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Central-Vereins-Dienst · 1926-11-26 · 4/5 (26.11.1926) · p. Seite 75

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Journal
Central-Vereins-Dienst
Volume
3 (1926)
Issue
4/5 (26.11.1926)
Date
1926-11-26
Page
Seite 75 (sequence 15)
Language
German
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Die Gattin eines hohen christlichen Beamten bestätigte uns den Empfang der C. V.-Zeitung mit folgendem Schreiben: „Seit einiger Zeit wird mir die C. V.-Zeitung kostenlos zugesandt. Ich möchte Ihnen heute nicht nur herzlich dafür danken, sondern Ihnen sagen, daß ich Ihr Blatt stets mit größtem Interesse gelesen habe. Die C. V.-Zeitung führt nicht nur gegebenenfalls einen durchaus vornehmen Abwehrkampf, sondern steht auch literarisch auf einer Höhe, daß es eine Freude ist, sie zu lesen. Ich bin (um mit einem völkischen Ausdruck zu sprechen) Arierin, halte aber den heutigen Antisemitismus für ein nationales Unglück. Aus diesem Empfinden heraus schreibe ich Ihnen. Hochachtungsvoll gez. Unterschrift." * Ein pommerscher Industrieller schreibt uns: „Gestatten Sie mir, daß ich Ihnen für die Gratisübersendung der C. V.-Zeitung, Monatsausgabe, meinen verbindlichsten Dank ausspreche. Ich lese sie mit großem Interesse und entnehme aus ihr reiches Material, das mir wertvolle Hilfe verschafft in dem so schweren Kampf gegen den kulturfeindlichen Antisemitismus. Ein jeder, der Ohren hat zu "hören und Augen hat, zu sehen, muß die ungeheure Gefahr der antisemitischen Hetze erkennen lernen. Und die größte Gefahr sehe ich in ihrer moralischen Auswirkung. Nur der kann zu einer sittlichen und moralischen Höhe gelangen, der immer strebend sich bemüht, vor allem sich selbst zu erkennen; und wenn ich für alle Fehler und für alles Böse und Schlechte, was in der Welt vorkommt, gleich von vornherein einen Prügelknaben bereit habe, brauche ich (a garnicht erst in mein Inneres zu schauen. Antisemit kann nur jemand sein, der noch nie über sich selbst nachgedacht hat, über sich selbst nicht und auch über sein eigenes Volkstum nicht. Ich danke Ihnen nochmals für die Zusendung der Zeitschrift und ich werde sie mit regem Interesse weiterlesen, wenn Sie die Güte haben werden, sie mir auch "für die Folgezeit zustellen zu lassen." * Ein Staatsanwalt schreibt in einem längeren Brief u. a. das Folgende: „Ich danke Ihnen insbesondere auch für die regelmäßige Ueberweisung der C. V.-Zeitung, die wohl auf Ihre Veranlassung erfolgt ist, und würde mich sehr freuen, wenn ich die Zeitung, deren Inhalt ich mehrfach in meinen Reden und Vorträgen mit Nutzen verwendet habe, auch an meinem neuen Wohnort regelmäßig erhalten könnte." * Ferner ging das folgende Schreiben ein: „Seitdem ich für die Deutsche Hochschule für Politik eine Reihe von Vorträgen im Auswärtigen Amt übernommen habe, hatten Sie die Freundlichkeit, mir Ihr Blatt regelmäßig zuzustellen. Mit besonderem Interesse habe ich den Leitartikel in Nr. 42 gelesen, dessen Ausführungen im wesentlichen auch meiner eigenen Auffassung entsprechen. Ich möchte Sie bitten, mir den genauen Titel und den Erscheinungsort der in diesem Artikel genannten Zweimonatsschrift „Der Morgen" aufgeben zu wollen und begrüße Sie hochachtungsvoll gez. Unterschrift." Briefwechsel mit einem Geistlichen. Von einem Freunde wird uns folgender Briefwechsel mit einem Geistlichen zur Verfügung gestellt, den wir hier abdrucken. „Euer Hochwohlgeboren! Mit der heutigen Post, am Versöhnungstage der Israeliten, erhielt ich ein Schreiben des