Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- 3/4 (30.5.1927)
- Date
- 1927-05-30
- Page
- Seite 47 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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uns ein Aufsatz Armentrudes von Rauhe: „Von kaufmännischer Unmoral im 16. Jahrhundert", der im Jubiläumsband der Hansischen Geschichtsblätter erschienen ist. Wir entnehmen einer Besprechung von Dr. R. Schmidt in Nr. 12 der „Lübeckischen Blätter" vom 20. März 1927 folgenden Abschnitt: Die Abhandlung Ermentrudes von Rauhe, betitelt: „Von kaufmännischer Unmoral im 16. Jahrhundert", zeigt uns, „daß die geschäftliche Moral besonders des mittelalterlichen Kaufmannes .... noch recTit bedenkliche Lücken aufwies". Beweis dafür sind einmal die bedenkliche Einschätzung, die dem Kaufmannsberut unter anderen auch von Luther zuteil wurde, sodann die Einstellung des Kaufmannes in seinem eigenen Beruf. Die Verfasserin behauptet auf Grund ihrer Kenntnis der Handelsakten des Kölner Staatsarchivs, daß es im 16i Jahrhundert „ehrsame Kaufleute" von absoluter Zuverlässigkeit nicht gegeben habe, vielleicht auch nicht geben konnte, weil der Kaufmann in diesen Zeiten wegen der Ungenauigkeit des Maß- und Gewichtssystems, wegen der Mängel in der Konservierungstechnik einfach gezwungen war, seinen Kunden den Schaden aufzuzwingen, den er sonst selber tragen mußte. Dabei begnügte man sich nun allerdings nicht, Kunden zu übervorteilen und öffentliche Zahlungsstellen zu betrügen, sondern die einzelnen Kaufleute prellten einander, wo irgend es anging. Und nicht nur Fremde tun das untereinander, sondern wir haben urkundlich belegte Fälle, in denen ein Bruder dem Handel der Geschwister 6000 Taler für seine „Torheiten" entzieht, einen Schwiegersohn, der den Schwiegervater übervorteilt, einen Sohn, der das Magazin des Vaters bestiehlt, einen anderen, der ' als Angestellter seines Vaterjs ein eigenes Geschäft aufmacht und die Kunden des Vaters an sich zieht. Der wird dann vom Vater enterbt nicht nur aus den genannten Gründen, sondern weil er den Vater in einem Wortwechsel halb tot geschlagen hat. Die Verfasserin kommt bei der Frage, ob der Kaufmannsstand im 16. Jahrhundert besonders unmoralisch war, oder ob die allgemeine Moral in dieser Zeit so darniederlag, zu der Feststellung, daß zur Beantwortung dieser Frage noch sämtliche Vorarbeiten fehlen. Erfolge unserer literarischen Aufklärungsarbeit. Unser Landesverband Rheinland-Westfalen ist dazu übergegangen, die Bezieher der Monatsausgabe vor allem die Lehrerkreise mit Aufklärungsbroschüren zu versehen. Er fügt den Sendungen ein Anschreiben bei, in dem kurz auf den Zweck der Aufklärungsarbeit hingewiesen und die Bitte ausgesprochen wird, auf der ebenfalls beigefügten Freikarte über die Aufnahme der Broschüren und der C. V.-Zeitung im Kreise des Empfängers Mitteilung zu machen, gegebenenfalls auch Wünsche für die weitere Zusendung zu äußern. Soweit man bisher urteilen kann, hat dieser Weg guten Erfolg gehabt, wie zahlreiche Anerkennungsschreiben beweisen. Der Pfarrer einer westfälischen Gemeinde wurde von uns mit Broschüren über die Rassenfrage beliefert. Nach Mitteilung unseres Vertrauensmannes hat der Pastor erklärt, daß er nach Lektüre der Schriften seinen Standpunkt gründlich revidiert und die Bestrebungen des C. V. als