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Central-Vereins-Dienst · 1927-05-30 · 3/4 (30.5.1927) · p. Seite 59

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Journal
Central-Vereins-Dienst
Volume
4 (1927)
Issue
3/4 (30.5.1927)
Date
1927-05-30
Page
Seite 59 (sequence 27)
Language
German
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kleidet hatte, er erinnere sich genau meiner Aeußerung und könne auf seinen Eid jederzeit bezeugen, daß sie in dem Sinne zu verstehen sei, den ich soeben dargelegt habe. In Ergebenheit gez. Rathenau. Der letzte Satz des erwähnten angeblichen Zitates ist übrigens einem ganz anderen Zusammenhang entnommen. Es entstammt nämlich einer anderen Schrift Rathenaus, der im Jahre 1922 erschienenen „Zur Kritik der Zeit". Dort beschäftigt sich der Verfasser auf Seite 206/7 mit der Frage des geschäftlichen Nachwuchses. Es heißt dort: „Auf dem unpersönlichsten, demokratischsten Arbeitsfelde, dem der wirtschaftlichen Führung, wo jedes törichte Wort kompromittieren, jeder Mißerfolg stürzen kann, wo das souveräne Publikum einer Aktionärversammlung satzungsgemäß über Ernennung und Absetzung entscheidet, hat im Laufe eines Menschenalters sich eine Oligarchie gebildet, so geschlossen wie die des alten Venedig. Dreihundert Männer, von denen jeder jeden kennt, leiten die wirtschaftlichen Geschicke des Kontinents und suchen sich Nachfolger aus ihrer Umgebung." . Daß es sich hier nicht um jüdische Großlogenmeister und überhaupt nicht um das Judentum handelt, sieht jeder, der diesen Satz nur im Zusammenhang liest. Auch ein anderes berühmtes Zitat ist schon längst in seiner Haltlosigkeit nachgewiesen. Es ist der Ausspruch: „Die Revolution ist der Stern Judas", die Grätz angeblich in seinem Geschichtswerk gebracht haben soll. Die Nichtigkeit dieses Wortes ist allerdings schon so anerkannt, daß selbst Fritsch in den neuen Auflagen seines „Handbuches der Judenfrage" auf dieses Zitat verzichtet hat. Die Zusammenstellung schließt mit einigen Behauptungen, die wieder nur die ganze Unwissenheit ihres Verfassers zeigen. So schreibt er: „Der Bauer schafft Lebensmittel, der Jude nicht. Der Bauer arbeitet schwer, der Jude handelt. Den Preis macht nicht der Bauer, sondern die jüdische Börse." Der Verfasser weiß augenscheinlich nichts von jüdischen Bauern, die es nicht nur in Palästina gibt; ebensowenig von der Masse jüdischer Handwerker und Arbeiter, die sich besonders im Osten Europas, aber auch in Amerika zahlreich finden. Es sei hier besonders verwiesen auf den C. V.-Dienst II Nr. 2, S. 16. Wenn es zum Schluß heißt: „Seid deutsch und sozial! Kämpfet für wahres Christentum und echtes Deutschtum, für die Bedrängten!" so können wir dem Verfasser nur zustimmen. Ob dies aber auf dem von ihm vorgeschlagenen Wege geschehen kann, dürfte man wohl bezweifeln. In diesem Zusammenhang sei auch auf den „Eisenhammer" hingewiesen, der in seiner Nr. 11, Jahrgang 1927, einen Artikel von Fritz Schlegel bringt. Der Verfasser will darin eine jüdische Bestätigung für die sogenannten zionistischen Protokolle nachweisen. Wie seine Beweise beschaffen sind, mögen nur zwei Beispiele zeigen. Zunächst bringt er die angebliche Aeußerung des Rabbi Wise, die dieser in der Familienzeitung „Deborah" zum Weihnachtsfest 1890 getan haben