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Central-Vereins-Dienst · 1927-05-30 · 3/4 (30.5.1927) · p. Seite 58

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Journal
Central-Vereins-Dienst
Volume
4 (1927)
Issue
3/4 (30.5.1927)
Date
1927-05-30
Page
Seite 58 (sequence 26)
Language
German
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Reichstagsabgeordneten befinden sich 3 Juden und ca. ein halbes Dutzend Abgeordnete, die von Juden stammen. Nicht anders ist es bei den Kommunisten. Ebenso wird die Zahl der jüdischen Führer in Rußland arg überschätzt. Zudem ist die Zahl und der Einfluß der jüdischen Führer in Rußland immer mehr im Schwinden begriffen. Geradezu unsinnig ist die Behauptung, daß die Zahl der durch die jüdischen russischen Regierenden (jüdische Bolschewisten) Gemordeten auf 471/2 Millionen betragen haben soll; demnach wäre ja nicht weniger als ein Drittel der Bevölkerung Rußlands umgekommen. Doch kehren wir wieder zu den angeblichen Talmud-Zitaten zurück, die mit anderen Behauptungen ein wirres Durcheinander bilden. Die nächste Stelle behauptet: „Der Talmud lehrt, daß die Ehe des Nichtj u d e n (Christen) in den Augen der Israeliten keine Gültigkeit habe und daß der Jude keinen Ehebruch begehe, wenn er ein nichtjüdisches Weib schände. Der Jude tut nach seiner Auffassung sogar ein gutes Werk, wenn er recht viele Ghristenmädchen schändet." Diesen immer wiederkehrenden Vorwurf hat bereits Paul Fiebig in seiner Schrift „Juden und Nichtjuden" eingehend widerlegt. Es handelt sich hierbei nur darum, festzustellen, daß nach dem juristischen Begriff des jüdischen Eherechts eine vollgültige Ehe nur dann vorliege, wenn solche nach den jüdischen Rechtsformen vollzogen ist. Nach demselben Grundsatz ist auch die Ehe eines Minderjährigen nach dem jüdischen Recht ungültig. Damit ist aber nicht gesagt, daß ein Jude eine nichtjüdische Frau schänden dürfe. Diese ist, wie aus vielen anderen Stellen hervorgeht, aufs äußerste verpönt. Das jüdische Gesetz sagt hiermit nichts anderes als das Recht der katholischen Kirche, die eine Zivilehe nicht als vollgültig anerkennt. Der Verfasser kommt dann auf den Ritualmord zu sprechen und erwähnt dabei besonders zwei Fälle und zwar die Ermordung des katholischen Priesters Thomas und seinem Diener vor 70 Jahren in Damaskus und den Mord am Gymnasiasten Winter in Koni t z. Heute noch auf den schon zu wiederholten Malen behandelten Ritualmordaberglauben einzugehen, dürfte sich erübrigen. Es sei neben dem Werk von Strack: „Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit" auf das neue italienische Werk von Manz i n i, „L'Omicidio Rituale ei Sacrifici Umani" hingewiesen, das im C. V.-Dienst IV, Nr. 1/2 S. 1 eingehend besprochen wurde (vgl. auch C. V.-Dienst II Nr. 6, S. 42 und I Nr. 11, S. 85). Es folgt dann eine Zusammenstellung von unsinnigen Anklagen, nach denen die Juden gleichzeitig die Anstifter zur Christenverfolgung und der Inquisition waren. Auch sollen sie die letzten drei Zaren und deren Berater ermordet haben, obgleich Alexander III. eines natürlichen Todes gestorben ist, was freilich der Urheber dieser Anschuldigungen nicht zu wissen braucht. Eine weitere Anklage bildet eine angebliche Aeußerung eines jüdischen Rechtsanwaltes L o e b. Dieser soll am 24. 