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Central-Vereins-Dienst · 1927-05-30 · 3/4 (30.5.1927) · p. Seite 61

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Journal
Central-Vereins-Dienst
Volume
4 (1927)
Issue
3/4 (30.5.1927)
Date
1927-05-30
Page
Seite 61 (sequence 29)
Language
German
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verkehrt, als Genosse in der Politik, als Freund irr» geschäftlichen Verkehr und im Hause, als Vertrauter, vielleicht als Lehrer in wissenschaftlicher Forschung. Er hat in Gesellschaft mit ihm getrunken und gelacht, war geehrter Brautzeuge, wenn sein christl. Freund die Tochter vermählte, und hat trauernd seinen Kranz auf den Sarg des Christen gelegt, er hat seine Söhne für das Vaterland in den Kampf geschickt und hat sich als guter Deutscher gefühlt in Liebe und Abneigung. Jetzt sieht er entsetzt, daß ein Abgrund geöffnet ist zwischen ihm und seinen christlichen Freunden, und daß immer noch das alte grausige Schicksal der Vorfahren über seinem Leben und der Zukunft seiner Kinder hängt.....Er hat für die Christen aufgehört, der Nächste zu sein." (S. 14/15.) Tierschutz und Religion. Wie wir dem „Chemnitzer Tageblatt" vom 4. 4. 1927 entnehmen, sprach über dieses Thema am 2. April im Chemnitzer Tierschutzverein Prof. Dr. Max, Herzog zu Sachsen, ein Bruder des letzten Königs von Sachsen und Professor der Theologie an der Universität Freiburg (Schweiz). Der Redner führte aus, daß "schon in den Religionen der Aegypter: Perser und vor allem der Inder die Tiere unter einen besonderen Schutz gestellt werden. Auch in der monotheistischen jüdischen Religion werden schon im Schöpfungsbericht Tiere und Menschen als eine Einheit dargestellt. Gott führt die Tiere dem Menschen zu wie einem Vater. Er hat allerdings auch den Menschen zum Herrn der Tiere gesetzt, weil er ihnen mit seinem höheren Intellekt das ersetzen soll, was ihnen fehlt. Das mosaische Gesetz hat eine ganze Reihe tierschützender Bestimmungen (der Sabbat auch ein Ruhetag für die Tiere, „Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden", „Der Gerechte erbarmet sich seines Viehes"). Interessant waren auch die Schlußausführungen des Redners, in denen er darauf hinwies, daß gerade ins katholischen Ländern, wie Italien und Spanien, wenig von Tierschutz zu spüren sei. Er sah darin ein Zeichen des Fehlens echter innerlicher Religiosität: Eine richtig aufgefaßte und geübte Religiosität muß auch zum Tierschutz führen, beide, Religion und Tierschütz, führen wechselseitig eins zum andern, eins muß das andere stützen und tragen. Hans Fr. Blumk, „Zur Rassenbildungsfrage." Anläßlich des Erscheinens des Buches von Scheidt, „Rassenbildung der Elbinsel Finkenwärder" (Verlag J. F. Lehmann, München) schreibt Hans Fr. B1 u n c k im Aprilheft der „Tat" (Heft 1, April 1927) unter der Ueberschrift: „Zur Rassenbildungsfrage". Einige Stellen seiner Ausführungen, die von besonderem Interesse sind, mögen im Nachstehenden folgen. Sie sind überdies geeignet, die Ansicht zu widerlegen, als werde die „Tat" und ihr Verlag Eugen Diederichs, Jena, in judenfeindlichem Geiste geleitet. „Ich habe während dieser ganzen Jahrzehnte, die mich unsere Volkswerdung fesselt, immer wieder mit Erstaunen gesehen, wie die niedersächsische Landschaft den einwandernden Menschen wandelt una umarbeitet, zumal in seinen Kindern, just wie mir auch der Amerikadeutsche in Nord und Süd schon nach einigen Geschlechtern verändert schien. Gewiß spreche ich dem Blut entscheidende Bedeutung oft durch Jahrtausende zu, aber ich sehe auch wieder Anpassungsvorgänge, wie etwa bei den westdeutschen Juden, die zu leugnen politisch zweckhaft sein mag, aber für den ernsten Beobachter unmöglich