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Central-Vereins-Dienst · 1927-05-30 · 3/4 (30.5.1927) · p. Seite 44

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Journal
Central-Vereins-Dienst
Volume
4 (1927)
Issue
3/4 (30.5.1927)
Date
1927-05-30
Page
Seite 44 (sequence 12)
Language
German
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„Hammerverlag" u. „Deutsche Erneuerungsgemeinde**. Die „Deutsche Erneuerungsgemeinde" in Leipzig wird von dem Sohn des Herrn Theodor F r i t s c h , Willi Kramer, geleitet und arbeitet mit dem „Hammer-Verlag" Hand in Hand. Das geschieht in der Weise, daß er Flugblätter vertreibt, die zuvor im „Hammer" erschienen sind. Bis jetzt sind 250 Nummern dieser Blätter erschienen und in vielen Millionen in Deutschland verbreitet worden und zwar je nach der Eignung an Lehrer, Geistliche, Rechtsanwälte, Arbeiter usw. Die „Deutsche Erneuerungsgemeinde" pflegt an jedermann, der nur einmal ein Flugblatt bei ihr bestellt oder eine Anfrage gemacht hat, laufend alle Neuerscheinungen kostenlos zu liefern. Stahlhelmführer Barthel-Roth. Wegen 14 Fällen von Amtsunterschlagung, Urkundenfälschung, begangen in den Jahren 1915—1927, wurde dieser Führer des Kölner Stahlhelms zu zwei Jahren 6 Monaten Gefängnis und 1000 Mk. Geldstrafe verurteilt. Außerdem wurde dem Verurteilten die Fähigkeit aberkannt, in den nächsten fünf Jahren öffentliche Aemter zu bekleiden. Auch das Familienleben des Angeklagten, das er selbst als „glücklich" bezeichnete, wurde bei der Verhandlung einer eingehenden Prüfung unterzogen, wobei sich auch auf diesem Gebiete manche nicht einwandfreie Punkte ergaben. Charakteristisch ist auch, daß B.-R. u. a. einen Geisteskranken, für den er als Notar verschieb dene Verträge abzuschließen hatte, betrogen hat. Arthur Herbert Wollnzihn. Der völkische Agitator Wollnzihn ist im Jahre 1925 wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe und zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden. Wir sind im Besitz eines Haftbefehls gegen diesen früheren Hauptschriftleiter der Kunze'schen „Neuen Zeitung" wegen Nichtleistung des Offenbarungseides. Wir bitten daher, völkische Versammlungen in Ihren Bezirken genau daraufhin zu überwachen, ob Wollnzihn als Redner angezeigt wird und auftritt. Sollte dies der Fall sein, ist sofortige Benachrichtigung der Centrale notwendig, damit wir den Haftbefehl umgehend zustellen können. Gymnasium Marienwerder. Aus Marien w erder wurde uns berichtet, daß auf dem dortigen Gymnasium sich unter den Schülern ein so judenfeindlicher Geist breit mache, daß ein begabter jüdischer Schüler sich veranlaßt gesehen hat, das Gymnasium noch vor dem Abitur zu verlassen. Er ist von seinen Mitschülern so boykottiert worden, daß er es in der Klasse nicht mehr aushalten konnte. Der junge Mann war gezwungen, sich dem kaufmännischen Beruf, der ihn garnicht befriedigt und für den er absolut keine Neigungen zeigt, zu widmen. Zum Eisenbahnattentat in Leiferde. Das „Mylauer Tageblatt und Anzeiger" brachte in seiner Nummer 24 ein „Eingesandt" der N. S. D. A. P., das sich mit dem Attentat in Leiferde befaßt und die schon des öfteren widerlegte Behauptung aufstellte, daß Schlesinger Jude sei. Des weiteren wird seine Tat mit einem angeblichen Gebot des Talmud in Verbindung gebracht und als eine religiöse Tat im Sinne des Talmud bezeichnet. Der Landesverband Sachsen des Centrai-Vereins sandte darauf folgende Berichtigung, die die Schriftleitung in ihrer Nummer 75 vom 30. März brachte: „1. Es ist nicht wahr, daß der Eisenbahnattentäter von Leiferde, welcher Schlesinger heißt, Jude ist. Wahr ist, daß er von christlichen Eltern abstammt, und daß während des Prozesses einwandfrei seine nichtjüdische Religion und Abstammung festgestellt wurden. 2. Das angebliche Talmudzitat: „Wer das Blut der Nichtjuden vergießt, der tut so viel, als wenn, er Gott opfert" ist weder an der angegebenen Stelle (Jalkut Schimoni 145c) noch sonst irgendwie zu finden. Wahr ist, daß Blutvergießen schlechthin von Bibel und Talmud verboten ist, ohne daß dabei jemals ein Unterschied zwischen Angehörigen verschiedener Religionen gemacht wird." Deutsch * österreichische Reisevereinigung Nord'Stid. In Oesterreich wurde im Jahre 1924, unterstützt von angesehenen völkischen Verbänden, die „D eutsch-österreichische Reisevereinigung Nord-Süd" mit dem Sitz in Graz gegründet, „um den reichsdeutschen Reiseverkehr nach Deutschösterreich zu lenken und den deutschen Volksgenossen aus dem Reiche das Reisen, Wandern und Ausruhen in Deutschösterreich zu erleichtern." — Die Tendenz dieser Vereinigung ersieht man aus folgenden Stellen des uns vorliegenden „Aufrufes zum Beitritt": „Mitglied der Vereinigung kann jeder Volksgenosse, Mann oder Frau, deutscher Zunge und deutschen Blutes werden. Etwaige Einnahmeüberschüsse werden deutschvölkischen Zwecken in Oesterreich zugeführt." Der Aufruf schließt mit folgendem Satz: „Helft uns, unserm Deutschösterreich den vordersten Platz unter den außerhalb der Reichsgrenzen liegenden Reisezielen zu schaffen, der ihm gebührt kraft seiner landschaftlichen Schönheit, kraft seines kern- und treudeutschen Volkes und im Interesse aller wirtschaftlichen, kulturellen und völkischen Aufgaben einer gemeinsamen deutschen Zukunft." Der Vorstand wird gebildet aus: Univers.-Prof. Dr. Hertie, Vors. des Alld. Verb, in Deutschösterreich; Apothekenbesitzer Hruby; Hofrat Dr. Planer; Bankdirektor Eisenzopf; Generalsekretär Geiser, sämtlich in Graz; Hof rat Kupka, Vors. des deutschen Turnerbundes in Wien und Verlagsdirektor Dr. Schmid, Wien. Briefmarkensammler*Vereinigung „Tirol**. Die Mitteilungen der Briefmarkensammler-Vereinigung „Tirol" in Innsbruck enthalten in ihrer Nr. 1 vom 3. Februar 1927 folgenden Beschluß der Hauptversammlung vom 10. Januar 1927: „Einlieferungen sollen möglichst nur von arischen Firmen angenommen werden. Sendungen jüdischer Firmen sind zurückzuweisen." 44

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