Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- 3/4 (30.5.1927)
- Date
- 1927-05-30
- Page
- Seite 48 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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als protestantische Geistliche aus der Bibel heraus Angriffe gegen das Judentum richten. Ein wissenschaftlich unerhörtes Verfahren! Ein Beweis für das geringe Maß christlicher Oesinnung....." Innerjüdisches. PalästinaoBericht Dr. Wieners. In der letzten Zeit mehren sich wieder Anfragen unserer Freunde aus dem Reiche, aber auch Gerüchte, die aus einer bestimmten Quelle stammen, daß mein im „Vorbericht" angekündigtes Palästina-Buch gegen meinen Willen nicht erschienen sei, oder daß mein Material die Oeffentlichkeit zu scheuen habe. Von zionistischer oder Zionisten nahestehender Seite ist mir schon wiederholt mitgeteilt worden, die Leitung des C. V. habe ein Erscheinen des Buches verhindert, weil meine Ergebnisse die bisher bestehende Stellungnahme des C. V. gegen den Karen Hajessod nicht rechtfertigen können. Ich habe dazu das Folgende zu erklären, was teilweise in der C. V.-Zeitung erwähnt worden ist. 1. Es ist eine grobe Unwahrheit, wenn behauptet wird, die Leitung des C. V. habe das Erscheinen meines Buches aus den oben erwähnten Gründen verhindert. Das ist niemals der Fall gewesen. Im Gegenteil haben Herr Justizrat Brodnitz und Herr Direktor Dr. Holländer mich wiederholt aufgefordert, das Buch möglichst bald herauszugeben. 2. Es ist eine grobe Unwahrheit, wenn in nationaljüdischen Kreisen behauptet wird, die Ergebnisse meines Berichtes seien so, daß der C. V. die Veröffentlichung zu fürchten habe. Wer meinen Vorbericht kennt, weiß, daß diese Behauptung nicht im allergeringsten zutrifft. 3. Mein Buch ist deshalb bisher nicht erschienen, weil es kein etwas umredigierter Vorbericht sein sollte. Das Buch sollte planmäßig die Quellen und Grundlagen der gesamten jüdischen Arbeit in Palästina, also auch der nichtzionistischen klarlegen, sollte daher kein gewöhnliches Reisebuch und keine Propagandaschrift, die es beide zu hunderten gibt, sein. Eine solche Veröffentlichung existiert nicht; sie ist aber zur Beurteilung Palästinas unbedingt notwendig. Diese Arbeit würde aber erfordert haben, daß der C. V. mich mindestens zwei Monate nur dieser Arbeit hätte widmen lassen. Das konnte aus Gründen der Geschäftsverteilung der Zentrale nicht geschehen, zumal ich zwei Monate nicht fehlen kann. 4. Im Einvernehmen mit Prof. Goldstein ist beabsichtigt, daß ich für die nächsten Nummern des „Morgen" Aufsätze über Palästina schreibe. Auch eine ein wenig umredigierte Herausgabe des „Vorberichtes" kommt — notgedrungen — in Frage. Dr. Alfred Wiener. Synagogen«Besichtigungen. In ähnlicher Weise, wie in letzter Zeit vielfach Führungen von Schülern höherer Lehranstalten durch Synagogen stattfanden, hat Herr Rabbiner Dr. Klein- Düsseldorf, Führungen von Erwerbslosen durch die Synagoge in Düsseldorf veranstaltet. Auch diese Führungen haben sich ebenso wie die Schülerführungen als Mittel zur Aufklärung bewährt. Bankett zu Ehren von Weizmann und Marshall. Der Ita, Jahrgang VI Nr. 81 entnehmen wir folgende Berichte, die wir unseren Mitarbeitern hierdurch zur Kenntnis geben: NewYork, 25. März (J. T. A.) Mehr als 800 prominente Juden New Yorks, Zionisten und Nichtzionisten, wohnten dem Diner