ist. Eins der Bücher, die der Wissenschaft der Rassenkunde schwersten Schaden angetan hatten, scheint mir die Günthersche Veröffentlichung. Günther baut ohne genügende Forscherarbeit eine Reihe von Thesen auf, die für den Laien leicht faßliche Antworten auf uns alle bedrängende Entwicklungsfragen sind, die sogar einen klaren Kopf wie Börries von Münchhausen (nach meiner Vorstellung einer der besten Kerle unseres Volkes) stark beeinflußte, die aber zugleich in unserem Volk verworrene Ideale groß werden ließen, die es bei Umwertung durch die neuere Wissenschaft geradezu verzweifeln machen wird, und zugleich in das Volkstum Spaltungen hineintrieben, die vielleicht aut Geschlechter nicht wieder gutzumachen sind" (Seite 48). „Wir bestreiten aus unserer Einstellung heraus, daß sich mit dem sehr starken Selbstbewußtsein auf unsere Volkheit und seine Geschichte notwendig eine feindselige Einstellung zu anderen Völkern^ und Rassen ergeben müsse. Wir haben von der Küste aus seit Jahrhunderten die Ueberseebeziehungen in einer Weise gepflegt, die uns freundschaftlich mit anderen Erdteilen verband, ohne deshalb etwas unseres Wesens aufzugeben. Wir haben ferner viele Jahrhunderte (wie der Engländer) ohne Verlust die westjüdische Bevölkerung neben uns gehabt, ohne daß wir je einen phantastischen, unser Volk zerreißenden Antisemitismus kannten, wie er heute ausgebrochen ist ... . Man könnte einwenden, daß jene Wellen neuester Zeit sind, weil Berlin eine Einwanderung zuließ, vor der die altjüdischen Kreise Deutschlands selbst am dringendsten gewarnt haben. Darf ich da unter den gegebenen Umständen auf eine der wesentlichsten Forschungsfragen aufmerksam machen. Handelt es sich bei jener östlichen Bevölkerung wirklich um rassenjüdische Kreise? Soweit ich höre, wird das vielfach verneint, man sagt, der Ostjude sei zum guten Teil slawischer oder armenischer Prägung. Es erhebt sich also die weiter drängende Frage: Wieviel Fremdbestände haben wir vielleicht schon in früherer Zeit aufgenommen und wie haben diese auf unsere Volkstumbildung eingewirkt? Es handelt sich ja nun einmal um den Einzug einiger hunderttausend fremder Menschen, zu dem wir irgendwie mit Ernst Stellung nehmen müssen. Ich habe wenigstens noch keinen Antisemitenführer gefunden, der diese Gruppe in Wahrheit wieder hinausdrängen will. Man will nur zweitklassige Stellungen schaffen, sie etwa an Aemtern nur beschränkt teilnehmen lassen, eine Forderung, die äußerst bedenklich ist, da wir Märtyrer schaffen und vielleicht bei deutschen Staatsbürgern die Trägheit der weniger bewegten Geister fördern könnten. Mit anderen Worten, wir stehen vor der großen Frage: Haben wir Aussicht, diese Kreise unserem Volkstum im Laufe der Zeit ohne Schaden einzuschmelzen oder können erhebliche Störungen und Unterentwicklungen sich ergeben? Mir scheint dabei beachtlich, daß wir in den Colonnenlagern Süddeutschlands eine umfassende Menge semitischen Blutes aufnahmen, größer vielleicht als der heutige jüdische Bestand in unserem Volk. Ferner, daß wir in Vorzeit und Mittelalter große Gruppen Mongolen haben aufnehmen müssen (von Slawen garnicht zu reden), die gewiß heute noch hier und da hervortreten, denen aber niemand die Berechtigung zur Führung des deutschen Namens absprechen wird. Ich persönlich bin ja überzeugt, wir werden auch die heutige jüdische Bevölkerung, soweit sie nicht im zionistischen Sinn sich bewußt anational entwickelt, zu uns nehmen und uns eingliedern, wenn einmal die Verantwortung an Stelle des Phrasenrausches auf beiden Seiten tritt, und wir ernsthaft überlegen, welche und wie breit die wirkliche Gefahrzone ist. Wir werden allerdings dabei 61

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