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Central-Vereins-Dienst · 1926-11-26 · 4/5 (26.11.1926) · p. Seite 82

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Journal
Central-Vereins-Dienst
Volume
3 (1926)
Issue
4/5 (26.11.1926)
Date
1926-11-26
Page
Seite 82 (sequence 22)
Language
German
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die Rundschreiben weitergereicht werden, in einem besonderen Anschreiben die Wichtigkeit strengster Diskretion deutlich vor Augen zu führen. Telefongespräche. Es wird in der letzten Zeit von der Centrale aus beobachtet, daß Telefongespräche mit der Centrale für die Vorbereitung von Vorträgen, Mitteilungen und dergleichen einen großen Umfang angenommen h a b e n. Es hat sich bei näherer Prüfung herausgestellt, daß vielfach Telefongespräche geführt worden sind, in Angelegenheiten, die ebenso gut und weitaus billiger schriftlich erledigt werden können. Wenn wir auch die Notwendigkeit telefonischer Uebermittlung in besonders eiligen und dringenden Fällen nicht einschränken wollen, so müssen wir auf das dringendste bitten, bei jedem Gespräche zu prüfen, ob es wirklich unvermeidlich ist. Wie im Bürobetrieb überhaupt, so muß auch in dem Fall telefonischer Uebermittlung die größte Sparsamkeit herrschen. Vorsicht mit offenen Postkarten. Ein Vorfall der letzten Tage — eine vertrauliche politische Angelegenheit wurde auf offener Postkarte behandelt — gibt uns Anlaß, folgenden dringenden Wunsch auszusprechen: Für Mitteilungen an uns, die durch die Post befördert werden, und die vertrauliche Vorgänge behandeln, sind nach Möglichkeit Briefumschläge und nicht Postkarten zu benutzen. Versand der Monatsausgabe. Bei der Aufgabe von Adressen, an die die Monatsausgabe gesandt werden soll, bitten wir dringend darauf zu achten, daß es keinen Zweck hat, die Monatsausgabe an ausgesprochene Völkische zu senden. Dies führt nur zu fruchtlosen Auseinandersetzungen, ohne unserer Sache zu dienen. Jüdischer und deutscher Geist. Pfarrer Dr. Hartmann, Solingen-Foche, behandelte dieses Thema in der Ortsgruppe Essen des C. V. und stellte unter Ablehnung des Rassenstandpunktes zunächst die Frage nach dem deutschen Geist. Dessen Inbegriff suchte er aus der gesamten Geschichte Deutschlands festzustellen, und dabei ergab sich, daß er natürlich nicht an die äußeren Grenzen Deutschlands gebunden ist. Das Wesentliche läßt sich nicht in der bekannten schlagwortartigen Form von deutscher Treue oder Ehre und ähnlichen Begriffen fassen, sondern es ist nur zu verstehen als eine besondere seelische Haltung des Menschen, die etwas eigentümlich Fließendes und schwer Fixierbares hat. Nikolaus von „Cues, Luther, Rembrandt, Beethoven, Goethe und Hölderlin, aus deren Werken manches zitiert wurde, dürften das Wehen des deutschen Geistes am besten umschreiben. Dabei zeigt sich, daß der Deutsche versucht, alle Seiten des Lebens bis in die Konsequenzen auszudenken bzw. auszuleben und so das Einheitsbedürfnis des Geistes der Hingabe an das Leben und seine strömende Fülle unterzuordnen. Man kann also von einer polaren Geisteshaltung sprechen, die den Gegensätzen des Daseins in jeder Weise gerecht zu werden versucht. Das besondere Charakteristische des jüdischen Geistes, wie er in der jüdischen Geschichte und Religion sich offenbart, ist dagegen sein zielbewußtes Verhalten. Es kommt ihm aui Verwirklichung realer Ziele an, denen er auch sein moralisches Denken und Handeln unterordnet. Der Vortragende lehnte die übliche Art, jüdischen und deutschen Geist gegeneinander auszuspielen ab und entwickelte an der Hand von Beispielen, in welcher Weise sich jüdischer und deutscher Geist ergänzen und auf welchem Gebieten sie sich zu praktischer Zusammenarbeit finden können, und zwar Im Interesse der Erneuerung Deutschlands und der Menschheit. Tagung des Landesverbandes Raden. Am Sonnabend, den 29. September d. Js. fand eine Tagung des Landesverbandes Baden in Karlsruhe statt. Die Herren Dr. Marx und Dr. Freund erstatteten einen Bericht über die badische Arbeit. Herr Dr. W i e n e r - Berlin sprach über die Arbeit der Zentrale. An den Verhandlungen nahmen u.a. Dr. Ludwig Haas sowie der Stadtrabbiner von Karlsruhe, Herr Dr. Schiff teil. Am Tage darauf sprach Herr Dr. Wiener in der Ortsgruppe Karlsruhe in einer außergewöhnlich stark besuchten Versammlung über „Breslau und Magdeburg, zwei Lehren für das deutsche Judentum". Dr. Norbert Einstein. Herr Dr. Norbert Einstein, Berlin, hat in verschiedenen größeren Ortsgruppen Vorträge über aktuelle Wirtschaftsprobleme gehalten. Es sind uns von allen Seiten außerordentlich anerkennende Versammlungsberichte zugegangen, in denen besonders hervorgehoben wird, daß Herr Dr. Einstein, als Fachmann durch seine reichen Kenntnisse des ökonomischen Tatsachenmaterials es gut verstanden hat, sowohl die nationalwirtschaftliche als auch weltwirtschaftliche Problematik in Beziehung zu unserer C. V.-Arbeit zu setzen. Seine Ausführungen waren von so außerordentlichem Interesse für unsere Mitglieder, daß vielfach angeraten worden ist, Herrn Dr. Einstein vor nichtjüdischen Publikum zum Zwecke der Aufklärung sprechen zu lassen. * Frau Helene Lachmanski-Schaul, eine Konzertsängerin, die schon in selbständigen Veranstaltungen sowie durch Mitwirkung bei anderen Konzerten hervorgetreten ist, empfiehlt sich uns für C. V.-Veranstaltungen aller Art. Ihr Hauptgebiet bilden Lieder im Volkston und Kinderlieder. * Unser Hauptvorstandsmitglied, Herr Mittelschullehrer Stern steht während der Weihnachtsferien zu Vorträgen im Reiche zur Verfügung. Anfragen an uns. Vortragsliste 13. 9. Danzig. Sabatzky-Königsberg: .Die Rechtsnot und die Wirtschaftsnot der deutschen Juden unter besonderer Berücksichtigung des Magdeburger Falles". 26. 9. Karlsruhe. Landesverbandstagung. Dr. Wiener-Berlin: „Vertrauliches aus der Zentrale". 27. 9. Karlsruhe. Dr. Wiener-Berlin: .Breslau und Magdeburg — zwei Lehren für das deutsche Judentum". 2. 10. Berlin-Neukölln. Vortrag George Goetz. Simchas-Thora-Ball. 82

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