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Central-Vereins-Dienst · 1927-08-20 · 5 (20.8.1927) · p. Seite 68

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Journal
Central-Vereins-Dienst
Volume
4 (1927)
Issue
5 (20.8.1927)
Date
1927-08-20
Page
Seite 68 (sequence 4)
Language
German
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Ausdruck bei der Korrektur gestrichen sei; leider ist es jedoch übersehen worden, was uns sehr unlieb ist. Wir bitten, dieses Versehen unsere Anstalten nicht entgelten zu lassen und dürfen darauf hinweisen, daß die Alsterdorfer Anstalten sich dauernd bemühen, nach jeder Richtung hin vollständig neutral zu sein und keine politische Propaganda in ihren Mauern zu dulden. Seit ihrer Begründung stehen ihre Tore allen Hilfsbedürftigen ohne Unterschied der Konfession und der politischen Stellung offen." Einwanderung nach Kanada. Wir erhielten in letzter Zeit zahlreiche Beschwerden, die die Erteilung von Visen für Kanada an deutsche Juden zum Gegenstand hatten. In einer beträchtlichen Anzahl von Fällen waren die betr. Gesuche mit Begründungen abgeschlagen worden, die keinen Zweifel darüber ließen, daß eine Sonderbehandlung jüdischer Einreisesuchender vorlag. Auf eine Intervention beim kanadischen Einwanderungskommissar in Hamburg, um deren Durchführung wir den Hilfsverein der Deutschen Juden gebeten hatten, erklärte der Kommissar, daß er in Zukunft keinen Unterschied bei der Erteilung von Einreisevisen an deutsche Staatsangehörige mehr machen werde. Der kanadische Kommissar hat, wie uns berichtet wird, dem Norddeutschen Lloyd eine entsprechende mündliche Erklärung abgegeben. Daraufhin habe der Lloyd bereits zwei deutsche Juden für Kanada gebucht. Judenfeindlichc Anschläge bei Behörden. Auf eine Eingabe an den Reichs min ister der Finanzen erhielten wir folgende Antwort: „Es trifft zu meinem Bedauern zu, daß im Finanzamt Corbach an der Innenseite eines Schrankes ein Gedicht von Max Bewer „Wenn alle Menschen Juden wären" und darunter ein Bild „Die erfolgreiche Posse" angebracht waren. Gedient und Bild sind entfernt worden. Ich habe die erforderlichen Maßnahmen getroffen, um eine Wiederholung derartiger Vorfälle auszuschließen. Im Auftrage gez. Thümen". Mißbrauch der Diensstelle. Auf eine Eingabe an das Direktorium der Reichsbank, in der wir darüber Beschwerde führten, daß der Geschäftsführer des Bezirkes Hamm i. W. der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei Heinz Stadermann, der Reichsbankbeamter ist, seine Dienststelle und das Telephon seiner Dienststelle für Zwecke seiner Partei mißbrauchte und das öffentlich im „Völkischen Beobachter" ankündigte,, erhielten wir vom Präsidenten der Reichsbank, Dr. Schacht, folgenden Bescheid: „Auf die Schreiben vom 5. v. Mts. und 2. d. Mts. erwidere ich ergebenst, daß zur Abstellung der dargelegten Mißstände das Erforderliche veranlaßt worden ist." Diesterwegschule Kamen. Im „Deutschen Tageblatt" erschien unter der Ueberschrift „Fremdstämmige Lehrer, ein Ausschnitt aus Beckers Reich" eine Notiz, die sich gegen die Beschäftigung des jüdischen Lehrers Hugo Hermann an der achtklassigen evangelischen Diesterwegschule in Kamen in Westfalen wandte. Material über die Angelegenheit, die in völlig unzutreffender Weise dargestellt ist, steht auf Wunsch zur Verfügung. V Technische Hochschule München. In Nr. 14 des „Nachrichtenblattes der Studentenschaft der Technischen Hochschule in München" vom 27. 5. 27 befand sich ein Aufsatz „Grüne Internationale", in dem es u. a. hieß: „Es muß hier vor allem darauf verwiesen werden, daß sowohl die Internationale des Finanzkapitals, als auch jene der Proletarierführer rein jüdische Angelegenheiten sind, daß die in diesen Organisationen zum Ausdruck gelangenden Bestrebungen ausgesprochen volksfeindlich und nur dazu angetan sind, die Machtverhältnisse in den einzelnen Staaten zugunsten der jüdischen Vorherrschaft zu verschieben ... die vollständige Unterjochung des produktiven, des Bodenkapitals durch das jüdisches Leihkapital. Wer, so fragen wir, wird in dieser Weltausgleichsstelle des landwirtschaftlichen Kapitals sitzen? Welche Kräfte werden sich hier betätigen und wessen Hand wird letzten Endes darüber entscheiden, ob die Landwirtschaft eines Volkes aufblühen und gedeihen oder verelenden soll?" Unsere Geschäftsslelle München hat darauf nach vorheriger Fühlungnahme mit uns nahestehenden Persönlichkeiten an der Hochschule an die Redaktion des Blattes und an den Asta ein Schreiben gerichtet, in dem es hieß: „Wir sind der Auffassung, daß das Nachrichtenblatt, das die amtlichen Nachrichten des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus, des Rektorats und des Bundes der Freunde der Technischen Hochschule enthält, sich von politischen Erörterungen überhaupt und insbesondere von derart einseitigen und einen Teil der Studentenschaft der Technischen Hochschule, nämlich die jüdischen Studenten, kränkenden und verletzenden Erörterungen freihalten sollte, weil solche Erörterungen mit der für ein halbamtliches Blatt gebotenen Neutralität nicht in Einklang stehen .... Wir gestatten uns, Ihre Aufmerksamkeit darauf zu lenken und Sie um Mitteilung zu bitten, welche Stellung Sie zu diesem Aufsatz einnehmen und ob Sie dafür Sorge tragen wollen, daß künftig ähnliche Auslassungen in dem Nachrichtenblatt keine Aufnahme mehr finden." Es entspann sich darauf eine umfangreiche Korrespondenz die ihren Niederschlag in einer Senatssitzung fand, in der das Verhalten des Asta und der Redaktion des Akademischen Nachrichtenblattes kritisiert wurde. Obgleich nahezu das gesamte Professorenkollegium politisch rechts steht, wurde einstimmig der Standpunkt eingenommen, daß die Veröffentlichung derartiger Artikel und Ausdrücke eine Geschmacklosigkeit ohnegleichen darstelle und daß dies den Redaktionen besonders vorgehalten werden müsse. Der Senat bekundete seine Entschlossenheit, das Organ in Zukunft nicht mehr zu offiziellen Bekanntmachungen zu benutzen, wenn sich derartige Ausschreitungen wiederholen sollten. Asta und Schriftleitung wurden von diesem Beschluß verständigt. Volksgemeinschaft'Propaganda'Zentrale. Die von einem Dr. Sturm geleitete V o 1 k s g e - meinschaft-Propaganda-Centrale sammelt Beiträge. Wir machen darauf aufmerksam, daß der genannte Herr früher Nationalsozialist war, und sich von der Partei später abgewendet hat. Aus diesem Grund empfiehlt es sich nicht, der Sache Gelder zuzuführen. 68

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