bei, welches ein aus Zionisten und Nichtzionisten sich zusammensetzendes Ehrenkomitee den Herren Dr. Weizmann und Louis Marshall gegeben hat. Richter Lehmann, der die Veranstaltung leitete, hielt an die beiden Ehrengäste eine Ansprache, in der er ausführte: Als wahre und treue Führer habet Ihr Eure Anhänger aufgefordert, die Ansichten, über die man nicht übereinstimmt, der Zeit zu überlassen und sich sofort über das zu einigen, was jetzt not tut. Diese Versammlung ist die Antwort auf Euern Ruf. Als sich nun Dr. Weizmann zu einer Ansprache erhob, wurde ihm eine langandauernde Ovation bereitet und ein großer Teil der Anwesenden stimmte die Hymne „Hatikwah" an. Ich halte es für meine Pflicht, zu betonen, sagte Dr. Weizmann, daß die Kommission, die im Begriff ist, sich nach Palästina und dem Orient zu begeben, um dort Prüfungen und Erwägungen anzustellen, nicht darüber zu entscheiden haben wird, ob Palästina aufgebaut werden soll oder nicht. Eine solche Entscheidung ist schon vor tausenden von Jahren getroffen worden. Die Kommission wird nur darüber zu befinden haben, welches die besten Wege und Mittel zum Aufbau sind. Es ist nicht möglich, die Ergebnisse einer solchen Prüfung vorwegzunehmen; aber es ist mir vollkommen klar, daß ein Teil der bisherigen Methoden abgeändert, modifiziert, ein anderer Teil kritisiert, ein weiterer Teil schließlich gebilligt werden wird. Im Namen aller überzeugungstreuen Zionisten kann ich versichern, daß uns eine faire unparteiische und vorurteilsfreie Prüfung sehr genehm ist, da wir sehr wohl wissen, daß das Resultat einer solchen Prüfung eine Förderung und Intensivierung unserer Bemühungen sein wird. Ich wage es, heute auszusprechen, daß die Besten in Israel, ob sie sich nun Zionisten nennen oder nicht, es deutlich empfinden, daß nun die Zeit gekommen ist, da kein einziger Jude es unterlassen dürfe, einen Stein zu dem Aufbau von Jeruschalajim schel mattah beizutragen, um auf diese Weise eine Verwirklichung von Jeruschalajim schel maalah herbeizuführen zu helfen. Zu Marshall gewendet, sagte Weizmann: Ich wende mich an Sie, Herr Marshall, der Sie als ein Führer der amerikanischen Judenheit den Weg zur Realisierung dieser fundamentalen Bestrebungen gewiesen haben. In diesem Jahre sind Sie 70 Jahre alt geworden, und Sie haben an Leistungen für das jüdische Volk einen Rekord gestellt. Sie haben nun diesem Rekord eine Tat beigefügt, die ewig fortwirken wird. Palästina macht jetzt eine schwere Zeit durch. Die Schwierigkeiten liegen aber nicht in Palästina selbst, sondern in erster Linie in der ungeheuer kritischen Lage der Juden in Osteuropa. Der Druck an die Tore Palästinas ging über die Aufnahmemöglichkeiten des Landes hinaus. Wir müssen dieser zeitweiligen Schwierigkeiten Herr werden. Ich hoffe, daß Zionisten und Nichtzionisten uns ihre Kräfte hierzu leihen werden, damit der Weg gebahnt wird für weitere Prüfung und weitere Bemühung. Herr Louis Marshall, von langanhaltendem Applaus begrüßt, führte aus: Jch sehe keinen hier, der es wagte, sich einen Antizionisten zu nennen. Wir haben alle Etiketten vor unseren Namen abgetan und sind als Juden zusammengekommen. Wir sind durch verschiedene Etappen gegangen. Als zuerst die Idee einer jüdischen Kolonisation in Palästina auflebte, da war es notwendig, Propaganda zu treiben, um das Interesse der Juden zu wecken. 48