1. eines nicht näher angegebenen Jahres in Berlin bei der Versammlung gesetzestreuer Juden erklärt haben: „Wir Juden leben in einem christlichen Staat (gemeint ist das deutsche Reich), das ist mit den Interessen des Judentums unvereinbar; der christliche Staat muß zerstört werden." Es handelt sich hierbei um eine Aeußerung, die in einer Preßfehde des jüngst verstorbenen Generals von Wrisberg mit Franz Oppenheimer in der Frankfurter Zeitung eine Rolle spielte. Nach der Behauptung von Wrisberg soll Rechtsanwalt Loeb in einer Versammlung der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" am 29. 1. 1912 die fragliche Aeußerung getan haben. Was es mit dieser Aeußerung auf sich hat, hat bereits am 31. Januar desselben Jahres der „Reichsbote" in einer Berichtigung klargestellt: „Was nun die Bemerkung des Rechtsanwalts Dr. Loeb — der übrigens nicht als Redner der Vereinigung sprach, sondern als letzter Diskussionsredner eine persönliche Meinung äußerte — betrifft, so hat er keineswegs Trennung von Staat und Kirche gefordert, sondern nur betonen wollen, (daß die Theorie vom christlichen Staat nicht dahin führen dürfe, daß infolge der Ignorierung der Interessen des Judentums seitens des Staates die Aufrechterhaltung von dessen Institutionen in Frage gestellt und damit die Autorität seines Lehrinhaltes bei den eigenen Anhängern des Judentums geschwächt, die Religionslosigkeit — gegen das Interesse des Staates — gefördert werde. Der hier gegebenen Aufklärung entspricht übrigens die bisherige politische Stellungnahme des orthodoxen Judentums, das u. a. zurzeit auch für die Konfessionalität der Volksschule eingetreten ist." Ebensowenig stichhaltig ist das folgende Zitat von Rathenau: „Nimmermehr darf der Tag erscheinen, an dem der Kaiser auf stolzem Rosse, an der Spitze seiner Paladine, als Sieger durch das Brandenburger Tor einziehen wird; denn an diesem Tage hätte die Geschichte ihren Sinn verloren. Keiner von den Großen, die .jetzt in den Krieg ziehen, wird den Krieg überdauern. 300 Männer sind es, welche die Welt regieren, von denen einer den anderen kennt und jeder seinen Nachfolger bestimmt." das immer wieder herangezogen wird, obgleich Rathenau selbst es in dem folgenden Schreiben an den Vorsitzenden der Deutschen Demokratischen Partei in Rexingen als bewußte Fälschung hingestellt hat: Berlin W. 8 Auswärtiges Amt. Sehr geehrter Herr! Für Ihre freundliche Anfrage bin ich Ihnen sehr dankbar. Der von Ihnen zitierte Satz: „Wenn Deutschland siegen würde, hätte die Weltgeschichte ihren Sinn verloren", ist das Produkt einer bewußten Fälschung. Der authentische Satz findet sich in der kleinen Schrift „Der Kaiser", von der ich einen Abdruck beifüge, auf Seite 28; es betrifft eine Voraussage, die ich im Jahre 1914 gemacht habe und lautet wie folgt: „Nie wird der Augenblick kommen, wo der Kaiser als Sieger der Welt mit seinen Paladinen aut weißen Rossen durchs Brandenburger Tor zieht. An diesem Tage hätte die Weltgeschichte ihren Sinn verloren. Nein! Nicht einer der Großen, die in diesen Krieg ziehen, wird diesen Krieg überdauern!" Daß dieser Satz sich lediglich auf die Aussichtslosigkeit der damaligen Führer, den Krieg zu gewinnen, bezieht, geht aus dem folgenden Satz hervor: „Moltke stürzte und starb, Falkenhayn, Bethmann, Jagow, Tirpitz stürzten, im letzten Jahre war nur der Kaiser übrig und zum Schluß stürzte auch er." Als zum erstenmal eine Entstellung meiner Ausführungen in der Presse erschien, schrieb mir ein befreundeter Mann, der im Kriege eine hohe und verantwortliche Stellung im Kriegsministerium be- 58

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