vollständig berechtigt anerkannt habe. * Von einem Staatsanwaltschaftsrat, der von uns die Monatsausgabe bekommt, erhalten wir ein Dankschreiben, aus dem wir nachstehende bezeichnenden Sätze unseren Freunden zur Kenntnis geben: „Ich freue mich, auch hier in Berlin über den geistigen Kampf unserer jüdischen Mitbürger gegen die leider oft allzu niedrige und niedrig gehässige Angriffsmethode der Gegner unterrichtet zu werden; gerade die deutschen Katholiken, zu denen ich mich zähle, kennen die bittere Notwendigkeit einer gemeinsamen entschiedenen Abwehr gegen gewisse Kreise leider ja auch aus trüben Erfahrungen der Vergangenheit und Gegenwart." * Der Rektor einer rechtsrheinischen Volksschule, der auf Veranlassung unseres dortigen Landesverbandes die Monatsausgabe der C. V.-Zeitung erhält, sandte folgendes Dankschreiben: „Sehr geschätzter C. V.! Für die bisherige Zusendung der C. V.-Zeitung sage ich verbindl. Dank. Meine ganze Familie liest sie mit großem Interesse. Danach wandert sie weiter im Bekanntenkreise. So diene ich m. E. am besten der deutschen Volksgemeinschaft, von der auch Sie einen kleinen aber wertvollen Bestandteil bilden. Ich wünsche Ihnen ein recht herzliches Glückauf! zu Ihren segensreichen, dankenswerten Bestrebungen." * Von dem Bürgermeister einer westdeutschen Großstadt erhalten wir folgendes Schreiben: „Der C. V.-Zeitung erlaube ich mir, mit verbindlichstem Dank den Empfang des geschätzten Schreibens vom 12. d. Mts. zu bestätigen. Ich benutze gern die Gelegenheit, Sie zu versichern, daß ich dem deutschen Judentum mit aufrichtigen Sympathien gegenüberstehe. Mein bester Freund ist ein Jude, und ich kenne niemanden, der offener, herzlicher, verläßlicher und opferbereiter wäre, als er. Im übrigen ist es von jeher mein Bestreben gewesen, durch mein eigenes Verhalten dem Judentum gegenüber zu meinem bescheidenen Teil dazu beizutragen, daß es vergessen kann, was es an bitterem Unrecht und törichten und gehässigen Verfolgungen so lange hat leiden müssen und leider noch heute vielfach leiden muß. Hoffentlich kommt endlich die Zeit, da sich das deutsche Brüdergefühl zwischen allen Volksgenossen zum Heile unseres schwer geprüften Vaterlandes siegreich durchsetzt." * Von einem Pfarrer aus dem Freistaat Sachsen erhalten wir das folgende Schreiben: „Seit kurzem geht mir unverlangt die C. V.-Zeitung zu (Monatsausgabe) mit dem Anerbieten, das Blatt aut einige Zeit kostenlos zu überweisen. Ich kann wohl sagen, daß mir das recht ist, zumal ich in der Lage wäre, in unserem Gemeindeblatte mai dies mal jenes — unverbindlich — zu verwerten, was Sie brachten. Zu abonnieren, dazu könnte ich mich kaum verstehen. Aber an „Klärung irriger Anschauungen" liegt mir selbstverständlich auch viel, wie es ja zu meinen Aufgaben gehört, als evangelischer Geistlicher die religiöse Bedeutung des idealen Judentums bei passender Gelegenheit zu vertreten. Daher sehe ich mindestens auf Zeit der Weiterlieferung der C. V.-Zeitung gern entgegen. Hochachtungsvoll gez.: Unterschrift." * Ein evangelischer Geistlicher schreibt uns u. a.: „Sie senden mir schon viele Monate Ihr Blatt. Dafür danke ich Ihnen sehr herzlich. Seien Sie überzeugt, daß ich Ihre Interessen schon jahrlang unterstütze. Ihre Feinde sind auch meine Feinde. Es ist sehr bedauerlich, daß viele meiner Kollegen 47