Central-Vereins-Dienst
- Journal
- Central-Vereins-Dienst
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 4/5 (26.11.1926)
- Date
- 1926-11-26
- Page
- Seite 76 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Kaufmann sagte: „Wissen Sie denn nicht, daß Sie dann in einem jüdischen Geschäft kauten?" Daraut der Herr Pfarrer: „Gerade deswegen kaute ich dort, weil ich besser und reell bedient werde." Ich habe mich heute am Versöhnungstage der Israeliten gefreut, daß man mich einlud, zum Weihnachtsfeste, dem Feste des Friedens mitzuwirken, die Armen zu beglücken. Nachdem das Schriftstück die Unterschrift Ew. Hochwohlgeboren trug, wollte ich nicht unterlassen, Ihnen Herr Dekan, als Haupt der evangelischen Kirchengemeinde zu sagen, daß mir Ihre und die Aeußerungen der Anderen sehr wehe taten." Drauf ging folgende Antwort ein: j,Sie hatten die Freundlichkeit, in längeren Ausführungen zu einem Schreiben des Evangel. Wohlfahrtsdienstes Stellung zu nehmen, das durch den Gemeindehelfer ohne meine Veranlassung an Sie gerichtet war. Ich bedauere außerordentlich, daß Sie sich verletzt fühlen durch eine Aeusserung meinerseits, die offenbar völlig entstellt und aus dem Zusammenhang gerissen, Ihnen überbracht wurde. Ich bin gerne bereit, darüber Aufklärung zu geben, wenn Sie sich einmal dazu entschließen können, mir einige Minuten zu schenken. In der kurzen Zeit meiner hiesigen Amtsführung konnte ich zu meiner großen Freude die Spuren Ihrer Menschenfreundlichkeit erkennen. Ich habe durchaus keinen Grund, an der Wahrheit Ihrer im höchsten Maße sozialen Gesinnung zu zweifeln, andererseits widerstrebt es mir, an die Zurückweisung von offenkundigen Mißverständnissen, wie sie Ihnen überbracht worden sind, Zeit zu wenden." Der in diesem Brief erbetene Besuch fand statt. Es ergab sich dabei, daß die Angaben über die Aeußerung des Geistlichen nicht auf Wahrheit beruhten. Er bekannte sich vielmehr als Freund des Judentums. Innerjüdisches. Der Tätigkeitsbericht Sir Herbert Samuels. Die Zusammenfassung, die wir in Nr. 2 des „C. V.-Dienstes" veröffentlicht haben, hat in der „Jüdischen Rundschau" (Nr. 65) vom 20. August einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. Man hat sich dort nicht gescheut, uns grobe Fahrlässigkeit und Ahnungslosigkeit in jüdischen Dingen vorzuwerfen, ja, man unterstellt uns sogar „bewußte Fälschung". Wir haben bereits in Nr. 3 des „C. V.-Dienstes" darauf hingewiesen, daß wir auf die Vorwürfe der „Jüdischen Rundschau" eingehend antworten werden. Wir haben garnichts zu beschönigen oder zu verleugnen und sind auch durchaus bereit, Fehler, die natürlich in jedem Bericht vorkommen können, ohne weiteres zuzugestehen. Was wir aber beklagen und zurückweisen, ist der Ton der Gehässigkeit und der Unsachlichkeit, der uns aus dem' andern Lager immer wieder entgegenhallt. Die Denkschrift Sir Herbert Samuels hatten wir bald nach ihrem Erscheinen bereits im vorigen Jahre einem bekannten Wirtschaftspolitiker, mit der Bitte um Uebersetzung und Anfertigung eines Gutachtens übergeben. Da es nicht möglich war, das umfangreiche Referat von ungefähr 60 Folioseiten für unsere Vertrauensleute und Vorstandsmitglieder zu vervielfältigen, wollten wir ihnen wenigstens durch einen kurzen Auszug Kenntnis von dem Inhalt der Denkschrift geben. Dieser Auszug wurde von einem unserer Mitarbeiter im Reiche angefertigt. Es war dem betreffenden Herrn nicht bekannt, daß es sich bei der Uebersetzung nur um eine sinngemäße und nicht wörtliche Uebertragung handle, auch hatte er das englische Original nicht ^ur Hand. Schon hieraus erklären sich verschiedene Unstimmigkeiten zwischen der Uebersetzung und der im „C. V.-Dienst" veröffentlichten Zusammenfassung. Außerdem gibt eine solche Zusammenfassung nur einen Extrakt aus dem Ganzen, und in der Verkürzung klingt manches schärfer als im Original. Die Einstellung zu dem Problem „Palästina" wird stets bei den Zionisten eine andere sein als bei Nichtzionisten. Man muß in dem mit großer Vorsicht abgefaßten Bericht Samuels vieles beachten, was zwischen den Zeilen steht, und es ist begreiflich, daß die Zionisten alles aus der Denkschrift für sich zu verwerten suchen, was zu ihren Gunsten spricht. An der Gesamttendenz des Samuel'schen Berichtes ändern die Angriffe der „Jüdischen Rundschau" gegen uns garnichts. Samuel zollt zwar, und das haben wir in unserer Uebertragung seiner Denkschrift deutlich zum Ausdruck gebracht, der Aufbauarbeit der Zionisten in Palästina vollste Anerkennung, aber sein Rückblick ist und bleibt voll kühler Sachlichkeit, erst kommt bei ihm der Engländer, und dann noch einmal der Engländer, und fast unbemerkbar erscheint der Jude Samuel! In den kritischen Bemerkungen zu Samuels Bericht an den englischen Kolonialminister schreibt der Uebersetzer der Denkschrift noch viel schärfer als der Verfasser der kurzen Zusammenfassung im C.V.-Dienst: „Trotz aller Wärme, die er dem Lande Palästina entgegenbringt,.......... liest sich sein Bericht vielfach nicht anders, als der eines englischen Gouverneurs von Jamaika oder irgend einer anderen Kronkolonie." Daß Samuel kein Anhänger des Zionismus war und ist, hat er stets betont, seine Verwaltungspraktik in Palästina hat deshalb auch von zionistischer Seite andauernd Anfeindungen erfahren. Der Vortrag, den Samuel am 16. September in München gehalten hat, setzte nach dem Bericht eines Zuhörers die anwesenden Zionisten in Erstaunen. Sie hatten die Rede eines begeisterten Bekenners zum jüdischen Nationalstaat erhofft und mußten das Referat eines kühlen hohen englischen Verwaltungsbeamten hören, der ihnen sagte, daß es keine jüdische Staatsangehörigkeit gibt, sondern nur eine palästinische, und daß der palästinische Staat wohl niemals die jüdische Heimstätte sein wird, daß sich vielmehr in ihm nur ein Heim gründen lasse. Alles dies ist bereits in der Denkschrift enthalten. 76 /