Evang. Wohlfahrtsdienstes, durch das ich aufgefordert werde, mich an einem Werke der Nächstenliebe zum Weihnachtsfeste zu beteiligen. Nachdem das betreffende Schriftstück die Unterschrift Ihrer Hochwohlgeboren trägt, wollen Sie mir gestatten, eine Angelegenheit zur Sprache zu bringen, die mir sehr am Herzen liegt. Ich will hier vorausschicken, daß ich mich in meinem ganzen Leben am Werke der Nächstenliebe beteiligt habe und bei dieser Gelegenheit viel mit Ihren Herren Amtskollegen in Berührung kam. Ich dari Herrn Dekan X, Frau Pfarrer Y, Frau Pfarrer Z, auch die Herren des katholischen Glaubens als Referenz aufgeben. Es werden von mir seit vielen Jahren ca. 20 alte Leute der Stadt wöchentlich mit einem Laib Brot unterstützt. Auch das Armenamt Hof wird Ihnen sagen können, daß ich stets bereit bin, für die Armen einzutreten. Es ist im allgemeinen nicht meine Art, in der Oeffentlichkeit über diese Tätigkeit zu sprechen. Es ist sogar eine Vereinbarung getroffen, in Stadtratssitzungen usw. einen Dank zu unterlassen. Ich bekannte mich stets zu den Menschen, die Geben als etwas Selbstverständliches betrachten. Andererseits hatte ich aber auch den Glauben, daß mir von Andersgläubigen wenigstens Gerechtigkeit widerfahren müßte. Leider ist dies jedoch nicht der Fall. \ Ich komme nun zu der bereits oben erwähnten Angelegenheit. Anläßlich einer Besprechung in Ihren Kreisen wurde ein Einkauf erwähnt, den Ihre Gattin in meinem Geschäft tätigte und dabei sollen Sie geäußert haben, daß Ihre Frau Gemahlin nicht wußte, daß ich Jude bin. Eine andere Dame sagte, sie kaufe erst dann in einem jüdischen Geschäft, wenn alle Möglichkeiten, die Ware in einem anderen Hause zu bekommen, erschöpft seien. Es bleibt selbstverständlich jedem Menschen überlassen, seine Einkäufe zu tätigen, wo er will. Wenn aber gesagt wird, man unterstütze mit Einkäufen in jüdischen Geschäften das sogenannte jüdische Kapital, so wolle mir gestattet sein, dagegen schärtstens Stellung zu nehmen. Euer Hochwohlgeboren bitte ich das Folgende sagen zu dürfen: Ich bin Rheinländer. Mein Großvater war Flaschnermeister, mein Vater wählte den gleichen Beruf, den er bis zum 70. Lebensjahr ausführte. Von sieben Brüdern wurde ich als einziger Kaufmann, die anderen lernten ein Handwerk. Als 14 jähriger Junge kam ich in die Fremde und mußte meinen Weg suchen. Meine Eltern sind heute über 80 Jahre und schon seit reichlich 20 Jahren muß ich sie unterhalten, weil sie nicht mit Glücksgütern gesegnet und nach den Ereignissen der letzten Jahre verarmt sind. Auch ich selbst lebe in bescheidenen Verhältnissen. Ich arbeite zum Wohle meiner Familie, für meine zahlreichen Angestellten und Arbeiter und zum Wohle derer, die in Not und Elend leben. Sehen Sie, Herr Dekan, hier etwas von jüdischem Kapital? Glauben Sie, wenn Ihre Gattin in meinem Geschäft für Mk. 10,— Ware gekauft hat, daß sie damit jüdisches Kapital unterstützt? Ich darf andernfalls sagen, daß ich zum großen Teil bei christlichen Lieferanten meine Einkäufe tätige. Es geht bei diesen Aufzeichnungen nicht in das Materielle, oder gar darum, Sie als Käufer für mein Geschäft zu gewinnen. Nein, es geht um die Liebe zum Nächsten, zum Mitmenschen, ein Wort, das wohl der Kernpunkt aller Religionen ist. Ein Amtskollege von Ihnen erzählte mir vor nicht langer Zeit, daß ihm in einem christlichen Geschäft ein Angebot in Knabenbekleidung gemacht wurde. Er entgegnete dem betreffenden Herrn, daß er die Artikel durch mein Geschäft beziehe. 75

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