Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- 3/4 (30.5.1927)
- Date
- 1927-05-30
- Page
- Seite 46 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Brief zu richten, den er auch der Schriftleitung der „Eisleber Zeitung" einsandte, und den das genannte Blatt in seiner Nummer vom 18. 2. veröffentlichte: Eisleben, den 17. Februar 1927. Herrn A. E 1 s n e r , Großmeister des Jungdeutschen Ordens, Hier. Im Eisleber Tageblatt vom 11. Februar d. Js. und in der Eisleber Zeitung vom 15. Februar d. Js. lese ich den Bericht über die Vollversammlung Ihrer Bruderschaft Eisleben, welche Sie geleitet haben. Ein Herr Bezirksdirektor Alfred Scholz-Halle hielt daselbst einen Vortrag, in dem gesagt wurde, daß - eine neue Inflation nicht zu befürchten sei, .,haben wir doch im Generalrat der Reichsbank neben sieben Ausländern, sieben Deutsche sitzen. Und diese sieben Deutsche sind Juden". Obgleich ich von der Unwahrheit dieser Behauptung sofort überzeugt war, habe ich in Berlin bei einem Mitglied des Börsen-« Vorstandes — also bei einer einwandfreien Quelle — Erkundigung eingezogen und erhalte folgende Antwort: „Es ist richtig, daß der Generalrat der Reichsbank aus sieben Ausländern und sieben Deutschen besteht. Diese sieben Deutschen sind: 1. Dr. Schacht — Urgermane, 2. Geheimrat Renschaard, München — Urgermane, 3. Franz Urbig, Diskonto-Ges. — Urgermane, 4. Louis Hagen, Köln — als Christ geboren, 5. Franz von Mendelssohn — seit verschiedenen Generationen christlich, 6. Fritz Warburg, Hamburg — Jude, 7. Oskar Wassermann, Deutsche Bank — Jude. Also in Wirklichkeit nur zwei Juden, die wegen ihrer hervorragenden Stellung und Kenntnisse Anspruch auf einen Sitz im Generalrat haben." Ob der Herr Vortragende die falsche Behauntung aus Unkenntnis der Tatsachen gemacht hat oder wissentlich die Unwahrheit sagte, um hierdurch eine antisemitische Stimmung zu erzeugen, das entzieht sich meiner Kenntnis. Wenn derartige Dinge in einer völkisch-antisemitischen Versammlung vom Stapel p-elassen werden, so kann man achselzuckend darüber hinweggehen, denn diese Herren sind nicht belehrbar. Wenn aber ein Redner in einer gut besuchten Versammlung des Innerdeutschen Ordens Behauntungen aufstellt, so müssen sie wahr sein und dürfen keinen aufhetzenden Beigeschmack haben. Da ich eine große Anzahl Ihrer Ordensbrüder persönlich kenne, und von ihnen weiß, daß sie die einseitig eingestellte politische Absicht des Redners nicht billigen, so darf ich von Ihnen, Herr Ordensmeister, wohl erwarten, daß Sie in loyaler Weise Veranlassung nehmen, Ihren Mitgliedern den wahren Tatbestand zugängig zu machen. Auf der gleichen Linie steht die weitere Auslassung des Herrn Vortragenden bezüglich der „anderen Versicherungsgesellschaften", welche angeblich unter „Einfluß des jüdisch internationalen Kapitals" stehen. Diese Behauptungen, welche als Propaganda für seine Versicherung gemacht sind, also einen geschäftlichen Zweck verfolgen, sind so durchsichtig, daß darüber kein Wort verloren werden soll. Abschriften dieses Briefes habe ich den beiden hiesigen Zeitungen: Eisleber Tageblatt und Eisleber Zeitung übersandt. Mit der Versicherung vollkommener Hochschätzung zeichne ich als Ihr ergebener gez. Benno Goldstein, Vorsitzender der Ortsgruppe Eisleben des Centraiverbandes deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Der Großmeister der Bruderschaft Eisleben des Jungdeutschen Ordens antwortete dem Vorsitzenden unserer Ortsgruppe in folgendem Schreiben, das ebenfalls in der Eisleber Zeitung (am 19. 2.) veröffentlicht wurde: Eisleben (Lutherstadt), den 18. Febr. 1927. Herrn Benno Goldstein, Vorsitzender des Centraiverbandes der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens, Ortsgr. Eisleben. Ich bestätige den Eingang Ihres Briefes vom 17. Februar d. Js. Nach persönlicher Orientierung werde ich selbstverständlich etwaige Unrichtigkeiten der Rede des Herrn Bezirksdirektors Scholz-Halle vor demselben Forum richtigstellen. Den beiden Eisleber Tageszeitungen habe ich Abschriften dieses Briefes übersandt. Mit der Versicherung vorzügl. Wertschätzung! Jhr ergebener Arno Eisner, Großmeister der Bruderschaft Eisleben (Lutherstadt) des Jungdeutschen Ordens e. V. Das „jüdische Wirtschaftsmanifest". In Nr. 1/2 des „C. V. - Dienst" vom 15. Februar brachten wir eine Notiz über die Unterzeichner des sog. „Jüdischen Wirtschaftsmanifestes". Wir schrieben dort, daß von den beiden Unterzeichnern aus Italien, Gino Olivetti und L. Toeplitz, nicht bekannt sei, ob sie noch dem Judentum angehören. — Wie uns von einem Verwandten des Herrn Ludwig Toeplitz mitgeteilt wird, gehört dieser noch dem Judentum an. Der „Polnische Zentralverband jüdischer Handwerker". Der Vorstandssitzung des „Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands e.V." vom 27. 12. 1926 wohnte als Gast der Sejm-Abgeordnete und Vorsitzende des „Polnischen Zentralverbandes jüdischer Handwerker" R a s e n e r bei. Dieser Verband, der allein 560 Ortsgruppen mit rund 120 000 Mitgliedern zählt und neben dem noch ein weniger bedeutender zionistischer Handwerker- Verein existiert, widerlegt das Märchen, von der Unproduktivität der jüdischen Bevölkerung. Da die Ziele des polnischen Verbandes — die Ausbildung und Seßhaftmachung der jüdischen Handwerker im Lande — sich im wesentlichen mit denen des deutschen Verbandes decken, wurde beschlossen, eine — zunächst rein informatorische — Verbindung mit den ausländischen Handwerker-Organisationen aufzunehmen. Kaufmännische Methoden im Mittelalter. Bekanntlich können sich die Judenfeinde in der Verurteilung der jüdischen Geschäftsmethoden im Mittelalter nicht genug tun. Ganz abgesehen davon, daß die angeführten Beispiele meist eine übertriebene Darstellung enthalten, berücksichtigt man nie, daß die Moralbegriffe des Mittelalters von den heutigen wesentlich abwichen. Einen wertvollen Beweis dafür, daß das Geschäftsgebaren angesehener christlicher Kaufleute vielfach erheblich gegen das verstieß, was die heutige Zeit vom ehrbaren Kaufmann fordert, liefert 46