Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 4/5 (26.11.1926)
- Date
- 1926-11-26
- Page
- Seite 81 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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auch irgendwelche kulturellen Bestrebungen zionistischer Tendenz fördern, da eine solche Förderung ja den Grundsätzen unseres Vereins durchaus widersprechen würde. Im übrigen gelten als Leitsätze unseres Handelns die im Jahre 1913 gefaßte Zionisten-Resolution sowie die im Jahre 1921 angenommene und im Jahre 1926 ausdrücklich bestätigte Resolution über den Keren Hajessod, die beide unserem Standpunkt in nachdrücklichster Weise Ausdruck geben. Wenn auf Seite 10 der Broschüre Herr Mecklenburg einen Angriff auf diejenigen Mitglieder unseres Hauptvorstandes richtet, die als Rabbiner dem Kulturzionismus naheständen, wenn er ihnen „weltfremden Idealismus" vorwirft, der sie zum „Helfershelfer der Antisemiten", zum „Trennungsfaktor zwischen Deutschen und Juden" macht, so müssen wir diese Ausdrücke auf das Entschiedenste zurückweisen, Ohne in Personenfragen hier eingehen zu wollen, betonen wir ausdrücklich, daß wir auf die Mitwirkung des rabbinischen Elements bei der Führung unserer Vereinsgeschäfte höchsten Wert legen, und daß wir die Mitarbeit unserer bewährten Freunde keinesfalls missen möchten. Abgesehen von den hierauf bezüglichen Ausführungen des Herrn Mecklenburg zu denen wir unsere abweichende Haltung ausdrücklich festgestellt haben möchten, wünschen wir, daß die Broschüre als ein bedeutsamer Beitrag, die Klärung der einschlägigen Fragen fördern möge. Der Kolonisationsverein „Esra". Wir erhalten die nachstehende Zuschrift, die wir unsern Mitarbeitern hierdurch zur Kenntnis bringen: Wie in der großen erscheint auch in der kleinen jüdischen Welt nach den heftigen Stürmen der letzten Jahre ein gewisses Friedensbedürfnis eingetreten zu sein. Nicht nach Redeschlachten und scharfen Auseinandersetzungen, nach positiver Arbeit im Dienste der jüdischen Gemeinschaft steht jetzt der Sinn. Es herrscht in den weitesten Kreisen des deutschen Judentums vielfach zweifellos der Wunsch, auch die Kolonisation Palästinas zu fördern, und selbst die Kreise, die politisch azionistisch eingestellt sind, würden gern das Kolonisationswerk im Heiligen Lande unterstützen, wenn sie die Garantie hätten, daß die Kolonisationsfrage rein wirtschaftlich aufgefaßt und von jeder politischen Nebenabsicht freigehalten würde. Diese Bürgschaft kann nur eine Organisation bieten, die von vornherein auf rein wirtschaftliche Prinzipien aufgebaut ist und vor jeder Einseitigkeit geschützt wird. Diese Bürgschaft bietet der vor mehr als vier Jahrzehnten — im Jahre 1884 — begründete „Esra", Verein zur Unterstützung Ackerbau treibender Juden in Palästina und Syrien. Dieser Verein faßte von vornherein die Emigrationsfrage ausschließlich wirtschaftlich auf, und wenn er Palästina als das Auswanderungsland erkor, so geschah es in erster Reihe, weil die Kolonisten aus öffentlichen Mitteln unterstützt werden sollten und die Annahme berechtigt war, daß diese Mittel reichlicher fließen würden, wenn sie in Palästina Verwendung finden. Anderseits aber liegt Palästina den Hauptwanderungsländern Rußland und Rumänien besonders nahe, und die Uebersiedlung dahin ist viel billiger als nach den transatlantischen Ländern. Allein die Kostendifferenz zwischen die Uebersiedlung einer jüdischen Familie aus Osteuropa nach Nord- oder Südamerika auf der einen Seite und Palästina auf der anderen reichte in sehr vielen Fällen schon aus, ujn den Einwanderern in Palästina zur Gründung einer Existenz zu verhelfen. Wie das Ziel war auch der Weg von rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten diktiert worden. Die Absicht, verfolgten Juden zu einer produktiven Tätigkeit zu verhelfen, wurde konsequent durchgeführt. Es gelang dem Verein „Esra" stets, mit den möglichst geringsten Mitteln den möglichst größten Erfolg zu erzielen. Mit Geldbeträgen, die weit unter den üblicherweise in Ansatz gebrachten Summen blieben, hat der „Esra" allein und in Zusammenarbeit mit anderen Faktoren Kolonien begründet und unterstützt, sowie zahlreichen Familien mit beispiellos geringen Mitteln zur Gründung einer landwirtschaftlichen Existenz verholfen. Der „Esra" ist es auch gewesen, der die Mittel für eine Propaganda im Yemen hergegeben hat mit dem Ziel, die dort schwer verfolgten Juden zur Auswanderung nach Palästina zu bewegen. Der Erfolg war überaus befriedigend: Nicht weniger als 1500 Yminiten, darunter 300 erwachsene Arbeiter, wanderten im Jahre 1910 nach Palästina aus. Die Auswanderung geht seither automatisch weiter, dem Heiligen Lande alljährlich ein überaus wertvolles Ansiedlerelement zuführend. Die angesiedelten Kolonisten sucht der Verein „Esra" zu selbstbewußten Männern zu erziehen, die sich nicht als Almosenempfänger betrachten, sondern als Nehmer von Darlehen, die sie später in kleinen Raten zurückzuzahlen haben, um so die Möglichkeit zu geben, mit den zurückgezahlten Beträgen neue Kolonisten anzusiedeln. So bietet der „Esra" ein durchaus neutrales Feld der Betätigung auch für alle diejenigen Juden, die eine Vermengung von Hilfsaktion mit Politik ablehnen. Das Programm des „Esra" kann jeder Jude unterschreiben unbeschadet seiner Weltanschauung, seiner politischen Zugehörigkeit oder Einstellung. Der Verein „Esra" wendet sich an die weitesten Kreise der deutschen Judenheit und bittet um Förderung seiner Bestrebungen. Hier ist jedem Juden die Möglichkeit gegeben, an dem Aufbau Palästinas in einer von jeder politischen Bindung freien Weise teilzunehmen. Organisation. Verjüngung der Landesverbands*Vorstände. Wir bitten wiederholt alle Landesverbände, in ihre Vorstände auch Jugendliche aufzunehmen und dabei besonders Angehörige des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten zu berücksichtigen, um dadurch ein reibungsloses Zusammenarbeiten an den örtlichen Stellen zu gewährleisten. Versand von Rundschreiben. Unsere Rundfrage hat ergeben, daß der überwiegende Teil der Herren Vorsitzenden der Landesverbände und der Beamten des Centrai-Vereins in wichtigen Dingen einen Versand unserer Rundschreiben an die Ortsgruppen direkt wünscht. Wir werden veranlassen, daß den Landesverbänden von Fall zu Fall Kenntnis gegeben wird, mit welchen Rundschreiben die Ortsgruppen beliefert worden sind. * Um den Landesverbänden die Möglichkeit zu geben, Rundschreiben, welche sonst nicht allgemein zur Kenntnis gelangende wichtige Vorkommnisse aus der Vereinsarbeit behandeln, an besonders interessierte und wertvolle Persönlichkeiten weiterzugeben, werden wir den Landesverbänden künftig von jedem solcher Rundschreiben eine kleinere Zahl fortlaufend nummerierter Exemplare senden. Wir bitten die Landesverbände, den Persönlichkeniten, denen 81