Rücksprache mit dem Hauptbeteiligten, Herrn Cohn von der Pressestelle der Reichsregierung gemacht. Der Bericht der Zeitung erwies sich als Aufbauschung und Verzerrung der Tatsachen. Der betreffende Beamte gab an, lediglich aus Disziplin gegenüber seiner vorgesetzten Behörde durch Verlassen des Festsaales gegen das Fehlen der Reichsflagge protestiert zu haben. Ein unbeachtetes Uebergehen dieses Vorfalles hätte er a u s dienstlichen Rücksichten nicht verantworten können. Einen Protest gegen das Vorhandensein der schwarz-weiß-roten Fahne habe er nicht erhoben. Ein Eingehen auf die Angelegenheit in der Presse wurde von ihm nicht gewünscht. Wegen des Abdruckes der Notiz in der „K. I. A.-Z." wurde unser Landesverband Ostpreußen bei der Redaktion des volksparteilichen Blattes vorstellig. Die Redaktion sprach wegen der geschmacklosen Notiz ihr Bedauern aus und erklärte, daß ihre Redakteure strengste Anweisung hätten, in Bezug auf Notizen, die die jüdischen Leser unnötig verletzen könnten, äußerste Vorsicht walten zu lassen. Stadttheater Konstanz. Unsere Ortsgruppe Konstanz wurde beim Oberbürgermeister vorstellig, weil in zwei Aufführungen des Stadttheaters — es handelte sich um die Stücke „Zweimal Oliver" und „Robert und Bertram" — auf der Bühne stark gemauschelt wurde. Die Direktion des Theaters bat darauf um eine Unterredung mit dem Vorsitzenden der Ortsgruppe. Sie versicherte wiederholt, daß ihr jede beleidigende oder judenfeindliche Absicht ferngelegen habe und daß man in Zukunft den Wünschen unserer Ortsgruppe in jeder Hinsicht nachkommen werde. Die Theaterdirektion schlug, um alle weiteren derartigen Unannehmlichkeiten zu vermeiden, vor, daß in Zukunft der Ortsgrupppenvorstand bei Stücken mit jüdischen Rollen zu einer Probe eingeladen werden würde, damit ihm die Möglichkeit gegeben werde, sein Urteil zu äußern. ' 72

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.