soll. Diese Aeußerung ist schon längst als Fälschung erwiesen. Keiner von denen, die diese Stelle mit Vorliebe zitieren, haben wohl je die Zeitung „Debora" in der Hand gehabt. Er hätte sie darin auch schwerlich gefunden, trotzdem selbst Franz Delitzsch in seiner Schrift „Christentum und jüdische Presse" behauptete, daß sie sich dort befinde. Die Stelle, die Delitzsch bringt, und die von da aus den Weg in die Völkische Presse gemacht hat, findet sich in der von Isaak M. Wise redigierten Zeitung: „The American Israelit" (Bd. 27 Nr. 25 vom 17. 12. 1880), als deren Beilage die „Deborah" erschien. In der genannten englischen Zeitung erschien ein Korrespondenzartikel aus San Franzisco, unterzeichnet Maftir. Dieser Maftir leistet sich dort noch mehr Geschmacklosigkeiten, die Wise ohne Kommentar abdruckt. Allerdings trägt die betreffende Rubrik am Kopf die Bemerkung: „Wir gestatten unseren Correspondenten den Gebrauch unserer Spalten, um ihre Meinung auszudrücken, lehnen jedoch jede Verantwortlichkeit für das, was sie sagen, ab." Delitzsch selbst scheint weder die „Deborah" noch „The American Israelit" zur Hand gehabt zu haben, sondern ließ sich wohl vom „Christlichen Apologet", Cincinnati, unterrichten. Aus alledem geht aber wohl zur Genüge hervor, daß es sich hierbei keineswegs um die Aeußerung eines irgendwie kompetenten Vertreters der Judenheit handle. Es geht aber keineswegs an, daß die Judenheit in ihrer Gesamtheit oder auch nur der Herausgeber der „Deborah" für die Auslassungen irgendeines obskuren Juden aus San Franzisko verantwortlich gemacht werden kann. Ebenso als Fälschungen erwiesen sind zwei angebliche Aeußerungen von Cremieux, die seit 40 Jahren in der antisemitischen Literatur eine bedeutende Rolle spielen: „Ein neues messianisches Reich, ein neues Jerusalem muß erstehen anstelle der Kaiser und Päpste!" „Der Katholizismus, unser hundertjähriger Feind, unterliegt, auf das Haupt geschlagen!" Sie sind einer angeblichen Programmrede entnommen, die Cremieux im Jahre 1860 bei der Gründung der „Alliance Israelite" gehalten haben soll. Dieser Aufruf ist zuerst im Jahre 1883 von dem französischen antisemitischen Blatt „L'Antisemitique" veröffentlicht worden. Er ist von A bis Z eine grobe Fälschung. Der Gründungsaufruf der Alliance ist von 6 Männern unterzeichnet, unter denen sich Cremieux nicht befand. Diese Fälschung ist übrigens gleich nach ihrem Auftauchen von Dr. S. N e u m a n n in einer Broschüre aufgedeckt worden: „Die neueste Lüge über die Alliance Israelite, ein Probestück aus der israelitischen Moral". Trotzdem treibt diese Fälschung munter ihr Wesen weiter. Die einzige Aenderung, die sie erfahren hat, ist die, daß früher als Gründungsjahr der Alliance fälschlich 1874 angegeben wurde. Talmudzitate. Der Erfurter völkische Agitator Adolf Schmalix (vgl. C. V.-Dienst Nr. 1/2 Jahrg. 1927) bringt in seiner Nummer 11/27 des „Echo-Germania" folgendes Zitat aus dem „Talmud Raschi Exod. § 14: Den Besten unter den Christen muß man erwürgen". Dieser alte Ladenhüter aus dem Vorrat gefälschter Zitate wurde bereits ausführlich in Nr. 4 des C. V.-Dienstes 1924 (S. 32) behandelt. Des weiteren zitiert Schmalix folgende Stelle aus dem „Talmud Schulchan Aruch Eben Haeser § 4: 59

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